„Gebt uns unser RTL zurück“ – massive Zuschauerproteste gegen RTL International

„Willkommen zuhause“: RTL will deutsches Fernsehen ins Ausland tragen
"Willkommen zuhause": RTL will deutsches Fernsehen ins Ausland tragen

Mit RTL International will RTL sein Programm auch in Ländern wie Kanada, Australien und den USA zugänglich machen, wo der Privatsender bisher nicht frei empfangbar war. Aber das im Januar gestartete Pay-TV-Angebot gefällt nicht jedem. Vor allem in Südafrika und Israel, wo das Original-RTL durch den neuen Sender ersetzt wurde, regt sich großer Protest.

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„Gebt uns unseren RTL-Sender wieder zurück“, „Wir sind total verärgert, was RTL mit uns macht“, „Wer ein solches Projekt auf die Beine stellt, sollte dazu verdammt werden, sich diesen alten Schrott und die zensierten Nachrichten täglich anzusehen und merkt dann hoffentlich, was er den Zuschauern hier zumutet“. Begeisterung über ein neues Programm des hierzulande erfolgreichen Senders RTL klingt anders. Dies sind nur einige Reaktionen, die MEEDIA auf die Berichterstattung über den neuen Sender RTL International erhielt. Mit dem Launch im Januar wollte RTL einen Sender für im Ausland lebende Deutsche starten und die eigenen Formate nach Australien, Kanada, in die USA und nach Südafrika wie auch Israel bringen. Der Kölner Sender pries den Launch des Pay-TV-Angebots als Mehrwert an. „Wir wollen, dass die Menschen, die RTL International im Ausland sehen, mit ihren Verwandten und Bekannten zuhause mitreden können“, erklärte Projektleiter Stefan Sporn gegenüber MEEDIA.

Zuschauer vermissen Quotenhits wie „Supertalent“ und „Wer Wird Millionär?“

Doch es regt sich Protest. Während der neue Sender nach Aussagen von RTL in Nordamerika und Australien ganz gut ankommt, regt sich vor allem in Südafrika und Israel Protest. Dort konnten Zuschauer vor dem Launch des neuen Senders das Original-RTL-Programm sehen, was mit der Umstellung abgeschafft wurde. Dass RTL International die Gelegenheit schaffe, „zuhause mitzureden“, sieht man in diesen Ländern demnach ganz und gar nicht so. Denn das Programm sei nicht mit dem deutschen RTL vergleichbar. „Kein Zuschauer möchte alte Programme aus der Konserve sehen“, schreibt jemand aus Israel. Bezogen ist das auf in Deutschland längst ausgestrahlte und teils schon wieder abgesetzte Programme wie die Doku-Reihe „Christopher Posch“, Serien wie „Doctors Diary“ oder „Hinter Gittern“, die von 1997 bis 2007 produziert wurde. Sendungen wie die Jauch-Formate „Wer Wird Millionär?“ oder „5 gegen Jauch“ und Quotenhits wie „DSDS“, „Das Supertalent“ oder das „Dschungelcamp“, über die in Deutschland fraglos regelmäßig gesprochen wird, können die Zuschauer von RTL International in Südafrika und Israel nicht mehr sehen.

Laut RTL hat das linzenzrechtliche Gründe. „Bei ‚Wer wird Millionär?‘, ‚Das Supertalent‘ und ‚Deutschland sucht den Superstar‘ handelt es sich um internationale Formate, die auch in vielen anderen Ländern gezeigt werden und für die bisher keine Lizenzen für eine internationale Ausstrahlung erworben werden konnten.“ Man sei bestrebt, „zukünftig das ein oder andere dieser Formate doch zeigen zu können.“ Dass sich Zuschauer aus Israel und Südafrika von RTL Television verabschieden und sich deshalb mit RTL International zufrieden geben müssen, habe ebenfalls lizenzrechtliche Gründe, die der Sender allerdings nicht weiter erläutert. Die Umstellung auf RTL International sei „alternativlos“ gewesen. „Durch technische Änderungen vom Satelliten-Betreiber am übertragenden Satelliten ist RTL in wenigen Wochen überhaupt nicht mehr in Israel zu empfangen“, heißt es aus Köln.

„Dieser Beitrag steht ihn ihrem Land leider nicht zur Verfügung“

Mit dem Konzept von RTL International will das Unternehmen im Ausland lebende Deutsche und Touristen erreichen und über das aktuelle Geschehen in Deutschland informieren, hieß es zum Start. Großer Bestandteil des International-Programms ist neben der eigenen Fiction auch das Material der RTL-Tochter InfoNetwork, die Nachrichtensendungen wie „RTL aktuell“, das „Nachtjournal“, „Guten Morgen Deutschland“ und „Punkt 12“ produziert. In Südafrika und Israel ist man nun vor allem über die Art der Programmierung überrascht. So läuft „Guten Morgen Deutschland“ beispielsweise nicht nur in den Morgenstunden, sondern auch noch einmal im Nachmittagsprogramm. Die Mittagssendung „Punkt 12“ läuft dann nochmal am späten Abend (in Israel gegen 23 Uhr Ortszeit). „Wer möchte schon abends Guten Morgen Deutschland sehen und um Mitternacht Punkt 12?“, fragt eine Zuschauerin.

Problem ist hier eine Programmierung für unterschiedliche Zeitzonen. Während die Zuschauer aus Israel und Südafrika nah an der Zeitzone Deutschlands liegen (+1 MEZ) und deshalb ohne großen Zeitverzug das Nachrichtenprogramm sehen, wurde für Länder in anderen Zeitzonen (Kanada -8 MEZ, Australien +8 MEZ) Wiederholungen programmiert. Wenn in Australien morgens „Guten Morgen Deutschland“ (nicht live) ausgestrahlt wird, bedeutet das für Israel eine Wiederholung am späten Abend. RTL dazu: „Bei der Programmierung des Senders muss man verstehen, dass wir Zuschauern in der ganzen Welt gerecht werden müssen. Wir bemühen uns, alle Zeitzonen zu berücksichtigen und somit den Bedürfnissen von so vielen Zuschauern wie möglich gerecht zu werden.“ Und weiter: „So begrüßen z.B. viele Zuschauer in Nordamerika und Australien ausdrücklich die Wiederholung des Mittagsmagazin ‚Punkt12‘, denn so erfahren auch sie zeitnah, was in Deutschland passiert. Das gleiche gilt für die Regionalprogramme. Menschen, die aus dem Norden Deutschlands ins Ausland gezogen sind, freuen sich beispielsweise sehr über unsere Regionalprogramme aus dem Norden.“ Die Regionalprogramme, die RTL für Norddeutschland, Nordrhein-Westfalen und Hessen produziert, sendet RTL International hintereinander weg.

Für noch größere Verärgerung sorgt, dass diese Programme teilweise nicht komplett gezeigt werden. Auch in den Nachrichten bricht das Bild für gewisse Sequenzen immer wieder ab. Zuschauer können dann fernhören, aber nicht mehr fernsehen und bekommen stattdessen folgenden Hinweis eingeblendet:

Dieser Beitrag steht in diesem Land leider nicht zur Verfügung. Wir sind aber gleich wieder für sie da

RTL erklärt: „Wir können durchaus verstehen, dass die Zuschauer enttäuscht sind, wenn sie innerhalb einer Sendung, wie beispielsweise ‚Punkt 12‘, einen Beitrag nicht sehen können. Das hat lizenzrechtliche Gründe, die insbesondere die Sportberichterstattung betreffen. Auch hierfür ist ein komplizierter und aufwendiger Erwerb von Rechten erforderlich, an dem bei RTL mit Nachdruck gearbeitet wird, um das Programm kontinuierlich zu erweitern und zu verbessern. Ziel ist es, die kleinen Unterbrechungen auf ein absolutes Minimum zu reduzieren.“

Eigenen Aussagen zufolge erhält RTL kritische Rückmeldungen vor allem aus Südafrika. „Wir nehmen die Kritik sehr ernst. Wir haben eine ausführliche Stellungnahme zu der Umstellung abgegeben. Außerdem erklären wir die Umstellung, indem wir eingehende Mails von Zuschauern zu dem Thema beantworten.“ Im Netz wird deutlich, dass sich die Beschwerdeführer damit nicht zufrieden geben. Bei Facebook haben sich bislang etwas über 100 Unzufriedene in der geschlossenen Gruppe „RTL International, Nein danke“ zusammengetan und tauschen ihre Erfahrungen aus. Der Tenor: Auf kurz oder lang will man sich von RTL International verabschieden. Seitens RTL dürfte das sicher enttäuschen. Doch ist im Gegenzug der Gewinn durch Zuschauer, die zuvor kein RTL sehen konnten, vermutlich größer als der Verlust. „RTL Television war außerhalb Europas im Wesentlichen nur in Israel und im südlichen Afrika empfangbar. RTL International ist weltweit zu sehen und baut die Empfangbarkeit sukzessive aus. So können auch Auslandsdeutsche und deutschsprachige Touristen in Kanada, USA, Australien und anderen Ländern RTL-Inhalte schauen. Die Nachfrage von Plattformen mit Hotelkunden oder auch von Hotels direkt nach aus sehr beliebten Reisezielen von Deutschen (darunter Ägypten oder Mauritius) ist sehr gut. Touristen in diesen Ländern können somit erstmalig RTL-Inhalte sehen und müssen darauf während ihrer Ferien nicht mehr verzichten.“

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Alle Kommentare

  1. Rtl ist nicht das,was es einmal war. Wer diese Sendung konzipiert hat,scheint nie im Ausland gelebt zu haben. Diese Serien wie z.B. Good bye Deutschland ist ein nicht nachvollziehbarer Bericht. Wie kann man sich mit Haus und Hof aus Deutschland verabschieden ohne Aufenthaltsgenehmigung und Arbeitsgebehmigung fuer das Gastland. Das ist doch ‚blauaeugig‘ und kann nur als schlechtes Beispiel dienen. Aber auch die
    Übrigen Sendungen Befriedigung den Zuschauer nicht. Betrachten Sie dieses RTL international als gut Gemeinten Versuch und bringen das alte RTL zurueck

  2. Ich wohne in frankreich und habe ueber satelit rtl. Nun ziehe ich um und kann nur noch rtl international ueber meinen anbieter bekommen.
    Ich finde es sehr schade das ich mein geliebtes rtl nicht mehr empfangen kann.
    Und ich bin leider nicht die einzigste.
    Bitte geben sie uns unser tolles rtl zurueck.

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