Management-Buyout der Cicero-Macher: Was Impulse-Chef Förster den Neu-Verlegern rät

Impulse-Chef Nikolaus Förster (li.) und die Neu-Verleger Christoph Schwennicke (re.) und Alexander Maguier
Impulse-Chef Nikolaus Förster (li.) und die Neu-Verleger Christoph Schwennicke (re.) und Alexander Maguier

Publishing Emotion, Brand Eins und jetzt die beiden Magazine Cicero und Monopol - in der Medienbranche sind Management Buy Outs eher selten. Jetzt wagen Christoph Schwennicke und Alexander Maguier ebenfalls den Schritt ins Verlegertum. Unternehmer Nikolaus Förster, der das Mittelstandsmagazin Impulse ebenfalls als MBO vom Zeitschriftenhaus Gruner + Jahr erwarb, gab den beiden Cicero-Machern wichtige Tipps vor allem für die Startphase.

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Von Gregory Lipinski

Nikolaus Förster kennt die Hürden genau, die Christoph Schwennicke und Alexander Maguier als neue Inhaber von Cicero und Monopol zu nehmen haben. Vor drei Jahren erwarb der gebürtige Aachener im Rahmen eines Management Buy Outs (MBO) das Wirtschaftsmagazin Impulse von Gruner + Jahr. „Die meisten MBOs scheitern daran, dass die Firmeninhaber zu optimistische Geschäftszahlen annehmen, die sich nicht erfüllen“, sagt Förster gegenüber MEEDIA. Er nennt das „Over Optimismen“, unter denen viele MBOs schnell zusammenbrechen.

Deswegen hat Förster den künftigen Cicero-Eigentümern jüngst empfohlen, deutliche Abstriche in ihrem Geschäftsplan vorzunehmen. „Ich habe Christoph Schwennicke und Alexander Maguier dazu geraten, in ihren Businessplan nicht zu optimistische Zahlen zu schreiben“, erinnert sich der Impulse-Chef. Und dies aus gutem Grund: die Jungverleger seien dadurch gezwungen, in der Startphase stärker auf die Kostenbremse zu drücken und die Unternehmensstrukturen auf die neuen Verhältnisse – abseits eines finanziell gut ausgestatteten Verlagskonzerns wie Ringier – anzupassen.

Doch das reicht nicht aus, wenn ein Management Buy out, also die Übernahme einer Firma durch die angestellte Geschäftsführung, erfolgreich sein soll. „Es ist wichtig, dass sie ein gutes Team haben“, unterstreicht Förster. Dies gelte besonders in den ersten Monaten. „Bei einem MBO haben sie keine Zeit, um sich geschäftlich an Dinge heranzutasten oder ihren Mitarbeiterstamm behutsam aufzubauen“, meint der Geschäftsmann. Als ehemaliges Mitglied der Entwicklungsredaktion der inzwischen eingestellte Financial Times Deutschland weiß Förster, wovon er spricht. Er hatte Impulse mit rund 20 Mitarbeiter von G+J übernommen. Heute sind es doppelt so viele Arbeitnehmer. Eine Verantwortung, die ihm sehr bewusst ist.

Denn wirtschaftlich ist die Impulse Medien GmbH noch nicht auf einem grünen Zweig. „Wir haben 2015 noch keine schwarze Null erreicht. Wir werden das Geschäftsjahr aber um einige 100.000 Euro besser abschneiden als noch ein Jahr zuvor“, erwartet der Mehrheitsgesellschafter und nennt zugleich für 2014 einen Jahresfehlbetrag von 421.000 Euro. Den soll es 2016 nicht mehr geben. Förster: „Wir hoffen, dass wir dieses Jahr mit einem Gewinn abschließen“.

Dass sich die Ertragslage bereits im vergangenen Jahr gebessert hat, liegt an mehreren Dingen. Dazu gehört, dass das kleine, feine Medienhaus im Hamburger Stadtteil Hammerbrook jenseits der rein publizistischen Aktivitäten weiter wächst. „Wir haben im vergangenen Jahr deutlich mehr Geld mit Konferenzen, Seminaren und Workshops verdient“, erklärt der Firmeninhaber. Dies soll in diesem Jahr weitergehen. Dazu schraubt Förster die Heftfrequenz zurück. „Wir werden statt 12 nur noch 10 Ausgaben im Jahr produzieren, damit unsere Mitarbeiter mehr Zeit finden, um den Eventbereich weiter zu stärken“, sagt der Geschäftsmann. So werde es im Sommer und im Winter eine Doppelausgabe des Wirtschaftstitels geben.

Das Eventgeschäft ist für Förster eine wichtige Säule seiner Zukunftsstrategie, um sich unabhängiger vom Anzeigen- und Vertriebsgeschäft zu machen. „Es reicht nicht mehr aus, als Verleger Papier zu bedrucken oder digitale Inhalte zu produzieren. Es geht vielmehr darum, mit dem Leser eine Kundenbeziehung aufzubauen. Nur so können wir eine starke Marke aufbauen, die sich finanziell trägt“, meint der geschäftsführende Gesellschafter. Zwei Mal im Jahr veranstaltet er für Impulse-Mitglieder, Verlagsführungen in Hamburg samt Diskussionen mit der Redaktion. Zudem finden monatlich Netzwerktreffen mit namhaften Größen aus dem deutschen Mittelstand – beispielsweise bei Trumpf in Ditzingen mit Firmenchefin Nicola Leibinger-Kammüller.

Unabhängig ist ohnehin ein Wort, das Förster schätzt. Sukzessive löste der Geschäftsmann den Verlag nach der Übernahme aus seinen langjährigen Gruner + Jahr-Wurzeln. Den Vertrieb, der bislang bei der G+J-Tochter lag, nahm er mit einem eigenen Team in die Hand. Die Anzeigenvermarktung gab er zur Emotion-Chefin Katarzyna Mol-Wolf. Ein Schritt, der sich bezahlt gemacht hat. „Wir sind mit der Anzeigenvermarktung durch Inspiring Network sehr zufrieden“, betont Förster. Dies liegt wohl auch daran, dass sich der Vermarkter strikt gegen Agenturrabatte wehrt, die bei größeren Magazinhäusern wie bei Hubert Burda üblich sind.

Auch von Geld- oder Sachgeschenken, mit denen die finanziell gut ausgestatteten Großverlage Abonnenten ködern, hält er nichts und hat sie kurzerhand abgeschafft. So macht er bei den Abos zwar keine Sprünge, ist aber mit rund 45.600 Exemplaren in den vergangenen Quartalen relativ konstant. Nun will er die Abo-Auflage mit einer neuen Preisstrategie pushen. Dazu hat er den Copypreis für das Februar-Heft von 9,90 auf 12,80 Euro angehoben. Für Abonnenten bleibt der Heftpreis gleich. „Unsere Mitglieder genießen einen Preisvorteil gegenüber den Käufern von Einzelheften“, erklärt Förster.

Ob die beiden Cicero-Macher Christoph Schwennicke und Alexander Maguier ähnliche Strategien im Kampf um neue Leser entwickeln, wird sich in den nächsten Jahren zeigen. Vielleicht kommen sie bei Förster nochmals vorbei, um sich den einen oder anderen Tipp abzuholen.

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