Die RTL Group wünscht sich weniger TV-Regulierung und will vor allem digital wachsen

RTL Group CEOs Guillaume de Posch und Anke Schäferkordt
RTL Group CEOs Guillaume de Posch und Anke Schäferkordt

Fernsehen Die RTL Group hat am Dienstag einen Rekord-Umsatz  und -Gewinn für 2015 verkündet. Den Lauf wollen die CEO’s Anke Schäferkordt und Guillaume de Posch auch im laufenden Jahr fortsetzen. Dabei will der Konzern vor allem das Digital-Geschäft rund um Multichannel-Networks fokussieren. In Bezug auf den TV-Markt forderte Schäferkordt ein Umdenken: Europa müsse "aufwachen” und Regulierungen überdenken.

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Denn diese verschafften TV-Sendern gegenüber der Konkurrenz aus dem Internet einen Nachteil und würden sich “langfristig hemmend auswirken”, so die TV-Managerin auf der Pressekonferenz zur Jahresbilanz 2015. Gemeint sind beispielsweise Real-Time-Werbemaßnahmen, wie sie RTL gemeinsam mit Bahlsens Marke Pick up für die Dschungelshow umsetzt. Mitte Februar entschied das Verwaltungsgericht Hannover, dass in einer Sequenz aus dem Dschungelcamp 2014 der Riegel zu stark hervorgehoben wurde. Über solche Produktplatzierungen werde für das Netz nicht diskutiert, so Schäferkordt. Sie sei durchaus bereit, den Wettbewerb mit dem Netz aufzunehmen.

Trotz solcher Regulierungen oder auch der Diskussionen über regionale Werbefenster, lässt sich über das Werbegeschäft aber wenig jammern. Der Markt sei 2015 stabil geblieben. Nahezu die Hälfte ihres Umsatzes machten die Luxemburger über TV-Werbung. Wieder trug die deutsche Mediengruppe RTL erheblich zum Rekordumsatz wie auch -gewinn von 6,03 Milliarden Euro bzw. 1,167 Milliarden Euro (EBITA) bei, während die Geschäfte in einigen anderen Ländern wie Frankreich oder den Niederlanden zumindest beim operativen Gewinn verloren, was de Posch unter anderem mit Investitionen in den Video on Demand-Markt begründete.

Die deutsche Mediengruppe RTL, die Cash-Cow des M-Dax-Konzerns, steht besonders gut dar. Trotz sinkender TV-Marktanteile in 2015 für das Flaggschiff RTL wie auch für Vox, steigerte das Kölner Unternehmen seinen Umsatz um 4,5 Prozent auf 2,140 Millionen Euro und fuhr operativ einen Gewinn (EBITA) von 684 Millionen Euro (+5,2 Prozent) ein. Der Werbemarkt wuchs laut RTL Group um zwei bis drei Prozent.

“Content aus Deutschland hat in den nächsten Jahren Priorität”

Im TV-Geschäft weiter überzeugen will man hierzulande mit deutschem Content. Bereits jetzt machten lokale Inhalte 88 Prozent des Programms aus, so Schäferkordt. “Content aus Deutschland hat in den nächsten Jahren Priorität”, so die CEO. Abseits der billig produzierten Nachmittagsprogramme  wie “Familien im Brennpunkt” meint Schäferkordt Formate wie RTLs “Der Lehrer”, die Vox-Formate “Sing meinen Song”, “Club der roten Bänder” oder die “Höhle der Löwen”. Wachstum durch neue Formate und die Lizenzen, das gilt 2016 auch für den Produktionsarm Freemantle Media. “Mehr kreative Power”, lautet die Ansage. Das Tochterunternehmen sei auf dem richtigen Weg, höhere Margen einzufahren, erklärt de Posch. Über 10.300 Stunden Programm des Unternehmens seien 2015 on air gegangen. Insgesam hat Fremantle Media mit acht Investitionen seine Tätigkeiten in den Segmenten Scripted, Entertainment und Factual erweitert. Den Ausbau des globalen Netzwerkes will man auch 2016 im Fokus behalten.

Das Gleiche gilt auch für die dritte operative Säule, die die RTL Group für sich definiert hat. Für die Geschäfte mit den Multichannelnetworks (MCN) weist der Konzern ein extrem hohes Umsatzwachstum aus. Die MCN’s und Ad-Technology-Anbieter Broadband TV, Style Haul und SpotX legten um 109, 87 beziehungsweise 56 Prozent zu. Insgesamt legte das Digitalgeschäft der Gruppe um 72,2 Prozent auf 508 Millionen Euro Umsatz zu und macht insgesamt 8,3 Prozent des Gesamtumsatzes der RTL Group aus. Für den Ausbau dieser Aktivitäten haben die CEO’s Schäferkordt und de Posch 2015 einen so genannten Digital Hub gegründet. Kurz zuvor investierten die RTL Group wie auch Broadband TV in die Marktteilnehmer Clypd, YoBoHo wie auch Videoamp. Zwar stünde hinter dem Digitalgeschäft insgesamt eine schwarze Zahl, so Chief Financial Officer Elmar Heggen. Doch vor allem die MCN’s seien trotz der hohen Umsätze noch nicht profitabel, so der CFO. Die Gruppe erwartet freilich, dass sich das in den nächsten Jahren ändern wird.

Die Summe, die dem Konzern 2016 für digitale Investitionen zur Verfügung steht, bezifferte CFO Elmar Heggen auf rund 250 Millionen Euro. Im vergangenem Jahr habe man etwas weniger ausgegeben. Die Devise lautet quasi: Mit aller Kraft weiter wie bisher. Die Luxemburger erwarten, dass der Umsatz 2016 vor allem durch das Digitalgeschäft moderat um 2,5 bis 5 Prozent steige. Für das operative Ergebnis erwartet man stabile Werte. Die Prognose liegt bei -1 bis +1 Prozent.

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