Axel Springer: Business Insider verliert weiter Geld – Banken fehlt die Kursfantasie

Mathias Döpfner kaufte den Business Insider für knapp 400 Mio. Euro – doch das Zukunftsprojekt ist noch nicht profitabel
Mathias Döpfner kaufte den Business Insider für knapp 400 Mio. Euro – doch das Zukunftsprojekt ist noch nicht profitabel

Digital Economy Mathias Döpfner war wieder in seinem Element: Selbstbewusst präsentierte der Axel Springer-Boss die Jahresbilanz des MDax-Mitglieds. Doch die Börse ist skeptisch. Für die meisten Banken ist Springer nur noch eine Halteposition – die Berenberg Bank empfiehlt gar den Verkauf der Aktie. Die Jahresbilanz enthüllte zudem: Der Hoffnungsträger Business Insider erlöste 2015 gerade mal 38,5 Millionen Euro.

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„Axel Springer ist heute einer der weltweit reichweitenstärksten Digitalverlage. Wir sehen erhebliches Potenzial für die langfristige Wertsteigerung unserer digitalen Aktivitäten und werden uns 2016 auf die erfolgreiche Entwicklung unserer Investitionen der letzten Monate konzentrieren“, erklärte Springer-Chef Mathias Döpfner mit dem üblichen Selbstbewusstsein bei Vorlage der Geschäftsbilanz 2015.

Allein: Die Märkte erkennen das Potenzial nicht gleichermaßen. Um 1,5 Prozent notierte die Springer-Aktie gestern im Minus. Seit Jahresbeginn beträgt das Minus knapp 8 Prozent, während der Vergleichsindex MDax nur 5 Prozent an Wert eingebüßt hat. Springers Underperformance an der Börse hat Tradition: 2015 gingen die Berliner mit einem schmalen Plus von nur zwei Prozent aus dem Börsenjahr, während der MDax um satte 22 Prozent zulegte, und auch 2014  kam mit einem Plus von nur 7 Prozent nicht besonders viel Freude bei Anteilseignern auf.

Die Axel Springer-Aktie ist ambitioniert bewertet

Tatsächlich mutet Mathias Döpfner Aktionären mit dem als alternativlos beschriebenen Digitalkurs im Ausland, der entsprechende Risiken beinhaltet, seit Jahren einiges zu. Unterm Strich erwirtschaftet Axel Springer zwar solides, aber gleichfalls unspektakuläres Wachstum: Die Umsätze legten 2015 lediglich um 8 Prozent, das Ebitda um 10 Prozent zu – das ist eine ordentliche Performance, aber gleichzeitig kaum eine, die eine höhere Bewertung rechtfertigen würde.

Aktuell wird Springer mit einem alles andere als günstigen Kurs-Gewinn-Verhältnis von 21 gehandelt (47,50 Euro : 2,22 Euro Gewinn je Aktie) – das ist höher als das Durschnitts-KGV im Vergleichsindex MDax und erst recht als im Dax.

Business Insider erlöst in zwei Monaten nur 9,4 Millionen Euro

In anderen Worten: Springer ist zum zweistelligen Wachstum bei seinen digitalen Auslandsaktivitäten Business Insider und Upday  verdammt – nicht zuletzt, weil Springer im Kerngeschäft auf dem Heimatmarkt sinkende Erlöse in Aussicht stellte. In Deutschland nämlich erwartet Axel Springer 2016 rückläufige Werbenettoerlöse im Print-Bereich von 2,9 Prozent.

Und: Wie die Jahresbilanz enthüllt, erlöste Axel Springer mit seiner größten Zukunftswette Business Insider in den zwei Monaten zwischen dem 30. Oktober und 31. Dezember gerade mal 9,4 Millionen Euro, was hochgerechnet einem Quartalsumsatz von 14 Millionen Euro entspräche. Im Gesamtjahr 2015 betrugen die Umsätze 38,5 Millionen Euro – ein Plus von 41 Prozent.

Schwarze Zahlen schrieb der Business Insider, den sich Springer im vergangenen September für knapp 400 Millionen Dollar sicherte, dennoch nicht: 1,1 Millionen Euro verlor das Blogkonglomerat zwischen Ende Oktober und Ende Dezember – und sogar 10,8 Millionen Euro im Gesamtjahr 2015. Allerdings dürften sich das Wirtschaftsportal damit noch innerhalb der Erwartungen bewegen. Bis solche Web-Projekte tatsächlich eine schwarze Null schreiben, kann Jahre dauern. Erst einmal zählt der Aufbau von Reichweite. Und die kostet.

Analysten sehen kein großes Kurspotenzial

Entsprechend unbeeindruckt reagierten Analysten gestern auf Springers Zahlenwerk: Mit der Commerzbank, Nomura und Equinet sahen gleich drei Banken die Springer-Aktie lediglich als Halteposition mit Kurszielen von 53 bis 59 Euro.

Die NordLb und Warburg Research schätzen die Springer-Aktie zwar als „Kauf“ ein, haben mit 56 bzw. 60 Euro aber auch nicht wesentlich größeres Kurspotenzial. Weiter auf der anderen Seite des Trades befindet sich dagegen die Berenberg Bank, die weiter zum Verkauf der Papiere rät. Begründung von Analystin Sarah Simon: Die Springer-Aktie ist im Vergleich zu anderen europäischen Medienunternehmen einfach zu teuer.

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