„Tatort – Zorn Gottes“: Wotan Wilke Möhring auf den Spuren des IS-Terrors in Norddeutschland

ARD/NDR „Tatort: Zorn Gottes“, © NDR/Marion von der Mehden
ARD/NDR "Tatort: Zorn Gottes", © NDR/Marion von der Mehden

Fernsehen Ein Kämpfer des Islamischen Staates lässt sich von Schleusern nach Hannover schmuggeln – um dort einen Terroranschlag zu verüben. Der neue "Tatort" mit Wotan Wilke Möhring als Hauptkommissar Thorsten Falke nimmt sich eines brisanten Themas an und beleuchtet ohne die Moralkeule zu schwingen die IS-Ideologie. Ein sehenswerter Krimi, der zu den wichtigsten "Tatort"-Folgen des Jahres zählen dürfte.

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Die Story
Am Flughafen Hannover wird ein Toter gefunden. Kommissar Torsten Falke und Kommissarin Julia Grosz, dort bei der Bundespolizei, wird schnell klar, dass der Mann einer Schleuserbande zum Opfer fiel, die auf dem Flughafen agiert und der der Tote bei einer Aktion in die Quere kam. Zudem ist ein weiterer Passagier verschwunden. Bald stellt sich heraus, dass es offenbar einem IS-Heimkehrer gelungen ist, durch eine Sicherheitslücke im Flughafen zu schlüpfen und unbemerkt in die Stadt zu gelangen. Plant er ein Attentat? Den beiden Bundespolizisten bleibt nur wenig Zeit, um eine mögliche Katastrophe zu verhindern.

Die Story hinter der Story
Der Kampf und die verhärteten Fronten zwischen dem radikalen Islam und „dem Westen“. Beide Seiten, im „Tatort“ verkörpert durch den Schleuser Rocky Kovac und den IS-Heimkehrer Enis Günday, sind von der Schuld des jeweils anderen am Krieg überzeugt. Beide sind verzweifelt und fühlen sich vor allem eins: unverstanden. „100 muslimische Zivilisten killt doch der Westen jeden Tag weltweit. Über eine Millionen Muslime sind in den letzten zehn Jahren in Kriegen gestorben, die der Westen angezettelt hat. Und dann nennt ihr uns Terroristen, weil in Paris an einem Tag elf von euch sterben, oder was?“, behauptet beispielsweise Günday in einem Streitgespräch mit Kovac – das einen der dramaturgisch und schauspielerisch gelungensten Momente des Films darstellt.

Was taugt das Drehbuch?
Ein Mitglied des IS, der aus Syrien zurück nach Hannover kommt, um dort einen Terroranschlag zu verüben und von einem alten Bekannten ins Land geschmuggelt wurde: Das ist ein mutiger, ein gewagter Ansatz. Bereits der letzte Fall von Thorsten Falke, der auf einer wahren Begebenheit beruhte und in dem ein Flüchtling in Haft verbrannte, mutete seinen Zuschauern einiges zu. Doch „Zorn Gottes“ geht noch einen Schritt weiter und weist eine noch schmerzhaftere, bedrohlichere Aktualität auf. Schon der Einstieg in den Film ist hart: Blutspritzer, schreiende Frauen, „Allahu Abkbar“-Rufe und Warnungen in der „Tagesschau“ vor Terroranschlägen in Norddeutschland. Der Mut zahlt sich aus: In „Zorn Gottes“ gibt es keine Schwarz-Weiß-Malerei, keinen moralisch erhobenen Zeigefinger – und trotzdem wird der Schrecken, den der IS verbreitet, nicht heruntergespielt.

Sind die Ermittler in Form?
Wotan Wilke Möhring findet als Thorsten Falke immer mehr zu seiner Form. In seinem aktuellen Fall wird ihm außerdem eine neue Partnerin zur Seite gestellt, nachdem „Tatort“-Kommissarin Katharina Lorenz (Petra Schmidt-Schaller) im Oktober 2015 ihren Dienst quittiert hatte: die permanent schlecht gelaunte Julia Grosz. Die Dialoge zwischen den beiden sitzen und sorgen immer wieder für komödiantische Erleichterung.

Mit diesen Hintergrundinfos können Sie punkten
Für die fiktive Gruppierung „Braunschweiger Brigade“ diente eine reale Gruppe als Vorbild: „Die Lohberger Brigade war eine Gruppe junger Männer aus dem gleichnamigen Stadtteil in Dinslaken. Von dort aus waren 2013 mehr als ein Dutzend deutscher Islamisten nach Syrien in den Dschihad gezogen. Angeblich stand der Drahtzieher der Pariser Attentate in engem Kontakt zur Gruppe. Die meisten sind inzwischen tot. Von nur noch wenigen existieren Lebenszeichen“, erklärt Drehbuchautor Florian Oeller.

Der Satz zum Mitreden
„Von meinem Gott und meinem Glauben hast du doch keine Ahnung“ – „Du fährst in den Krieg, als wäre es ein scheiß Abenteuerurlaub!“

Eher peinlich
Nichts.

Fazit
Die Thematisierung eines drohenden Terroranschlages in Deutschland hätte durchaus nach hinten losgehen können, doch in diesem „Tatort“ ist das Gegenteil der Fall: Der Film scheut sich nicht, den Dschihad direkt zu beleuchten und ihn so dem Zuschauer näher zu bringen. „Tatort: Zorn Gottes“ ist genau deswegen jetzt schon einer der wichtigsten „Tatorte“ dieses Jahres – und nichts für schwache Nerven.

Einschaltempfehlung auf einer Skala von 1 bis 10
9

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Alle Kommentare

  1. Bei diesen „Krimis“ wird den Kindern und Jugendlichen genau gezeigt, wie Unrecht geschehen soll und da braucht man sich nicht mehr wundern, wenn die Polizei nicht mehr der Aufklärung nachkommt…!!!
    Da sind dann noch so Redakteure…, die dies auch noch belobigen, ich frage mich.., was geht in solchen Gehirnen vor und auf der anderen Seite…, über die Erschrockenheit solcher dann eintretenden Ereignisse schreiben…!!!

  2. Wotan, das man mit diesem Namen noch eine Rolle bei den Systemmedien bekommt wundert einen ja, Wotan klingt so Nordisch und das ruft ja bei einigen linken Gutmenschen Naziallergien hervor.

    1. Die Wortschöpfung „Deutschsachse“ ruft auch Naziallergien hervor. Und die Sache mit der Klein- und Großschreibung sollte auf der sächsischen Walhalla-Förderschule nochmals behandelt werden.

      1. Naja wenn die Argumente Fehlen bricht wieder der Linksgrüne Oberlehrer durch, wer Fehler findet darf sie behalten, Ortographie ist manchen wichtiger als Meinungen.

  3. Der Drehbuch wies, unbeachtet von der Meedia-Redaktion, einen gravierenden Fehler auf: Angeblich kannten sich Roman Kovac und der Terrorist seit Jugendtagen (gleiche Freundin, „Du hast Dich ganz schön verändert“ etc.) und trotzdem soll Kovac seinen Kumpel am Flughafen verwechselt und den Falschen angesprochen haben???

    Außerdem: Dass bei einer akuten Gefährdungslage/Terroralarm zwei einsame Polizisten ins Krankenhaus stürmen und nicht das SEK, ist doch ziemlich an den Haaren herbeigeholt…

    Ansonsten war es aber wirklich ein guter Tatort.

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