12 Millionen? Die überschaubare Aussagekraft der offiziellen Twitter-Nutzerzahl für Deutschland

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"Pro Monat nutzen 12 Millionen Menschen in Deutschland Twitter" - genau diese Sätze hatte sich Twitter von der Veröffentlichung der offiziellen Zahl erhofft. Gefallen ist der Satz am Montag in der 20-Uhr-"Tagesschau" vor über 10 Mio. Zuschauern. Doch die Zahl leitet in die Irre - und ist insbesondere für ein soziales Netzwerk unbrauchbar. Warum? MEEDIA-Autor Jens Schröder kommentiert.

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Auch ich bin ein begeisterter Twitter-Nutzer. Als ich im November 2007 meinen ersten Tweet absetzte, war ich noch skeptisch, doch die Geschwindigkeit, mit der sich auf Twitter kommunizieren lässt und wie schnell man sich dort – auch beruflich – informieren kann, haben mich schnell überzeugt. Ich nutze Twitter sehr intensiv, deutlich intensiver als Facebook und andere soziale Netzwerke.

Gleichzeitig beschäftige ich mich aber seit über 15 Jahren beruflich mit Daten aus der Medienbranche. Berichte über sie, kritisiere sie, wenn die Aussagekraft nicht gegeben ist. So bin ich seit Jahren Kritiker der Print-MA, die mit Hilfe von Umfragen Leserzahlen von Zeitungen und Zeitschriften ermitteln will, in Wirklichkeit aber nur Erkenntnisse über die Bekanntheit einer Medienmarke liefert.

Vor zwei Tagen hat Twitter nun erstmals eine offizielle Nutzerzahl für Deutschland genannt. 12 Millionen seien es. Jetzt kommt aber das große Aber: „Die von uns kommunizierten zwölf Millionen versteht sich als eine Summe aus eingeloggten und ausgeloggten Nutzern, die monatlich zu Twitter kommen.“ Mit anderen Worten: Die 12 Millionen sind keine aktiven Nutzer, die ein Twitter-Account haben, sondern diejenigen, die einmal im Monat irgendetwas auf Twitter.com oder in einer Twitter-App tun: Ob selbst twittern oder eben nur irgendeinen Tweet lesen.

Das Hauptproblem ist dabei die Begrifflichkeit: Als Nutzer eines sozialen Netzwerkes wird in der Regel derjenige bezeichnet, der es auch wirklich aktiv nutzt. Ob als aktiver Twitterer oder passiver Leser. Er sollte sich aber zumindest ein Account angelegt haben. Twitter zählt hingegen auch alle Besucher der Website mit, die im Zweifelsfall nur 5 Sekunden pro Monat auf Twitter.com waren, weil sie den Link zu irgendeinem Tweet geklickt haben. Aus Sicht von Twitter ist das sogar verständlich. Durch Vermarktung auf Twitter.com sind neben den echten Nutzern eben auch diese Besucher wertvoll – Hauptsache, sie erzeugen vermarktbaren Traffic. Im Übrigen nennt auch die AGOF alle Besucher einer Website oder App „Unique User“, Twitter ist also nicht allein beim missverständlichen Umgang mit dem Wort.

Die Tatsache allerdings, dass gerade ein soziales Netzwerk von „Nutzern“ spricht, aber „Besucher“ meint, ist schade und gibt keinerlei Auskunft über die tatsächliche Popularität in Deutschland. Im Gegenteil: Die schwammige Zahl lässt sogar noch mehr am Erfolg zweifeln, weil ein weiteres Mal die Chance verpasst wurde, eine konkrete Zahl von tatsächlichen Twitter-Nutzern zu nennen. Zudem sagt die Zahl nichts darüber aus, wie sich Twitter in Deutschland entwickelt: Waren es womöglich vor einem Jahr 15 Millionen „Nutzer“? Man weiß es nicht. Und: Auf meine Nachfrage hin teilt Twitter mit, dass die Zahl anhand eigener Server-Daten ermittelt und mehrfach geprüft wurde. Aus Server-Daten, also gemessenen Visits, auf eine tatsächliche Nutzerzahl zu kommen – und dabei mit einzuberechnen, wie viele Leute mit mehr als einem Gerät (Büro-Rechner, Zuhause-Rechner, Tablet, Smartphone, etc.) auf Twitter.com waren, sie also wirklich als einen Nutzer zu zählen und nicht als fünf – das ist kein einfaches Business.

Anstatt einer solch schwammigen Zahl hätte Twitter lieber weiterhin keine Zahl nennen sollen.

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Alle Kommentare

  1. … danke für die Klärung. Ich glaube, es ist sogar noch verworrener: Die eingebetteten Tweets in Artikeln könnten ebenfalls mitgezählt werden. Schließlich verweist der eingebettete Tweet ja auf Twitter. Wer einen Artikel auf Spon, Meedia oder sonstwo liest, ist dann wahrscheinlich auch schon nach Twitter-Sprech ein „Besucher“ von Twitter. Gefühlt gibt es sehr viel weniger Twitter-Nutzer in Deutschland.

    1. Nein, solche Nutzer, die also eingebettete Tweets auf anderen Websites sehen, wurden laut Twitter explizit nicht mitgezählt.

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