Viral-Videos als Klick-Treiber: Wie ein Friseur aus Madrid zum Quotenhit bei Spiegel Online & Co. wurde

Jan Riemers, CEO von Zoomin.TV, machte den Friseur Alberto Olmedo zum Web-Star
Jan Riemers, CEO von Zoomin.TV, machte den Friseur Alberto Olmedo zum Web-Star

Digital Economy Bei den Verlagen wächst der Bedarf an viralen Videos, um die Klickraten ihrer Online-Portale zu steigern. Ob Spiegel Online, Handelsblatt oder Süddeutsche Zeitung – immer mehr Medienhäuser setzen hierzulande auf Bewegtbildinhalte der Amsterdamer Zoomin.TV.

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Von Gregory Lipinski

Jahrelang war Alberto Olmedo ein Friseur in Madrid wie jeder andere. Doch seit Ende vergangenen Jahres ist der smarte Barbier aus Spaniens Hauptstadt als Web-Star weltbekannt. Ob bei Spiegel Online, NBC, Telemundo oder Facebook und YouTube – mehr als 200 Millionen Mal wurde das Video über den Hairstylisten angeklickt, der seine Kundinnen statt Schere und Kamm lieber mit einem meterlangen Schwert und Bunsenbrenner die Haare frisiert.

Seine globale Bekanntheit hat Olmedo dem Videomacher Zoomin.TV aus Amsterdam zu verdanken. Das niederländische Unternehmen produziert täglich 400 Videos und Nachrichten aus allen Bereichen – von Politik, Wirtschaft, Finanzen, Sport bis zu Lifestyle. Dazu kommen News aus der schillernden Welt der Schönen und Reichen. „Gefragt sind vor allem Videos aus dem Entertainment, aber auch Bewegtbilder über politische Themen finden zunehmend Abnehmer“, erklärt Vorstandschef Jan Riemers gegenüber MEEDIA. Der 49-Jährige hatte das Start-up im Jahr 2000 zunächst als Finance TV gegründet, und wenig später in Zoomin.TV umbenannt. Heute ist die Gesellschaft mit 2000 Video-DJs in 25 Ländern vertreten. Zum Abnehmerkreis gehören in Deutschland alle namhafte Größen aus dem Mediengeschäft – darunter Handelsblatt, Bild, Focus, Stern, Brigitte sowie Süddeutsche Zeitung.

Dass die Verlage zunehmend auf Beweginhalte der Holländer setzen, hat für den Zoomin.TV-Chef einen einfachen Grund. „Nachrichtenagenturen wie Reuters haben das Problem, dass sie nicht den Zeitgeist der jungen Webnutzer treffen, um die Klickraten ihrer Portale zu steigern“, meint Riemers. Dabei bereiten die Niederländer die Themen speziell auf die Zielgruppe der jungen Webnutzer auf. Beispielsweise zeigt der Dienst Videos von Jugendlichen in Somalia, die ihre Einkäufe größtenteils nur noch mit dem Handy erledigen. Zum Klick-Hit im Netz wurde auch ein Video mit drei jungen Palästinensern, die ihr tägliches Fitness-Training zwischen zerbombten Häusern und Granattrichtern absolvieren. Rund 3 Millionen Mal wurde das ungewöhnliche Workout seit Februar angeklickt.

Pro Video verlangen die Amsterdamer zwischen 60 und 75 Euro. Will das Medienunternehmen nur das Rohmaterial, um es weiter zu verwerten, kostet die Sendeminute 500 Euro. Deutlich teurer wird es, wenn Online-Dienste die Bewegtbilder exklusiv haben wollen. Hier bewegen sich die Preise um ein Vielfaches pro Sendeminute. Zunehmend bieten die Niederländer auch Werbekunden Lösungen für Bewegbild-Kampagnen an. Zu den Abnehmern zählen Red Bull, Mc Donald, C&A, Playstation, Weight Watchers, Siemens, VW oder die Direktbank ING-DIBA.

Angesichts des wachsenden Bedarfs von Online-Portalen wachsen die Erlöse der Niederländer rasant. „Ich gehe davon aus, dass wir in diesem Jahr den Umsatz um 50 Prozent auf mehr als 50 Millionen Euro steigern können“, sagt der CEO. Bereits in den beiden vergangenen Jahren verzeichnete die Gesellschaft Zuwachsraten von mehr als 70 Prozent.

Auch in den nächsten Jahren will Zoomin.TV kräftig expandieren. Zweistellige Wachstumsraten erhofft sich Riemers vor allem in Asien. Hier engagierte er jüngst Eric Snelleman. Der gebürtige Holländer hatte zuletzt das Asiengeschäft der GroupM in Hongkong geleitet. Geplant ist noch, in diesem Jahr im Reich der Mitte anzugreifen. „Wir prüfen derzeit den Einstieg in den chinesischen Markt. Ich kann mir vorstellen, dass wir hier noch in diesem Jahr aktiv werden“, meint der Unternehmenschef.

Dass Zoomin.TV so schnell zulegen kann, liegt auch an seinem neuen Partner. Vergangenes Jahr hatte sich die börsennotierte Modern Times Group (MTG) aus Stockholm an den Niederländern beteiligt. Die Skandinavier besitzen TV-Stationen auf sechs Kontinenten und sind größter Aktionär von CTC Media, einem der führenden unabhängigen Medienunternehmens Russlands. „MTG hat sich im vergangenen Jahr mit 51 Prozent an Zoomin.TV beteiligt. MTG hat in drei Jahren das Recht, meine restlichen Anteile zu übernehmen“, erklärt Riemers. Dennoch will der Unternehmer den Chefsessel auf keinen Fall räumen. „Ich werde auch langfristig, den Vorstandsvorsitz von Zoomin.TV behalten.“

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