Ohne Worte: das schlaffe Pantomime-Interview des RND mit Maas-Männchen von der SPD

Heiko Maas wählt Antwort c): „Weiß nicht“
Heiko Maas wählt Antwort c): "Weiß nicht"

Publishing Da hatten sie beim Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) die Idee, das bekannte "Sagen Sie jetzt nichts!" Interview ohne Worte aus dem SZ-Magazin als Video-Format umzusetzen. Heraus kam das "Sprachlos in Berlin" Pantomime-Interview mit Bundesjustizsminister Heiko Maas (SPD). Und schon diese Folge zeigt, dass es keine sehr gute Idee war ...

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Und zwar keine gute Idee aus dreierlei Gründen:

1. Heiko Maas ist nicht lustig.

Der Justizminister steht wahlweise mit schlaff hängenden Schultern da und guckt bedröppelt. Oder er zuckt die Achseln und guckt bedröppelt. Für ein spontanes Video-Format ist Heiko Maas definitiv der falsche Mann. Tipp: Man muss als Politiker nicht jeden Quatsch mitmachen.

2. Das Format funktioniert nicht als Bewegtbild

Während die Redaktion des SZ-Magazin für die Print-Doppelseite „Interview ohne Worte“ eine lange Foto-Session macht, aus der dann die besten Bilder ausgewählt werden und Fragen und Fotos nachträglich aufeinander abgestimmt werden können, so dass alles sitzt, setzt das Pantomime-Interview des RND ganz auf die Spontanität des Politikers. Da wären vermutlich auch schlagfertigere Zeitgenossen als ein Heiko Mass überfordert.

3. Die Nicht-Marke „RND“

Das ganze läuft unter dem Label RND TV. RND steht für Redaktionsnetzwerk Deutschland, was die Zentralredaktion der Verlagsgruppe Madsack aus Hannover ist. Es ist eine seltsame Mode geworden, dass Zentralredaktionen immer häufiger als eigene Medienmarken in Erscheinung treten. In der „Tagesschau“ wird die „Funke Mediengruppe“ zitiert und nicht etwa die Westdeutsche Allgemeine Zeitung oder es wird das „Redaktionsnetzwerk Deutschland“ erwähnt und nicht etwa die Hannoversche Allgemeine. Oder eben der „Rechercheverbund SZ, WDR, NDR“, wobei hier die Original-Medienmarken wenigstens noch erkennbar sind. Was aus Marken- und Mediensicht der Vorteil dieser Strategie sein soll, erschließt sich nicht, zumal Mediennutzer kaum etwas mit den sperrigen Namen der Zentralredaktionen, Holdings oder Verbünde anzufangen wissen. Jetzt kommt bei Madsack mit „RND TV“ sogar noch Bewegtbild dazu und die Publikums-Verwirrung ist komplett.

Fast könnte man Heiko Maas bedauern, dass er für dieses misslungene Experiment in Sachen Markenführung herhalten musste. Aber auch nur fast. Man stelle sich das Video nur einmal statt mit Jazz-Gewummere mit der Titelmusik der „Dick & Doof“-Filme vor …

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Alle Kommentare

  1. Nur eine Frage, ist dies das Maximum an potentiell konfrontativen Themen, bei denen Meedia noch Kommentare zuläßt? Dies fördert auch nicht unbedingt die Glaubwürdigkeit, oder ist dies von „oben“ unerwünscht und zum Ausgleich dann Herr Maas?.

  2. Och, fand ich gar nicht mal schlecht. Diese dünnen Schultern, das zaghafte Lächeln, die traurig hochgestellten Augenbrauen, dazu trotz offenkundiger Müdigkeit keck blitzende Äuglein – das hat schon eine Markanz. Bisschen in Richtung Tati oder so.

  3. Lieber Kollege Winterbauer,
    schön knallig das Stück. Aber zu Sache: Wir haben mal etwas auprobiert. Dass es Ihnen nicht gefällt – geschenkt. Aber wie immer gilt: Versuch macht klug. 🙂

  4. Warum nicht mal was Neues probieren? Viel zu oft werden Formatideen (egal ob in Print oder TV) schon nach dem ersten Versuch vernichtend („ohne Worte“, „keine gute Idee“) statt konstruktiv kritisiert – und wenn’s eine schwache Redaktionsleitung ist auch sofort eingestellt. Folglich wird kaum irgendwo noch was ausprobiert, kaum ein Politiker traut sich noch, bei kreativen Ideen mitzumachen, so wie hier Herr Maas (Der seine Sache meiner Meinung nach gar nicht so schlecht macht – mir gefällt die Selbstironie! Warum muss er Ihrer Meinung nach „lustig“ sein?). Dann also immer weiter langweilige Standard-Interviews mit Standard-Formulierungen auf beiden Seiten? Das „RND TV“-Argument zieht für mich auch nicht: Neue Bewegtbild-Ideen nur noch von alteingesessenen Sendern wie RTL, ZDF und ARD?

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