Zins-Falschmeldungen in Finanzmedien: der Fluch der Geschwindigkeit

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Publishing Im Wettstreit der Finanzmedien zählen Sekunden – gerade bei Nachrichten wie einem Zinsentscheid der Europäischen Zentralbank. Doch Falschmeldungen passieren. Vor Monaten erwischte es die Financial Times, heute Reuters.

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Von Martin Dowideit

Mario Draghi hat am Donnerstag die Märkte verblüfft. Die Europäische Zentralbank senkt unter anderem den Leitzins überraschend von 0,05 auf 0,00 Prozent. Doch der deutsche Dienst der Nachrichtenagentur Reuters meldet um 13.45 Uhr: „EIL-EZB greift zu drastischen Mitteln – Leitzins jetzt negativ “. Das war sehr schnell – aber leider falsch.

Denn 0,00 Prozent ist nicht negativ und für eine Wirtschaftsinformationsdienst von Weltrang peinlich. Denn auf die Schlagzeilen der Agentur reagieren mitunter Märkte. Nur zwei Minuten später kam eine überarbeitete Fassung: „KORRIGIERT-EIL–EZB-Leitzins erstmals bei null Prozent (Korrigiert Überschrift. Leitzins bei null Prozent, nicht negativ).“

Zerknirscht zeigt sich ein Mitglied der Redaktionsleitung von Reuters in Berlin und erklärt gegenüber dem Handelsblatt den Fehler: „Wir hatten eine Meldung vorbereitet und mussten diese ändern. Dabei ist vergessen worden, die Headline zu korrigieren.“ Im Klartext heißt das: Reuters hatte tatsächlich einen negativen Leitzins erwartet, zu dem es aber nicht kam.

Ein schwacher Trost: Ein ähnlicher Fehler war im vergangenen Jahr auch der britischen Financial Times passiert. Sie hatte im Dezember sogar noch Minuten vor der stets pünktlich um 13.45 Uhr verbreiteten Zinsentscheidung gemeldet, dass die EZB die Zinsen unverändert lasse. Das war nicht nur zu früh, sondern auch falsch. Die EZB hatte im Dezember stattdessen beschlossen, den Einlagezins von minus 0,2 Prozent auf minus 0,3 Prozent zu senken.

Die Financial Times entschuldigte sich damals für den Fehler und erklärte, es seien zwei unterschiedliche Berichte zur Zinsentscheidung vorbereitet worden – und aus Versehen sei der falsche Text und auch noch vor der eigentlichen Uhrzeit veröffentlicht worden. Ein automatisierter Prozess habe den Text dann über den Kurznachrichtendienst Twitter verbreitet. Der Publikationsprozess werde geprüft, um solche Fehler zukünftig zu unterbinden.

Auf den falschen Tweet hatten damals die Währungsmärkte sensibel reagiert. Die Reuters-Panne hatte keine vergleichbaren Auswirkungen, da sie nur im deutschsprachigen Dienst passierte.

Dieser Text ist eine Übernahme von Handelsblatt.com mit freundlicher Genehmigung. MEEDIA gehört zur Verlagsgruppe Handelsblatt.

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