Jahreszeiten-Magazin Foodie: Welche Chancen Mediaagenturen dem Newcomer einräumen

Foodie im Experten-Check: Omnicom-Manager Thomas Stennes, Mediaplus-Stratege Bernhard Becker
Foodie im Experten-Check: Omnicom-Manager Thomas Stennes, Mediaplus-Stratege Bernhard Becker

Essen & Trinken, Beef, Chefkoch, Jamie, Deli, Clean Eating – der Markt für Koch- und Foodzeitschriften ist bereits gut besetzt, aber nach Ansicht der Verlage noch nicht ausgereizt. Jetzt hat der Jahreszeitenverlag das Magazin Foodie an die Kioske gebracht, um eine junge, kochbegeisterte Leserschaft anzusprechen. MEEDIA hat bei Media-Agenturen nachgefragt, welche Chancen sie dem Titel einräumen.

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Von Gregory Lipinski

Ein Muscheltopf – schick in Schale mit Schwarzwurzeln, Lammcurry – ein „Aromawunder mit Suchfaktor“ oder Zwiebelkuchen – „Everybody’s Darling zum Wein“: das sind die Favoriten des neuen Foodie-Magazins, das der Hamburger Jahreszeitenverlag seit vergangenem Monat in den Wettbewerb um Leser und Anzeigenkunden schickt. Viermal im Jahr soll der neue Titel erscheinen, um eine junge, kochbegeisterte Leserschaft zu erreichen. Dabei soll die Zeitschrift im Fahrwasser des Verlags-Flaggschiff Feinschmecker schippern, quasi als Beiboot.

„In einem weitestgehend gesättigten Marktsegment braucht es schon einige Differenzierungsmerkmale, um Fuß zu fassen und zu bestehen. Foodie besitzt diese grundsätzlich, und es war sicherlich eine kluge Entscheidung, die Macher des Magazins auf dem Cover zu erwähnen“, meint Bernhard Becker, Geschäftsleiter Buying bei der zur Serviceplan-Gruppe gehörenden Mediaplus. Das Heftkonzept sei leicht verständlich, um eine „junge Zielgruppe über diese Gattung anzusprechen“, ergänzt er. So stelle die Zeitschrift eine „hochwertige Alternative zu den bereits etablierten Titeln“ dar. Dennoch schränkt er die Chancen des Verlags ein, hier mit Anzeigen schnell Kasse zu machen. Becker: „Der Werbemarkt wird wahrscheinlich eher zurückhaltend und abwartend reagieren.“

Thomas Stennes, Director Investment & Accountability bei der Omnicom Media Group, sieht vor allem die Nähe des Zeitschriftenneulings zum etablierten Verlagsprodukt „Der Feinschmecker“ von Vorteil. „Wenn das inhaltliche Konzept, die Aufmachung und die Qualität stimmen, dann werden sich auch immer Leser finden, die dies damit würdigen, dass sie bereit sind, Geld für dieses Produkt auszugeben. Mit einer etablierten Medienmarke wie dem Feinschmecker im Rücken wird es bei diesem Punkten wahrscheinlich nicht scheitern“, erklärt der Experte. Ob das Produkt aber dauerhaft so viele Leser und Anzeigenkunden in dem hart umkämpften Segment begeistern könne, wird sich seiner Meinung nach erst noch zeigen müssen. „Je mehr Wettbewerber es gibt, desto höher steigt natürlich auch der Druck auf den einzelnen Titel“, meint Stennes. Vor allem belasten immer mehr Magazine den Anzeigen- und Lesermarkt. „Die Anzeigenbudgets – auch in diesem Segment – werden nicht steigen, und auch die Zahl der Leser wird sich nicht ohne Weiteres ausbauen lassen“, meint Stennes.

Dennoch geht der Omnicom-Manager davon aus, dass sich dieses Zeitschriftensegment 2016 besser entwickeln wird als die meisten anderen Segmente. „Der Trend, sich mit Nahrungsmitteln, Ernährung, der Zubereitung von Lebensmitteln und dem entsprechende Ambiente zu beschäftigen,  sind nach wie vor vorhanden“, meint Stennes. Konkurrent Mediaplus schätzt die Wachstumschancen allerdings nicht so rosig ein. „Erste Tendenzen zeigen für dieses Jahr eine leicht rückläufige Entwicklung des Zeitschriftensegments Food“, meint Becker. Dennoch würden die Segmente Food und Health „in den kommenden Jahren eine große Rolle spielen und entgegen dem allgemeinen Markttrend stabile und planbare Anzeigenumsätze bescheren“.

Nun erwägt der Jahreszeitenverlag laut Handelsblatt, noch einen weiteren Titel mit dem Starkoch Johann Lafer ins Rennen um Leser zu schicken. Becker hält dies für einen geschickten Schachzug. „Es hilft zumindest schon sehr, mit dem Sympathieträger der Kochszene werben zu dürfen, und der Österreicher und Jalag, beziehungsweise die Ganske Verlagsgruppe arbeiten ja auch schon länger zusammen“, meint Becker. Von daher überrasche ihn die Meldung nicht.

Die Idee des Jalag-Managements ist allerdings nicht neu. Immer mehr Printhäuser gehen dazu über, mit Promis als Zugpferd Auflage zu machen. Becker. „Das ein prominentes Testimonial einen Titel hinsichtlich Glaubwürdigkeit und Auflagenzahlen positiv beeinflussen kann, hat der Wettbewerber Gruner + Jahr bereits nachgewiesen“, betont der Mediaplus-Mann. Gemeint ist beispielsweise Jamie mit dem international bekannten Starkoch Jamie Oliver. Die Zeitschrift hatte die Bertelsmann-Tochter Anfang 2011 an die Kioske gebracht. Von dem nicht IVW gemeldeten Titel, der sechsmal im Jahr erscheint, verkauft Gruner + Jahr nach Unternehmensangaben 60.000 Exemplare pro Ausgabe.

Dass namhafte Branchengrößen aus dem Foodsegment ein Garant für Auflage und Anzeigengeschäft sind, findet Thomas Stennes von Omnicom nicht. „Sicher begeistern große Namen in gewisser Weise und sind auch ein Zugpferd für ein Produkt, aber am Ende gibt das Produkt selbst durch seinen Inhalt, seine Aufmachung und seine Ansprache den Ausschlag über Erfolg und Misserfolg“, meint der Omnicom-Manager.

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