Sendezeit gegen Kohle? Ex-NDR-Redakteur wegen Bestechlichkeit und Betrugs vor Gericht

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Ein früherer Redakteur des Norddeutschen Rundfunks (NDR) in Kiel muss sich wegen gewerbsmäßiger Bestechlichkeit und Betrugs vor Gericht verantworten. Beim Prozessauftakt am Donnerstag legte ihm die Staatsanwaltschaft insgesamt 69 Fällen zur Last. Der 62-Jährige habe sich von 2005 bis 2010 über seine Arbeit im öffentlich-rechtlichen Sender persönlich bereichert und insgesamt rund 280 000 Euro kassiert, sagte Anklagevertreter Bijan Nowrousian.

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Das Geld hätten er und seine Frau für einen luxuriösen Lebensstil genutzt. Der Prozess wird am 2. März (9.00 Uhr) fortgesetzt. Ein Urteil wird spätestens am 16. März erwartet.

Laut Anklage hatte der Journalist als Medienberater Firmen und Unternehmen vorgegaukelt, er könne sie im Programm des Senders platzieren. Tatsächlich habe er das aber nie vorgehabt, sagte der Staatsanwalt. Zudem habe der Angeklagte politische Interna an Auftraggeber weitergereicht, von denen er nur als politischer Redakteur Kenntnis erlangt habe.

Der 62-Jährige Medienberater, dem auch Erschleichen von Arbeitslosengeld und einem Gründerförderungszuschuss sowie versuchter Prozessbetrug vorgeworfen werden, räumte über seine Verteidigerin Fehler ein. Dem Eingeständnis ging eine Verständigung zwischen Gericht, Staatsanwalt und Verteidigung über eine Bewährungsstrafe von maximal zwei Jahren bei einem «werthaltigen Geständnis» voraus.

Seiner fristlosen Entlassung durch den NDR war der damalige Politikredakteur 2010 mit seiner Kündigung zuvorgekommen. Der NDR stellte bei einer Prüfung fest, dass der Angeklagte zwar keine Berichte manipuliert habe. Seinem damaligen Arbeitgeber habe er damals allerdings eingestanden, dass er bei seinen Aufraggebern den Eindruck erweckt haben könnte, «dass Berichterstattung käuflich sei».

Seine Nebentätigkeiten wickelte der Journalist formal über die Medienberatungsagentur seiner Frau und eines langjährigen Freundes ab. Sein Name tauchte laut Anklage in den Verträgen nicht auf. Die vereinbarten Honorare flossen auf das Konto seiner Frau. Das Verfahren gegen sie wurde gegen eine Zahlung von 15 000 Euro vorläufig eingestellt. Sie haftet allerdings mit ihrem Vermögen und soll mit ihrem Mann 170 000 Euro Gewinnabschöpfung zahlen.

Der Vorsitzende des Deutschen Journalisten-Verbandes Schleswig-Holstein, Günther Jesumann, warf dem Ex-NDR-Kollegen vor, dem „Journalismus einen Bärendienst erwiesen“ zu haben. „Er hat seinen Kunden glaubhaft gemacht, journalistische Inhalte seien kaufbar“, berichtet die SHZ vom Rande des Verfahrens.

Mit Material der dpa

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Alle Kommentare

  1. Gab es da vor nicht allzu langer Zeit einen ähnlich gelagerten Fall? Der Fisch beginnt am Kopf zu stinken, wenn zuviel die Wahrheit verbogen wird und die Gebührenzahler hinteres Licht geführt werden, darf man sich nicht wundern, wenn die Moral der Beschäftigten ebenfalls sinkt. Irgendwie passt dies zum Gesamtkunstwerk.

  2. 280 000 Euro Gewinn.
    Aber am Ende nur 170 000 Euro Zurückzahlung (Gewinnabschöpfung)

    Ich glaube mein Schwein pfeift. Betrug lohnt sich also immer . Es bleibt immer genug bei dem Betrüger hängen.
    Das ist staatlich verordneter Betrug.
    Richtig wäre 280 000 Euro an die Staatskasse plus Strafe von 1/2 der erpressten Gelder. Also 420 000 an die Staatskasse. Ansonsten Straflager.

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