Wie Mark-Zuckerberg-Superstar in Berlin alle um seinen Facebook-Finger wickelte

Mark, Anne, Angela und Bosch
Mark, Anne, Angela und Bosch

Facebook-Chef Mark Zuckerberg bekommt von Axel Springer einen Preis und alle sind superhappy. Google verteilt Geld an deutsche Verlage und alle sind superhappy. ProSiebenSat.1 verdient mit einem nicht immer taufrischen Programm Megakohle und ist superhappy. Angela Merkel taucht zum zweiten Mal in kurzer Zeit bei „Anne Will“ auf und ist … naja. Der MEEDIA-Wochenrückblick.

Werbeanzeige

Ganz großer Berliner Bahnhof für Facebook-Gründer und CEO Mark Zuckerberg am Donnerstagabend. „Zuck“ war in der Stadt und der erste Preisträger des neu ins Leben gerufenen Axel Springer Award, mit dem internationale Unternehmerpersönlichkeiten geehrt werden. Springer unterstreicht mit der Ausrichtung des Awards seinen Anspruch, internationaler Medienkonzern zu sein. Und alle, alle kamen. EU-Parlamentspräsident Martin Schulz (SPD) lobhudelte in Richtung Zuckerberg: „Wer, wenn nicht Sie, hätte diesen Preis verdient?“ Springer-CEO Döpfner schmeichelte und schwärmte: „You are a wonderful human being.“ Der Samsung-Chef verteilte Virtual Reality-Brillen. Ein schöner „Zufall“, dass die Springers mit den Samsungs gerade den News-Aggregatoren Upday gestartet haben. Alles war Big Business und Bussi Bussi. Das Wort „Medienkrise“ war verboten an diesem Abend. Die Berliner Kälte ausgesperrt. Drinnen war kuschelige Dachterrasse angesagt. G+J-Chefin Julia Jäkel herzte Werbe-Managerin Karen Heumann, Bill Gates grüßte per Videoschalte, ZDF-Intendant Thomas Bellut strahlte, Facebook-Investor Peter Thiel redete. Friede, Freude, Facebook. Gerade so, als habe es das Rumgemeckere von deutschen Medien an der Allmacht des Social Networks und dem ganzen Hass-Gerede auf Facebook nie gegeben. Die Überschrift des Bild-Artikels zur großen Zuckerberg-Sause war dann durchaus treffend:

Bildschirmfoto 2016-02-26 um 11.00.44

Randnotiz: Nur wer sich näher mit Medien befasst, konnte wissen, warum die Bild-Redaktion zwischen all den Promis beim Zuckerberg-Auflauf die scheinbar unscheinbare Rechtsanwältin Karin Arnold zeigte. Sie ist die enge Freundin und Vertraute von Friede Springer, die nach deren Plänen vielleicht mal über eine Stiftung weitgehende Kontrolle über das Medienhaus bekommen könnte.

Alles also very shiny mit den deutschen Medien und Facebook. Auch mit dem zeitweise als das konzentrierte Böse angesehenen IT-Konzern Google ist man jetzt wieder ganz geschmeidig unterwegs in Medienhausen. Google hat diese Woche nämlich das Portmonee aufgemacht und aus seinem Digital News Initiative Fonds die ersten Euros lockergemacht. Davon profitieren auch hiesige Medien wie die WirtschaftsWoche, der Tagesspiegel, die dpa. Die Rhein-Zeitung aus Koblenz und die FAZ bekommen sogar jeweils eine halbe Million Euro von Google. Geschenkt. Bargeld lacht! Alles eine feine Sache. Nicht nur der nette Herr Zuckerberg versteht sich gut aufs Einwickeln.

„Richterin Barbara Salesch“, Doppelfolge „Richter Alexander Hold“, Doppelfolge „Auf Streife“, „Anwälte im Einsatz“, „Mein dunkles Geheimnis“, „Schicksale – und plötzlich ist alles anders“, „In Gefahr – ein verhängnisvoller Moment“, Nachrichten und dann „The Voice Kids“. So geht er rum, der Tag bei Sat.1. Kaum zu glauben, aber mit so einem TV-Programm voller Konserven von Rudis Reste-Rampe und Reality-Trash („The Voice“ mal ausgenommen) lassen sich Millionen über Millionen scheffeln. ProSiebenSat.1 hat bei der Vorlage der Bilanz in dieser Woche gezeigt, dass Programmqualität im TV-Business offensichtlich nicht der alles entscheidende Faktor für wirtschaftlichen Erfolg ist. Schräg: Der Konzern ist durchaus in der Lage, auch anspruchsvolle, hochwertige Unterhaltung zu produzieren, wie beispielsweise die Krimiserie „Bosch“, die von der P7S1-Tochter Red Arrow gemacht wird. Sowas läuft dann aber nicht bei den hauseigenen Kanälen sondern ist beim Streaming-Angebot von Amazon Prime zu sehen, die die Serie auch beauftragt haben. Was lernen wir daraus?

Eine Wiederholung der besonderen Art gibt es am Sonntag bei „Anne Will“ zu sehen. Kanzlerin Angela Merkel ist schon wieder zu Gast. Dass sich die Bundeskanzlerin außerhalb des Wahlkampfs in eine Talkshow begibt, hat Seltenheitswert. Dass sie dies innerhalb von nur vier Monaten zweimal tut, verdeutlicht den Ernst der Lage in Sachen Flüchtlingskrise. Nur wenige Monate nach Angela Merkels Auftritt bei „Anne Will“ folgt nun der zweite. Dazwischen haben sich Lage und Tonfall in der Debatte noch einmal deutlich verschärft. Ganz abgesehen davon mutet es auch ein bisschen seltsam an, dass die Kanzlerin zweimal kurz hintereinander in dieselbe Talkshow geht. Anne Will ist ohne Zweifel eine ganz hervorragende politische Journalistin und ihre Talkshow ist eine hervorragende und seriöse Bühne. Aber wäre es von Seiten Angela Merkels nicht klug gewesen, für den zweiten Auftritt eine andere Sendung, vielleicht sogar bei einem anderen Sender zu suchen? So könnte man den Eindruck gewinnen, dass sich die Kanzlerin stets ihre Lieblings-Talkshow aussucht.

Schönes Wochenende!

Werbeanzeige

Mehr zum Thema

Alle Kommentare

  1. „Als Prominenter kannst du aussehen wie ein Neanderthaler und kriegst trotzdem die ganzen Weiber“ (Harald Juhnke in einem Tempo-Inerview)

  2. Ich wage es nicht auszusprechen was heute in der „BamS“ das Titelthema ist…

    Was sagt Domian dazu? 🙂

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Werbeanzeige

Werbeanzeige