„Man zeigt nicht das ganze Bild“: Ex-Redakteurin packt aus, wie es bei RT Deutsch zugeht

Lea Frings berichtet bei „Zapp“ über ihre Zeit bei RT Deutsch
Lea Frings berichtet bei "Zapp" über ihre Zeit bei RT Deutsch

Fernsehen In der vergangenen Woche widmete sich das Medienmagazin „Zapp“ der Glaubwürdigkeit der deutschen Presse. Dabei kam auch eine ehemalige RT-Deutsch-Redakteurin zu Wort, die betont, das sinkende Vertrauen in die Medien würde die Menschen in die Arme alternativer, oftmals rechtspopulistischer Angebote treiben. "Zapp" veröffentlichte nun das knapp 30-minütige Gespräch in voller Länge.

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Lea Frings war eines der Gesichter des umstrittenen russischen Auslandsfernsehens RT Deutsch. RT mit Sitz in Moskau hieß ursprünglich Russia Today und wird staatlich finanziert. Im April 2015 kündigte Frings – und spricht nun beim Medienmagazin „Zapp“ eine Warnung aus: RT Deutsch betreibe keinen echten Journalismus.

Ihre Motivation, dem Team von RT Deutsch beizutreten, sei aus einer Medienkritik erwachsen, erklärt sie in dem Interview. „Die sogenannten Mainstream-Medien haben sich in der Ukraine-Berichterstattung nicht mit Ruhm bekleckert.“ Informationen seien verschleiert worden und es habe Russland-Bashing stattgefunden.

In dem Angebot von RT Deutsch habe sie zunächst die Möglichkeit gesehen, „dem Journalismus in Deutschland einen neuen Impuls“ zu geben. Doch tatsächlich sei bei RT Deutsch das Gegenteil der Fall, sagt Frings. „Geschickte Propaganda wird immer sehr subtil gemacht. Man zeigt nicht das ganze Bild.“ Auch hier sei in der Ukraine-Berichterstattung vieles verschwiegen und dadurch Hetze betrieben worden. Auch habe sie sich von der Arbeitsweise des Senders distanzieren wollen. So seien beispielsweise Reporter zum LaGeSo gefahren und hätten Flüchtlinge mit einer geistigen Behinderung vor laufender Kamera als „minderbemittelt“ bezeichnet.

Zu Beginn habe es bei RT Deutsch sowohl linke als auch rechte Positionen gegeben. Das Programm sei ausgewogen gewesen, erklärt Lea Frings. Doch mittlerweile habe sich der Sender eindeutig für seine – rechte – Zielgruppe entschieden. RT Deutsch würde Rechtspopulisten interviewen und ohne Widerspruch reden lassen. „So etwas ist kein Journalismus““, klagt Lea Frings an. So seien beispielsweise Eva Herman und Christoph Hörstel regelmäßig als Gesprächspartner eingeladen worden, die dann von angeblichen Geheimplänen berichteten, mit denen Deutschland durch die Flüchtlingswelle vernichtet werden soll. „Man möchte fast lachen, aber diese Verschwörungstheorien sind außerordentlich gefährlich.“

Der Vertrauensverlust der Menschen in die deutsche Presse würde sie in die Arme der sogenannten alternativen Medien treiben, Medien wie Compact, Kopp oder eben RT Deutsch. „Sie glauben, dass sie sich dort eine alternative Meinung abholen können, die sie aber definitiv nicht bekommen“, warnt Frings. „Je unglaubwürdiger die deutsche Presse ist, desto mehr Klickzahlen wird RT Deutsch haben. Deswegen ist es absolut wichtig, dass deutsche Journalistinnen und Journalisten ihre Glaubwürdigkeit zurückgewinnen. Und dafür muss jeder einzelne von ihnen kämpfen.“

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