Deutsche Berichterstatter auf Rückzug: Auch Welt zieht Korrespondenten aus Türkei ab

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Auch Die Welt zieht ihren Korrespondenten Deniz Yücel aus der Türkei ab. Einen Bericht von Tagesschau.de hat Axel Springer am Donnerstagnachmittag bestätigt. Zuvor gab bereits der Spiegel bekannt, seinen Reporter Hasnain Kazim vorübergehend aus Wien arbeiten zu lassen, weil er seit Beginn des Jahres ohne Akkreditierung für die Türkei unterwegs war.

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Ob das auch bei Yücel der Grund für die Entscheidung der Welt-Chefredaktion war, ist nicht bekannt. Auf eine Anfrage von MEEDIA hat das Verlagshaus Axel Springer den Bericht von Tagesschau.de bestätigt, wollte aber keine weiteren Details oder Gründe nennen. Zur Ausreise gezwungen ist er wohl nicht, weil er in Besitz eines deutschen wie auch türkischen Passes ist.

Dass die Luft in der Türkei immer dünner wird, bekommen zunehmend auch deutsche Berichterstatter zu spüren. Yücel selbst ist erst vor einigen Wochen von regierungsnahen türkischen Medien gescholten worden, weil er bei einer Pressekonferenz mit Bundeskanzlerin Angela Merkel und dem türkischen Ministerpräsidenten Ahmet Davutoglu kritische Fragen stellte

Auch Kazim bekam die Definition von Pressefreiheit in der Türkei bereits zu spüren. Ihn zog sein Arbeitgeber 2014 schon einmal für kurze Zeit aus der Türkei ab, weil er nach kritischer Berichterstattung von Erdogan-Anhängern massiv bedroht worden war. Wie die dpa am Donnerstag berichtet hatte, hat auch die FAZ ihren Korrespondenten längst abgezogen, der nun aus Athen berichtet.

Die Regierung in der Türkei schränkt die Pressefreiheit extrem ein. Zuletzt übernahm die Regierung die Kontrolle über türkische Medien und nimmt immer wieder regierungskritische Journalisten in Gewahrsam.

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Alle Kommentare

  1. Vielleicht sollte man in Zukunft nur noch echte Kriegsberichterstatter in die Türkei schicken, das wäre wenigstens ehrlich und die Fronten klar.

    Ersatzweise geht aber auch Anne Will, die weiss schließlich, wie man absolut regierende DespotInnen bei Laune hält.

    1. „Absolut regierende DespotInnen“? Hauerha, da sind die Maßstäbe aber gewaltig verrutscht. Leuten wie Dir müsste man eigentlich wünschen, daß sie mal in einem Land lebten, das von einem Despoten regiert wird…

  2. Deniz schreib nur seine Fantasien. Türkei hat sehr gut gemacht. Diese Leute sind militant als Journalist. Eine Schande für deutsche presse punkt

  3. Beim Korrespondenten des Spiegel tuts mir leid, da er wirklich ab und an auch objektiv geschrieben hat (zumindest hat er es versucht). Aber Yücel?? Der hat leider seit 2013 nur noch seinen persönlichen Privatkrieg dort geführt, mit publizistischen Mitteln. Wer starrsinnig negiert, dass die PKK eine Terrororganisation ist und diese sogar hofiert und dem Terrorführer Bayik huldigt in einem absolut widerlichen Gefälligkeitsinterview, dem ist einfach nicht zu helfen. Auf seiner Timeline tut er übrigens immer noch so, als wäre er vor Ort.

    Mich würde ja interessieren, wie z.B. Großbritannien in der heissen Phase des Irland-Konflikts reagiert hätte, wenn ein deutscher Journalist den Kommandanten der IRA in seinem Versteck besucht hätte und nichts besseres zu tun gehabt hätte, als ihn zu fragen, warum er so gut rasiert ist.
    Pressefreiheit ist ein hohes Gut, das geschützt werden muss und das in der Türkei leider wirklich mit Füßen getreten wird. Aber so etwas geht gar nicht und dann muss er sich nicht wundern, wenn er nicht mehr gut gelitten ist.

    Was die Ausfertigung der Pressekarten angeht… diese haben in der Türkei eine andere Wertigkeit als in Deutschland, sind mit erheblichen Vorteilen verbunden und gelten an vielen Stellen sogar quasi als Ausweisersatz. Die sogenannte Gelbe Pressekarte, die „erste Klasse Karte“ wird normalerweise erst nach Jahren der Berichterstattung erteilt, Korrespondenten Großer Medien bekommen sie in der Regel aber sofort. Auf meine gelbe Karte musste ich 6 Jahre warten. Und in diesem Jahr sind die Karten tw. erst kürzlich versendet worden…

  4. Man sollte solche Berichte mit Vorsicht genießen. Besonders in diesen Zeiten, in denen nur noch ein sog. Hitler fehlt um die Geschichte zu wiederholen. Das Volk ist bereit dafür mit noch steigender Tendenz.

    Ich kann nur raten, aus der Geschichte zu lernen und nicht alles so hinzunehmen wie es erzählt wird. Auch wenn es viele nicht glauben wollen, der Propagandaapparat ist nach wie vor aktuell und wird immer dann ausgepackt, wenn man politische Vorteile erzielen möchte.
    Das zu hinterschauen erwarte ich von jemandem der die Nachrichten nicht nur gelegentlich, sondern täglich verfolgt.
    Es gibt genug Beispiele. Aktuell z.B wäre, dass man Erdogan der noch kürzlich als Diktator beschimpft wurde, plötzlich den allerwertesten leckt. Warum? Deshalb weil es bei Politikern so etwas wie Doppelmoral gibt.
    Dann waren da noch die Krawalle in Deutschland mit Sendeverbot und Stadtteile die abgeriegelt wurden, was der Türkei immer schön vorgeworfen wird das es eine Schade ist sowas zu tun, Stuttgart 21…

    Auch Journalisten werden benutzt um manche Krisen aufzuschaukeln. Das sind auch nur Menschen, die böse Absichten pflegen können. Das funktioniert besonders gut bei den Südländern, weil Sie sich schnell provozieren lassen.

    Lügenpresse muss verständlicherweise auch niemand dulden.
    Selbst der alte Bundeskanzler Wulf wurde davon nicht verschont, einfach nur deshalb weil er etwas gesagt hat was die Lobby nicht hören wollte.

    Solange das deutsche Volk Medien blind vertraut, werden Sie in Zukunft noch oft so tun müssen als wären Sie Ahnungslos gewesen…

  5. Deniz hat zwar beide Staatsbürgerschaften, aber er hatte auch schon früher Probleme mit türkischen Behörden und durfte für einige Zeit nicht in die Türkei reisen.

  6. Na, vielleicht überlegt es sich der Deniz Yücel noch einmal, was er damals in der taz über die Deutschen losgelassen hat, Auszug: „Der baldige Abgang der Deutschen aber ist Völkersterben von seiner schönsten Seite.“
    http://taz.de/Kolumne-Geburtenschwund/!75707/
    Vielleicht fühlt er sich nach seinem Abgang aus der Türkei unter uns wieder wohler.Obiger Artikel umgesetzt in der Türkei veröffentlicht, würde dort sicherlich wegen „Herabsetzung des Türkentums“ verfolgt werden.

    Eben jener gleiche Deniz Yücel, wurde z. B. vom Presserat gerügt, weil er Sarrazin „nur wünschen kann, der nächste Schlaganfall möge sein Werk gründlicher verrichten“.
    Bei einem noch lebenden Axel Springer hätte dieser Yücel den Sprung von der taz zur Welt kaum geschafft. Ich hab die Nachricht von jenem Wechsel zuerst für eine Ente gehalten.

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