Stefan Raab in sexy: ProSieben hofft auf „Studio Amani“ als „TV total“-Nachfolger

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Es ist wahrlich kein einfacher Ausgangspunkt für Enissa Amani und ihre neue Late-Night-Show bei ProSieben. Insgesamt acht Mal soll die 32-Jährige am späten Montagabend versuchen, Stefan Raab vergessen zu machen. Bereits nach zwei Folgen dürfte sich abzeichnen, dass die gebürtige Teheranerin beste Chancen auf eine Vertragsverlängerung hat. Die Quoten waren erst super, jetzt sind sie noch überdurchschnittlich. Beides lässt sich von der Sendung nicht sagen. Aber besser als eine weitere "The Big Bang Theory"-Wiederholung ist sie allemal.

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Tatsächlich macht die Moderatorin aus der Not eine Tugend und geht die ganzen Raab-Vergleiche, mit denen sie sich unweigerlich auseinander setzen muss, offensiv an. So verpflichtete sie im ersten Einspielfilm der gestrigen Sendung ein paar ehemalige „TV total“-Redakteure, inklusive der bekannten und markanten Studiostimme, direkt aus dem Arbeitsamt. Das ist ganz lustig. Auch in Anbetracht des juristischen Knatsches zwischen Raab und einigen seiner ehemaligen Angestellten.

Bildschirmfoto 2016-03-15 um 12.40.40Das ehemalige „TV total“-Team auf dem Arbeitsamt

Grundsätzlich ist die Show aber auch erst einmal bar jedweder Überraschung. Immerhin folgt sie dem typischen Late-Night-Muster. Es fängt also mit einem klassischen Stand-Up-Einstieg an. Der Moderator spricht vermeintlich frei und erzählt ein paar – mehr oder weniger – gute Witze. Zu seinen besten Zeiten, war dies bereits der Höhepunkt der „Harald Schmidt Show“. Bei Stefan Raab war dieser Einstieg mal fluffig, mal ungewollt peinlich. In der zweiten Sendung von „Studio Amani“ ist der Stand-Up-Teil vor allem niedlich und langweilig.

Nur leider sind das ganz schlechte Adjektive, wenn es um eine TV-Show geht, die um 23.15 Uhr gesendet wird und mit dem massiven Schlafimpuls vieler Zuschauer konkurriert.

In ihrer zweiten Sendung lieferte die Moderatorin, die ihre ersten TV-Schritte beim Shoppingsender QVC machte, eine Art Meditation über das Metathema Facebook-Kommentare ab. Einzig die etwas ungelenke Publikumsbeschimpfung „Was lacht ihr da, ihr AfD-Wähler“, verhinderte zum Start der Show ein Wegnicken. Dabei hätte der Facebook-erfahrene Zuschauer genau an diesem Punkt weit mehr von Amani erwarten können. Immerhin ist die 32-Jährige eine selbsternannte Social-Media-Süchtige mit einem ausgeprägten Faible für Instagram.

 

#StudioAmani heute 23.15 auf @prosieben #diesesgame

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Ansonsten bewegten sich die Pointen in der Holzhammer-Klasse. So sprach Amani bei der vermeintlichen Schweinefleisch-Pflicht in Kantinen von ihrem „Wurst-Case-Szenario“.

Weiteres Element aus dem Mainstream-Late-Night-Repertoire: Als Sidekick fungiert ein Musiker. Bei Raab war es die Kapelle, bei Schmidt Helmut Zerlett und bei Böhmermann der Rapper Dendemann. Bei Amani hat nun der DJ Dan Gerous den Job.

Grundsätzlich lebt die 32-Jährige von ihren Brüchen. Sie ist gebürtige Teheranerin, fühlt sich aber als Deutsche. Sie wirkt und spricht wie eine leicht dämliche Shopping-Queen und hat doch Jura studiert, bevor sie auf Stand-Up-Comedy umsattelte.

Solche Brüche sind aber nur dann wirklich interessant, wenn sie heftig und scharf sind. Doch für richtig „krasse Sprüche“, also klare Kante, ist die vermeintliche Raab-Nachfolgerin noch viiiiiel zu nett. „Ich bin so eine Höfliche, ich will es allen recht machen“, sagt sie selbst zum Start der gestrigen Sendung.

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Gast der gestrigen Sendung: Serdar Somuncu 

Eine kleine Nachhilfestunde wie man im Fernsehen mit Hilfe von Zuspitzung und harschen Worten unterhält, bekam Amani von Serdar Somuncu. Mit ihm spielte sie Promi-Tabu. Auch solch ein Spiel gehört zur Standard-Ausstattung jeder Late-Night-Show, doch der herbe Studiogast sorgte doch für so manch einen unterhaltsamen TV-Moment.

Den Zuschauern gefällt allerdings noch, was die Moderatorin macht. Am späten Montag schalteten 650.000 14- bis 49-Jährige ein. Das entsprach einem Marktanteil von 12,6 Prozent. Das ist im Vergleich zur Premiere vor einer Woche allerdings ein dickes Minus, denn da sahen noch 920.000 zu und der Marktanteil lag bei 16,8 Prozent. Der aktuelle Wert liegt jedoch immer noch über dem Senderdurchschnitt. Und der zählt oftmals.

Sollten die insgesamt acht Folgen dann quotentechnisch doch noch in die Hose gehen, wird Amani – das kündigte sie gestern an – die Schuld schon mal definitiv bei den Anderen suchen, statt sich an die eigene Nase fassen. „Das mache ich nicht so gerne. Die ist operiert“. Der Gag war gut. Wenn es denn ein Gag war.

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Alle Kommentare

  1. Ungeachtet der Qualität der Sendung: „ARmani“ und „Amani“ sind wohl unterschiedliche Dinge … ein Tippfehler, der vermieden werden kann.

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