„Wo kommen all die Deutschen her?“ Richard Gutjahrs Stimmungsbericht von der SXSW 2016

Richard Gutjahr berichtet für MEEDIA von der größten Digitalkonferenz der Welt
Richard Gutjahr berichtet für MEEDIA von der größten Digitalkonferenz der Welt

Digital Economy Seit 30 Jahren gibt es das South-by-Southwest-Festival in Austin, die größte Digitalkonferenz der Welt. Zum runden Jubiläum hat US-Präsident Obama die Eröffnungsrede gehalten. Richard Gutjahr mit einem ersten Stimmungsbericht von der South by Southwest (SXSW), auf der diesmal erstaunlich viele deutsche Medienleute gesichtet werden. Die Message des Festivals: Wer stehen bleibt, hat verloren.

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Von Richard Gutjahr

Da sind sie also wieder, die Geeks, die Nerds, die Coder, die Hipster, die Künstler und Marktschreier. Die South-by-Southwest (SXSW) in Worte zu fassen, ist schwer. Probieren wir es mit Emojis, den putzigen Smiley- und Bildsymbolen: Mittlerweile existieren ganze Bücher übersetzt in Emoji. Ob die bunten Bildchen bald das Alphabet ablösen, war eines der Themen am Wochenende in Austin (klare Antwort der Sprachforscher: Nein.)

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Die SXSW lockt mit Tausenden Fachvorträgen – u.a…… (Quelle: Swiftkey)

Das Programmheft der SXSW ist auch dieses Jahr wieder 600 Seiten stark. Das Verzeichnis liest sich wie das Kursbuch einer Volkshochschule; mit dem Unterschied, dass hier der Stoff eines ganzen Jahres in zehn Tage gepresst wurde.

Sich als Besucher im unendlichen Dickicht der Workshops, Panel-Diskussionen und Vorträge nicht zu verlieren, erfordert Übung. Und einen Plan. Weil viele Sessions überlaufen sind, sollte man sich allerdings nicht all zu sehr an seine Wunschliste klammern, sondern in der Lage sein, schnell umzusatteln, sollten die Türen einer Session wegen Überfüllung schon geschlossen sein.

So gerät jeder Konferenz-Tag zum Lotteriespiel. Nicht selten erweisen sich gerade die Wunsch-Sessions als Rohrkrepierer – die Veranstaltungen, in die man eher zufällig gestolpert ist, als Glücksgriff. Das Chaos hat Programm, nicht umsonst hat sich das Festival für interdisziplinäre Sessions geöffnet, die sich gleichermaßen an Techies wie auch Musiker und Filmemacher richten.

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Autor (Sam Esmail, Mitte) und Hauptdarsteller (Rami Malek, links / Christian Slater, rechts) von Mr. Robot treten vor ihre Fans  (Foto: Richard Gutjahr) 

Beispiel: Mr. Robot. Diese preisgekrönte TV-Serie um einen Hacker in New York war der Überraschungserfolg der letzten South-by-Southwest. „Als wir unsere Show letztes Jahr hier vorgestellt haben, waren wir noch in einem kleineren Saal“, grinst Sam Esmail, Schöpfer von Mr. Robot. Einen Golden Globe und einige weitere Auszeichnungen später bemühen sich die Macher, das Geheimnis ihres Erfolges zu erklären.

Man wollte das Publikum nicht für dumm verkaufen, deshalb habe man großen Wert auf Authentizität gelegt. Das ging soweit, dass ganze Teams von IT-Experten dafür sorgen mussten, dass auf jedem Computermonitor, der in der Serie auch für nur wenige Sekunden zu sehen ist, echter Code steht. Ein Detail, das von den im Saal anwesenden Programmierern mit besonders wohlwollenden Applaus gedankt wurde.

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Tech-Konferenzen sind schon längst keine reine Männerdomäne mehr  (Foto: Richard Gutjahr) 

Weitere beliebte Schwerpunkte der SXSW soweit waren 360-Grad-Videos, Virtual Reality, sowie das Thema Künstliche Intelligenz. Die Diskussionsteilnehmer des Panels „Get the Message – the Rise of Conversational UI“ waren beispielsweise fest davon überzeugt, dass wir uns in nicht allzu ferner Zukunft mit Computern unterhalten können wie mit einem Menschen.

Beim Vortrag zur Digital-Strategie der Washington Post hatte man zeitweise das Gefühl, in Deutschland zu sein. Rund ein Dutzend Chefredakteure von Hamburg bis München okkupierten die vorderen Sitzreihen. „Wo kommen denn all die Deutschen her?“ wollte mein Banknachbar wissen: „Die sind ja überall!“.

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Entspannung zwischen den Vorträgen (Foto: Richard Gutjahr) 

Was dieses Jahr kein Thema war hier in Texas: Snapchat. Anders als bei uns in Deutschland hat sich der Hype um die Video-Chat-App hierzulande schon wieder gelegt. Die Nutzerzahlen wachsen weiter, jedoch erinnern sich noch viele SXSW-Besucher an das Schicksal von Meerkat. Vor einem Jahr wurde die Livestreaming-App hier auf der SXSW gefeiert. Heute, gerade mal ein Jahr später, gibt es Meerkat de facto nicht mehr.

Was bleibt? Die alte Weisheit: Nichts ist für die Ewigkeit. Wer sich nicht permanent weiterentwickelt, verliert. Oder anders ausgedrückt: Never settle.

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