Social Media-Fiasko: Yelp feuert Mitarbeiterin Stunden nach kritischem Blogbeitrag – und erntet Shitstorm

Talia Jane und der Yelp-CEO Jeremy-Stoppelman
Talia Jane und der Yelp-CEO Jeremy-Stoppelman

Digital Economy Das Empfehlungsportal entließ am Wochenende eine Mitarbeiterin aus der Kundenbetreuung nach einem offenen Brief an CEO Jeremy Stoppelman, in dem diese ihre Entlohnung in scharfen Worten kritisierte. Sie habe kein Geld für Lebensmittel, weil 80 Prozent ihrer Einkünfte bereits für die Miete draufgingen, mahnte die Mitarbeiterin an – und erfuhr Stunden später von ihr Kündigung. Auf Twitter wird Stoppelman, der einen Zusammenhang bestreitet, gegrillt.

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Der einstige Silicon Valley-Liebling Jeremy Stoppelman hat eigentlich schon Probleme genug: Nach einem dramatischen Kurssturz in den vergangenen zwei Jahren hat sein Unternehmen Yelp mehr als 80 Prozent an Wert verloren – allein seit Jahresbeginn beträgt das Minus schon wieder 36 Prozent.  Yelp weist inzwischen nur noch einen Börsenwert von gerade mal einer Milliarde Dollar auf.

So weit, so schlecht. Nun bekommt Stoppelman auch noch öffentlich Ärger von einer Mitarbeiterin, die die Entlohnung des Empfehlungsportals stark anprangert. Beim Blognetzwerk Medium hat sich die Yelp-Mitarbeiterin Talia Jane in einem offenen Brief an ihren CEO den Frust von Seele geschrieben.

Schwere Vorwürfe wegen Unterbezahlung

„Lieber Jeremy“, beginnt die 25-jährige Talia Jane, die bei Yelps Restaurant-Empfehlungs-App Eat24 in der Kundenbetreuung arbeitete, ihr provokantes Schreiben, das an Details und ironischen Bemerkungen nicht arm ist. „Ich habe mir keine Lebensmittel gekauft, seit ich den Job begonnen habe. Nicht, weil ich faul bin, sondern weil ich mit einem zehn Pfund Sack Reis eingezogen bin, von dem ich gerade esse.“

Der Grund: Ein Gehalt von 733 Dollar nach Steuern alle zwei Wochen, von dem allerdings sofort 80 Prozent für die Miete (1245 Dollar) verschluckt werden, die bekanntermaßen in Umfeld des Silicon Valley sündhaft hoch ist. Der Rest, wer kennt das nicht, geht drauf für die Neben- und Fahrtkosten, schließlich wohnt Talia Jane 30 Kilometer vom Arbeitsplatz entfernt.

Es ist ein Problem, das so ziemlich jeder Jobeinsteiger nach der Universität kennt: Das erste Geld ist immer das am schwersten verdiente – besonders im Silicon Valley. Dass sich Talia Jane mit ihrer offenen Abrechnung mit Yelps Entlohnungsniveau keinen Gefallen getan hat, realisierte sie Stunden später: das Beschäftigungsverhältnis wurde von Yelps Personalabteilung umgehend aufgelöst.

Stoppelman setzt auf Twitter auf Deeskalation

Ob die um klare Worte nicht verlegene 25-Jährige das Ende nicht ohnehin erwartet hatte, ist unklar. Fest steht dagegen, dass Thalia ihren Coup auf Twitter maximal ausschlachtete und schnell zum Trending Topic wurde.

Yelp-CEO Jeremy Stoppelman sah sich umgehend zur üblichen Taktik genötigt, die die PR-Branche in der Krisenkommunikation so gerne bemüht: Deeskalation. In gleich fünf Tweets versuchte Stoppelman der Kündigungs-Affäre den Wind aus den Segeln zu nehmen: Ja, die Lebenshaltungskosten in San Francisco sind zu hoch, nein, er habe trotzdem nichts mit der Kündigung Thalia Janes zu tun:

Was Twitter-Nutzer Stoppelman in der Form natürlich nicht abkauften:

„Es gibt immer zwei Seiten zu jeder HR-Geschichte, also nehmt bitte die Heugabeln herunter, Twitter-Armee“, twitterte der Yelp-CEO wenig später sichtlich beeindruckt und hatte dann doch noch einen Lösungsvorschlag parat: Das nächste Call Center für Eat24 soll in Arizona entstehen.

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Alle Kommentare

  1. Mal ehrlich… Lest euch den gesamten Originalbeitrag (und einige Kommentare dazu) durch. Dann entsteht durchaus ein anderer Eindruck.
    Welcher Mitarbeiter in Deutschland rechnet realistisch damit, sich bei einem schlecht bezahltem Job eine eigene Wohnung von $1200 im Monat leisten zu können? Gerade in der „Bay Area“ gibt es dazu sehr, sehr viele kreative Alternativen wie WGs, die die Kosten abfedern.
    Ach ja – die Krankenversicherung war auch frei als „Benefit“ enthalten, die alleine kostet in den USA einiges, wenn der Arbeitgeber nicht einspringt.
    Die Kündigung – egal ob wegen des Beitrags oder nicht – wäre hier sicher auch erfolgt. Wer öffentlich den Arbeitgeber mies redet, noch dazu im Internet, fliegt – Stichwort „zerrüttetes Vertrauensverhältnis“.

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