Anzeige

Weniger E-Commerce, mehr Technologie: CEO Kallen erklärt Burdas Strategiewechsel

Paul-Bernhard Kallen ist CEO von Hubert Burda Media
Paul-Bernhard Kallen ist CEO von Hubert Burda Media

Im Handelsblatt-Interview erklärt Burda-CEO Paul-Bernhard Kallen den Strategiewechsel seines Konzerns und deutet an, wohin die Reise gehen soll. Neben dem Publishing-Geschäft soll es zukünftig weniger E-Commerce, dafür mehr Technologie geben. Die Konkurrenten in diesem Markt heißen Google oder Facebook. Doch Kallen sei auch mit Nischen zufrieden, in denen ebenfalls Milliarden-Umsätze schlummerten.

Anzeige
Anzeige

„Wer mitspielen will, muss neue Techniken nicht nur anwenden, sondern auch mitentwickeln.“ Es könnte das neue Unternehmensmotto von Hubert Burda Media sein, das Paul-Bernhard Kallen im Interview mit dem Handelsblatt fallen lässt. Der Manager, der seit mehr als 20 Jahren im Konzern tätig ist und ihn seit sechs Jahren als CEO führt, arbeitet am Strategiewechsel. Das Medienhaus steuere um und reduziere „E-Commerce zugunsten technologieintensiver Firmen“, erklärt Kallen.

Wie der Ausbau des Geschäftsfeldes aussieht, machte Burda in den vergangenen zwei Wochen deutlich. Das Unternehmen launchte mit Cliqz und Thunder zwei Technologie-Produkte, für die Verlagshäuser bisher nicht bekannt waren. Mit Cliqz will Kallen im Markt der Browser und Suchmaschinen mitmischen, Thunder ist ein offenes Redaktionssystem, das Burda gemeinsam mit anderen Publishern und Industriepartnern ausbauen will. Während sich Wettbewerber wie Axel Springer auf ihre Kernkompetenzen besinnen und auf der technologischen Seite die Zusammenarbeit mit Innovationstreibern wie Facebook oder Google suchen, scheint Burda gegen den Strom schwimmen zu wollen. Zurückzuführen ist das zum einen vielleicht darauf, dass Kallen und Burda noch immer die Abhängigkeiten der großen US-Unternehmen fürchten. Zum anderen sieht der Manager aber auch einen milliardenschweren Markt in den „Nischen“ (Formulierung des Handelsblatt). Diese sind für Burda immer noch „groß“, erklärt Kallen im Interview. Als Erfolgsbeispiele seines Konzerns führt er das Karrierenetzwerk Xing wie auch die Tourismusplattform Holidaycheck an.

Um in Zukunft wettbewerbsfähig bleiben zu können, appelliert Kallen auch an die Politik. Die einzigen Disziplinen, in denen Facebook und Co. hinterherhinkten, seien die Steuerzahlungen, so Kallen. Der Wettbewerb sei verzerrt. „Google und Co. können ihren gesamten Gewinn reinvestieren, während wir erkleckerliche Beträge an den Fiskus abliefern müssen.“ Nach wie vor müsse der Gesetzgeber reagieren. „Amerikanische oder chinesische Firmen müssen hier in Europa die gleichen Regeln befolgen wie europäische. Nur so können wir auf unserem Heimatmarkt überhaupt den Anschluss wahren.“

Anzeige

Für zukünftige Investments fokussiere Burda den US-amerikanischen Markt, so Kallen weiter. 2015 habe der Konzern insgesamt 280 Millionen Euro in neue Projekte investiert, was 150 Millionen Euro mehr als im Vorjahr entspräche. Gleichzeitig sei das Eigenkapital „angenehm gewachsen“, während der Umsatz mit 2,2 Milliarden Euro rund 200 Millionen Euro geringer ausfiel als 2014. Grund dafür sei allerdings, dass der Umsatz im Vorjahr 2013 durch die Erlöse des Tierfuttergeschäfts Zooplus noch höher gewesen sein. Mit dem Ergebnis ist der CEO zufrieden, auch weil das Geschäft internationale Geschäft deutlich schlechter laufe. In Russland setzt das Mediengesetz Konzerne unter Druck, auch die Geschäfte in der Türkei und Polen bereiteten Kallen „Sorgen“. „Fast 2o Prozent unseres Gesamtumsatzes sind schlicht verpufft.“ Den russischen Markt aufgeben, wie es Axel Springer getan hat, wolle Burda allerdings nicht, bekräftigt Kallen weiterhin. „Keiner ist so lange und so groß dort aktiv wie wir. Wenn wir dort bleiben können, bleiben wir.“ Allerdings werde man sich eher auf Lizenz- und Dienstleistungsgeschäfte als auf das Verlegen konzentrieren.

 

ms

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige

Alle Kommentare

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*