„Go with the flow“ auf der SXSW: Druckbetankung für die Reise in die digitale Zukunft

Content Scout Christiane Gillissen: SXSW als multisensorische Inspiration
Content Scout Christiane Gillissen: SXSW als multisensorische Inspiration

Handelsblatt, WirtschaftsWoche, Zeit Online und iq digital hatten sich mit interessierten Marketingexperten auf den Weg zum Tech-Festival SXSW gemacht, um einen Blick in die Zukunft zu werfen. Auch wenn diese überraschenderweise mitten in Texas zu sehen ist. Christiane Gillissen war als Content Scout für die Agentur Deutsche Markenarbeit dabei. Für MEEDIA schildert die Berlinerin ihre Eindrücke.

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Von Christiane Gillissen

Beginnen wir mit dem Ende unseres Festival-Besuchs: Beim Farewell-Coffee versucht unsere vom Festival inspirierte Gemeinschaft, den Wahnsinn SXSW in ein Wort zu packen: „super-optimistic“ ist das Wort der Woche. Ob die Reise zum Mars, das selbstfahrende Google-Auto, künstliche Intelligenz, der Hyperloop – kein Thema ist zu kompliziert, keine Hürde zu hoch, kein Widerstand so groß wie die Zuversicht, die Zukunft zu meistern.

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Die SXSW ist anders als alles, was Sie bisher gesehen haben. Eine andere Welt. Eine andere Dimension. 30.000 Teilnehmer, 1.250 Themen und 2.700 Sprecher – vom amtierenden Präsidenten der USA, Barack Obama, bis zum Wikipedia-Gründer Jimmy Wales ist jeder da, der cool, reich oder zukunftweisend ist. Ganz Downtown wird zum Festival-Gelände (auf dem zeitgleich die Musik und Film-Community feiert) und zwingt jeden in einen „Flow“, den American Way of „Lässigkeit“ – oder wie wir gelernt haben: Serendipity. Die ansteckt.

Freitagmorgen geht es los. Wir stürzen uns mutig ins Konferenzgetümmel. Die Schlange an der Akkreditierung, die sich um den kompletten Häuserblock zieht, sorgt für Schrecken, löst sich aber schneller auf als erwartet – nach wenigen Minuten sind wir im Gespräch mit Gott und der Welt und erleben das „go with the flow“ am eignen Körper. Kurze Zeit später hängen die Konferenz-Badges um unseren Hals und wir gehören dazu. Auf geht’s. Zur Eröffnung stehen 41 Themen auf dem Programm – gleichzeitig. Die Qual der Wahl. Wer sich nicht zehnteilen kann, wird nicht alles sehen. Das hat seinen Reiz: Jeder nach seinem Geschmack. Unsere Whats-App-Gruppe, in der wir uns über Programm-Tipps, Vortrags-Qualitäten, Raum-Auslastung, Treffpunkte und Lunch-Empfehlungen austauschen, explodiert. Wir sind mittendrin statt nur dabei. Am Abend um 18.00 Uhr ist Programmende. Noch ein Steak (was sein muss, muss sein) und dann in eine der unzähligen Partys eintauchen.

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Am zweiten Tag fühlen wir uns schon wie alte Hasen. Die Konferenzsäle der Hotels sind riesig, zahllos und unser Zuhause. Die erste Business-Konferenz, in der kurze Hosen, Tattoos und Skateboards zur Arbeitskleidung gehören – eine Krawatte habe ich nicht gesehen.

Die großen Themen der SXSW spielen in der Welt von übermorgen. Auch wenn die Zukunft schon in fünf Jahren Realität sein soll: Virtual Reality, Künstliche Intelligenz, Robotic und Hyper-Transportation. Sie wurden technisch, gesellschaftspolitisch und psychologisch betrachtet. Dirk Huefnagels, Head of Marketing bei der UniCredit Bank, sieht im Zuge der digitalen Transformation auch eine Veränderung von Leadership-Qualitäten auf sich zukommen: „Die SXSW hat mir noch einmal klar vor Augen geführt, dass die Dynamik der Veränderungen als auch die Komplexität der Aufgaben immer weiter steigen. Jede Führungskraft muss Leadership ein Stück neu definieren, um das Team auch in Zukunft auf Ballhöhe zu halten.“

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Am Samstag diskutierten wir in exklusiver Runde mit Daimlers Zukunftsforscher Alexander Mankowsky und Designerin Vera Schmidt sowie Derek Fridman, Creative Director von HUGE Atlanta, über die Gestaltung der Zukunft und der automobilen Mobilität. Britta Weddeling, US Korrespondentin des Handelsblatts, führte die Diskussion und den spannenden Schlagabtausch, der neue Perspektiven eröffnete und aufzeigte: Die Zukunft ist näher als wir dachten. Das Auto wird zum „Third Place“ – vom Transportmittel zum Arbeits-Entspannungs-Spielraum.

Spätestens nun waren wir in Austin zu Hause. Wir begannen jeden Tag mit einem Morning Briefing durch die Redakteurinnen Britta Weddeling und Astrid Dörner vom Handelsblatt und Zeit Online-Chefredakteur Jochen Wegner. Sie schworen uns auf die Sprecher, die Themen und die Highlights des Tages ein. Jeder hatte seine Favoriten und seine Themen, über die wir beim gemeinsamen abendlichen Dinner lebhaft diskutieren: „Crowdfunding war gestern – Crowdstorming ist heute“, gehörte dazu. Wir waren im Flow. Vielleicht sogar im Oberflow. Der Kopf rauchte, die Stimmbänder kratzten, die Füße wurden lahm. Nach fünf Tagen verabschiedeten wir uns wie glückliche Schüler von der Abi-Klassenfahrt. Wir waren dabei und haben sie gesehen – die Milliardäre des Internets, die Macher der Zukunft, die Gewinner der Digitalisierung, die Visionäre unserer Zeit und Menschen, die unsere Welt verändert haben. Auch, wenn sie ganz normal aussehen und modisch eher aus der Vergangenheit kommen.

Die SXSW ist eine große Druckbetankung für die Reise in die Zukunft. Sie beeindruckt weniger durch Tiefe als durch ihre unvorstellbare Breite. Sie nimmt die Angst vor dem, was kommt und weckt die Vorfreude auf das, was möglich ist. Die Zukunft kann kommen. Die nächste Druckbetankung für 2017 ist fest eingeplant.

 

 

Über die Autorin: Christiane Gillissen lebt und liebt die Kommunikationsbranche. Sie arbeitete viele Jahre in diversen Positionen für das internationale Agenturnetzwerk TBWA sowie für den Branchenverband Art Directors Club für Deutschland (ADC), bevor sie sich 2010 selbständig machte. Als Kommunikationswirtin unterstützte sie fortan Unternehmen wie BMG Rights Management, HBC., Mona Davis, Strichpunkt, TYPE HYPE und viele mehr im Kommunikations- und Projektmanagement. Seit Anfang 2015 ist Christiane als Content Scout für die Deutsche Markenarbeit tätig.

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