Axel Springer steigert Umsatz und Ergebnis – und will noch digitaler und internationaler werden

Axel Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner
Axel Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner

Axel Springer hat auch im Geschäftsjahr 2015 bei den digitalen Aktivitäten weiter zugelegt. Wie das Unternehmen am Donnerstag mitteilte, hätten diese im abgelaufenen Jahr 62 Prozent zu den Gesamterlösen und 70 Prozent zum Konzern-EBITDA beigetragen. Ihr Anteil an den Gesamtwerbeerlösen betrage 80 Prozent. Zudem habe der Konzern nahezu die Hälfte des Umsatzes in internationalen Märkten erzielt.

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Insgesamt erhöhte Axel Springer den Konzernumsatz im Geschäftsjahr 2015 nach eigenen Angaben um 8,5 Prozent. Das EBITDA legte im Vergleich zum Vorjahr um 10,2 Prozent zu. Die EBITDA-Rendite verbesserte sich leicht von 16,7 Prozent auf 17,0 Prozent. Wie das Unternehmen weiter mitteilte, werden Vorstand und Aufsichtsrat der Hauptversammlung die Ausschüttung einer konstanten Dividende in Höhe von EUR 1,80 je Aktie für das Geschäftsjahr 2015 vorschlagen.

Vorstandschef Mathias Döpfner sieht das Unternehmen auf dem richtigen Kurs: „Axel Springer ist heute einer der weltweit reichweitenstärksten Digitalverlage. Wir sehen erhebliches Potenzial für die langfristige Wertsteigerung unserer digitalen Aktivitäten und werden uns 2016 auf die erfolgreiche Entwicklung unserer Investitionen der letzten Monate konzentrieren.“

Axel Springer werde im laufenden Geschäftsjahr weiter in die Expansion seiner digitalen Geschäftsmodelle investieren. Im Fokus stehen dabei das Wirtschafts- und Finanznachrichtenportal Business Insider, die Content-Plattform Upday sowie die mobile US-Einkaufsplattform Retale. Darüber hinaus wird das Unternehmen das Wachstum bei den Rubrikenangeboten und bei den digitalen Abonnements der journalistischen Bezahlangebote vorantreiben.

Die Konzernergebnisse im Detail

Axel Springer erhöhte den Konzernumsatz im abgelaufenen Geschäftsjahr um 8,5 Prozent auf EUR 3.294,9 Mio. (Vj.: EUR 3.037,9 Mio.) und bestätigte damit die eigene Prognose. Getrieben wurde dieser Anstieg vom Wachstum der Rubriken- und Vermarktungsangebote, die auch organisch erfreulich zulegten. Bereinigt um Konsolidierungs- und Währungseffekte lag der Konzernumsatz um 1,6 Prozent über dem Vorjahr. Der Konzern steigerte das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) um 10,2 Prozent von EUR 507,1 Mio. auf EUR 559,0 Mio. Die Erwartungen für das Geschäftsjahr 2015 wurden damit leicht übertroffen. Axel Springer profitierte insbesondere vom kräftigen Ergebniswachstum der Rubrikenangebote. Die EBITDA-Rendite des Unternehmens erhöhte sich von 16,7 Prozent auf 17,0 Prozent.

Der Konzernüberschuss stieg im abgelaufenen Berichtsjahr um 29,2 Prozent auf EUR 304,6 Mio. (Vj.: EUR 235,7 Mio.). Damit erwirtschaftete Axel Springer ein Ergebnis je Aktie von EUR 2,50 nach EUR 1,71 im Vorjahr. Der um Sondereffekte und Abschreibungen aus Kaufpreisallokationen bereinigte Konzernüberschuss verbesserte sich um 11,2 Prozent auf EUR 279,3 Mio. (Vj.: EUR 251,2 Mio.). Das bereinigte Ergebnis je Aktie erhöhte sich folglich auf EUR 2,22 (Vj.: EUR 2,01). Die Prognose für das Geschäftsjahr 2015 wurde damit erfüllt.

Durch den weiteren Ausbau des Digitalgeschäfts sowie durch Akquisitionen erhöhte sich die durchschnittliche Zahl der Mitarbeiter um 7,9 Prozent auf 15.023 (Vj.: 13.917).

Prognose 2016: Umsatz und EBITDA steigen

Für das Geschäftsjahr 2016 rechnet der Vorstand mit einem Anstieg der Gesamterlöse im niedrigen einstelligen Prozentbereich. Bereinigt um Konsolidierungseffekte, vor allem durch die Entkonsolidierung der Aktivitäten in der Schweiz, wäre das Wachstum höher und läge im mittleren einstelligen Prozentbereich. Der Vorstand geht davon aus, dass der geplante Anstieg der Werbeerlöse den Rückgang der Vertriebserlöse und der übrigen Erlöse überkompensieren wird.

Für das EBITDA erwartet der Vorstand einen Anstieg im niedrigen bis mittleren einstelligen Prozentbereich. Dabei wird ein Anstieg des EBITDA im Segment Rubrikenangebote erwartet, während das Ergebnis im Segment Vermarktungsangebote ungefähr auf Vorjahresniveau liegen soll. Für die Segmente Bezahlangebote und Services/Holding wird ein EBITDA unter dem Vorjahresniveau erwartet. Für das bereinigte Ergebnis je Aktie erwartet der Vorstand einen Anstieg im mittleren bis hohen einstelligen Prozentbereich.

Dynamisches Wachstum der digitalen Geschäftsmodelle

Die dynamische Entwicklung der digitalen Geschäftsmodelle schlug sich 2015 spürbar im Wachstum des Konzerns nieder. So erhöhten sich die Pro-forma-Erlöse der digitalen Aktivitäten im Berichtszeitraum auf EUR 2.004,6 Mio. (Vj.: EUR 1.794,6 Mio.) und erzielten damit ein organisches Wachstum von 11,7 Prozent. Sie überschritten im Jahr 2015 erstmals die Marke von EUR 2 Mrd.

Wie angekündigt, forcierte Axel Springer die internationale Expansion seiner digitalen Geschäftsmodelle und investierte insbesondere in das Wachstum im englischsprachigen Raum. Die Auslandserlöse legten um 20,2 Prozent auf EUR 1.573,5 Mio. (Vj.: EUR 1.309,3 Mio.) zu. Damit erzielte Axel Springer im abgelaufenen Geschäftsjahr nahezu die Hälfte des Konzernumsatzes (47,8 Prozent) in den internationalen Märkten (Vj.: 43,1 Prozent).

Durch das kräftige Wachstum der Rubriken- und Vermarktungsangebote stiegen auch die Werbeerlöse deutlich. Sie legten um 16,1 Prozent auf EUR 2.107,6 Mio. (Vj.: EUR 1.815,1 Mio.) zu. Mehr als 80 Prozent der Werbeerlöse erwirtschaftete das Unternehmen mit seinen digitalen Aktivitäten. Bei den Vertriebserlösen konnten steigende Erlöse aus dem digitalen Vertrieb die strukturellen Auflagenrückgänge im Printgeschäft teilweise kompensieren. In der Folge lagen die Vertriebserlöse mit EUR 721,7 Mio. nur leicht unter dem Vorjahr (EUR 735,3 Mio.). Die übrigen Erlöse verzeichneten vor allem bedingt durch Konsolidierungseffekte einen Rückgang von 4,5 Prozent auf EUR 465,7 Mio. (Vj.: EUR 487,5 Mio.). Bereinigt um diese Effekte wiesen sie ein Plus von 4,2 Prozent aus.

Rubriken- und Vermarktungsangebote wachsen zweistellig

Das Segment Rubrikenangebote erreichte im Geschäftsjahr 2015 erneut die höchsten Wachstumsraten bei Umsatz und Ergebnis. Die Erlöse des Segments legten um 47,1 Prozent auf EUR 753,1 Mio. (Vj.: EUR 512,0 Mio.) zu. Neben einem starken organischen Wachstum wirkten sich hier Konsolidierungseffekte aus der erstmaligen Einbeziehung von @Leisure, LaCentrale, Jobsite, Immowelt und Yad2 aus. Bereinigt um diese Effekte belief sich der Erlösanstieg im Segment auf 14,5 Prozent.

Auch das EBITDA der Rubrikenangebote stieg deutlich um 40,1 Prozent auf EUR 305,0 Mio. (Vj.: EUR 217,7 Mio.). Bereinigt um Konsolidierungseffekte erhöhte sich das EBITDA um 17,1 Prozent. Mit einer EBITDA-Rendite von 40,5 Prozent (Vj.: 42,5 Prozent) blieb das Segment hochprofitabel. Dabei erreichte die Kategorie Stellen eine EBITDA-Rendite von 43,7 Prozent, die Kategorie Immobilien von 46,4 Prozent und die Kategorie Generalisten/Sonstige von 30,7 Prozent.

Im Segment der Bezahlangebote lag der Fokus im abgelaufenen Geschäftsjahr weiter auf der Gewinnung zahlender Abonnenten für die digitalen Angebote von Bild und Welt. Mit einer Wachstumsrate von insgesamt 26 Prozent im Jahresdurchschnitt im Vergleich zum Vorjahr verzeichneten die digitalen Abonnement-Modelle von Bild und Welt nach Angaben des Konzerns dabei deutliche Fortschritte. Die Zahl der digitalen Abonnenten stieg zum Ende Dezember 2015 auf mehr als 310.000 für Bild und rund 74.000 für Die Welt (IVW Paid Content 12/2015).

Das Segment Bezahlangebote erwirtschaftete im abgelaufenen Geschäftsjahr einen Umsatz von EUR 1.582,2 Mio. (Vj.: EUR 1.617,5 Mio.). Das EBITDA der Bezahlangebote belief sich auf EUR 223,2 Mio. und lag damit um 11,2 Prozent unter dem Vorjahr (EUR 251,4 Mio.). Maßgeblich hierfür waren laut Axel Springer neben den Umsatzrückgängen vor allem höhere Restrukturierungsaufwendungen. Folglich reduzierte sich die EBITDA-Rendite des Segments auf 14,1 Prozent (Vj.: 15,5 Prozent). Die rückläufigen Zahlen drücken auch die Auflagenverluste aus, die vor allem der Bild-Zeitung zu schaffen machen, die 2015 erstmals weniger als zwei Millionen Exemplare verkaufte.

Im Segment der Vermarktungsangebote trieb Axel Springer im Berichtsjahr vor allem die weitere Internationalisierung der Bonial.com Group voran, zu der führende Onlineportale für lokale Handelswerbung wie kaufDA, Retale, Ofertia und Bonial gehören. So expandierte die Gruppe im vergangenen Jahr mit Portalen in sechs neue Länder in Lateinamerika und Skandinavien. Der Umsatz im Segment Vermarktungsangebote legte im abgelaufenen Geschäftsjahr um 10,7 Prozent auf EUR 878,9 Mio. (Vj.: EUR 794,1 Mio.) zu.

Nach einem Bericht des Mediendienstes Horizont sind die Werbeumsätze der Zeitungen im vergangenen Jahr um 45 Millionen auf 485 Millionen Euro eingebrochen – und damit deutlich mehr als durch den Wegfall des „WM-Effekts“ erwartet. Diese Zahlen tauchen in der Jahresbilanz des Unternehmens allerdings nicht auf, Horizont beruft sich auf interne Kalkulationen.

Das EBITDA lag aufgrund höherer Aufwendungen zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit von idealo, durch Portfolioveränderungen bei aufeminin sowie durch Aufwendungen für die Internationalisierung der Bonial-Gruppe unter dem Vorjahreswert. Das EBITDA des Segments verzeichnete einen Rückgang um 17,4 Prozent auf EUR 88,0 Mio. (Vj.: EUR 106,5 Mio.). Die EBITDA-Rendite belief sich auf 10,0 Prozent nach 13,4 Prozent im Vorjahr.

Höhere Schulden durch Zukäufe

Die Nettoverschuldung des Konzerns stieg signifikant. Sie belief sich zum 31. Dezember 2015 auf EUR 1.066,6 Mio. gegenüber EUR 667,8 Mio. zum Jahresende 2014. Maßgeblich hierfür war die Finanzierung der im Rahmen der Digitalisierungs- und Internationalisierungsstrategie vollzogenen Akquisitionen. Zum 31. Dezember 2015 verfügte der Konzern über nicht in Anspruch genommene kurz- und langfristige Kreditlinien in Höhe von EUR 902,0 Mio. (31. Dezember 2014: EUR 511,0 Mio.). Die Eigenkapitalquote des Unternehmens belief sich zum Bilanzstichtag auf 38,6 Prozent (Vj.: 43,9 Prozent).

 

 

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