Axel Springer Award für Zuckerberg: kurzweilige Ego-Revue auf künstlicher Dachterrasse

Social Media Messias: Facebook-CEO Mark Zuckerberg und seine Jünger beim Axel Springer Award
Social Media Messias: Facebook-CEO Mark Zuckerberg und seine Jünger beim Axel Springer Award

Axel Springer ehrt Facebook-Gründer Mark Zuckerberg und baut erst einmal kräftig um. Geschützt von einem Großaufgebot der Polizei und begrüßt von einem dichten Pressespalier, feiert der Verlag das Wirken des Web-Wunderkinds. Clou des Abends: Die Berliner verwandelten ihren größten, sonst sehr nüchternen Besprechungsraum im 19. Stock des Springer-Hochhauses in eine künstliche Dachterrasse.

Werbeanzeige

Für das passende Ambiente verlegte die Set-Designerin Pia Maria Mackert 135 Quadratmeter Rollrasen, fällte persönlich 24 Birken im Berlin-Pankow, ließ 100 Spiegel aufhängen und 81 Sitzkissen und 23 Sessel im Raum verteilen. Statt einer Bühne, verstreute der Verlag seine Top-Kräfte und alle weiteren hochkarätigen Gäste quer durch den Raum. Zuckerberg, der endlich mal nicht sein graues Standard-T-Shirt anhatte („farbige trage ich nur am Wochenende“), sondern sogar einen Anzug angelegt hatte, saß bequem im Kreis mit Mathias Döpfner und Friede Springer.

Für Zuckerberg selbst war der Abend das Ende eines anstrengenden Tages. Am Morgen joggte er öffentlichkeitswirksam und von drei Bodyguards begleitet durch das Brandenburger-Tor. Dann traf er noch Kanzleramtsminister Peter Altmeier und kündigte eine großangelegte Förderung von KI-Forschungs-Projekten (Künstliche Intelligenz) an.

Tatsächlich dürfte der Award-Abend für eine gewisse Entspannung gesorgt haben. Ein relaxter und sehr gut gelaunter Web-Star genoss die Eineinhalbstunden, in denen es nur ihn ging, mit offensichtlicher Freude. Immerhin wurde er im Grunde durchgehend gelobt, gefeiert und durfte in Erinnerungen schwelgen. So erinnert sich Döpfner an das erste Mal, als er den Gründer getroffen hatte. „Es war 2006, hier in meinen Büro. Wir sprachen über ein mögliches Investment in StudiVZ“, erzählt der Springer-Boss, um dann noch zu verraten: „Am faszinierendsten fand Zuckerberg übrigens unseren Aufzug, den berühmten Springer-Paternoster“.

Offiziell zeichneten die Berliner Zuckerberg aus, weil er mit Facebook das wichtigste Kommunikationsmittel einer neuen Generation geschaffen habe. „Facebook hat unsere Kultur verändert und bereichert, stellt uns aber auch vor neue Herausforderungen“, heißt es in der Erklärung. „Jeder kann sich jederzeit vor breitem Publikum über alles äußern. Doch wie geht man mit dieser Macht verantwortungsvoll um? Mark Zuckerberg setzt sich mit dieser Frage intensiv auseinander“. Ehrlich fügt Döpfner an. „Für die Medienwirtschaft ist Facebook ein wichtiger Vertriebskanal geworden. Dabei hat das Unternehmen neue Möglichkeiten entwickelt, wie man mit Kreativen und ihren Verlegern fair umgeht. Unser Preis soll Zuckerberg ermuntern, diesen Weg allen Widerständen zum Trotz weiter zu beschreiten.“

Die Idee der Award-Macher war es ein „Live-Porträt“ des Geehrten zu schaffen. Also eine Reise durch die Biographie des Preisträgers. Die verschiedenen Programmpunkte des Events sollten jeweils eine Facette seines Lebens beleuchten. Dazu gehörten Redebeiträge von Weggefährten und die möglichst unterhaltsame Thematisierungen spezieller Interessen wie Zuckerbergs Vorliebe für Virtual Reality. So gehörte Investor Peter Thiel zu den Besuchern und Sprechern, aber auch EU-Politiker Martin Schulz (SPD). Via Skype durfte sich sogar Bill Gates zuschalten, um seine Glückwünsche zu überbringen.

Die Macher versprachen sich von dem Konzept, dass so die Verleihung als Ganzes zum Preis werde und gleichsam als Award-Event an die Stelle klassischer Trophäen und Urkunden trete. Konsequenterweise beinhaltet der Springer-Award dann auch kein Preisgeld. Der Plan ging auf. Statt einer öden Bühnen-Verleihung, organsierte die Berliner eine kurzweile Ego-Revue. Die sich irgendwo zwischen einer fröhlichen Verbeugung und überhöhter Lobhudelei des Geehrten bewegte. Einen besonderen Erkenntnisgewinn transportierte die Show nicht. Sollte sie aber auch nicht. Man feierte den Facebook-Gründer und sich selbst.

Spätestens seit der Übernahme des Business Insider strebt das Medienhaus Springer mit aller Macht auf den US-Markt. So sieht man sich selbst längst als ein digitaler und internationaler Verlag, dem es intern und extern darum geht einen gewissen Gründergeist vorzuleben. In diesem Kontext war es ein logischer Schritt, diesen Preis ins Leben zu rufen. Geht es nach dem Willen der Macher, soll er die Kraft entwickeln, auch außerhalb des deutschen Heimatmarktes wahrgenommen zu werden. Dieser Plan könnte aufgehen.

Werbeanzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Werbeanzeige

Werbeanzeige