Heinz Bauer regelt sein Erbe: Verleger gründet neue Gesellschaft in Luxemburg

Heinz Bauer, Tochter und Nachfolgerin Yvonne: neue Firmenkonstruktion verhindert gemischten Aufsichtsrat
Heinz Bauer, Tochter und Nachfolgerin Yvonne: neue Firmenkonstruktion verhindert gemischten Aufsichtsrat

Publishing Vor Jahren sorgte der Unternehmenspatriarch Heinz Bauer bereits für seine Nachfolge im Unternehmen vor. Er erhob Yvonne Bauer, seine zweitjüngste Tochter, zur neuen Herrin über das weltweit verzweigte Hamburger Medienreich. Jetzt sorgt Heinz Bauer weiter vor. Er gründet eine neue HB GmbH – ausgerechnet in der Steueroase Luxemburg. Und das hat einen ganz bestimmten Grund.

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Von Gregory Lipinski

Seit Tagen steht der Berliner Medienkonzern Axel Springer Kopf. Öffentlich ist von einem Streit über die Pläne der Mehrheitsaktionärin Friede Springer im Unternehmen die Rede, die ihr Aktienvermögen in eine Stiftung einbringen will. Vorstand und Teile des Aufsichtsrats hingegen sollen von dem Vorstellungen der Erbin des Vermögens des Verlagsgründers Axel Cäsar Springer wenig angetan sein. Sie sehen die Zukunft des Springer-Konzerns eher in der Rechtsform einer Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA). Kurzerhand wurde vergangene Woche die bereits lang eingefädelte Umwandlung in eine SE abgeblasen.

Fast unbemerkt der Medienöffentlichkeit hingegen regelt der Verleger Heinz Bauer sein Erbe weiter. Bereits vor Jahren hatte er seiner zweitjüngsten Tochter Yvonne Bauer zur Herrin über des 1875 gegründeten Medienhauses gemacht, zu dem weltweit 600 Zeitschriften in 20 Ländern gehören. Jetzt gründete der Firmenpatriarch eine HB GmbH – ausgerechnet in dem als Steueroase geltenden Luxemburg. „Die neu gegründete Gesellschaft in Luxemburg soll die Kontinuität, die Flexibilität und die schnelle Entscheidungsfähigkeit unseres Familienunternehmens gewährleisten“, heißt es hierzu bei Bauer Media auf eine meedia-Anfrage.

Doch was sind die Motive hinter der neuen Firmenkonstruktion? Dass der milliardenschwere Konzern mit Massentiteln wie Closer oder Bravo über die neue Gesellschaft Steuervorteile im Ausland erzielen will, wiegelt ein Sprecher des Unternehmens ab. Auch Befürchtungen, dass das Familienunternehmen seine Zelte in Deutschland abbricht, weist das Unternehmen postwendend zurück. Es sei nicht geplant, die Heinrich Bauer Verlag KG, Muttergesellschaft der Bauer Media Group, zu verlagern. Der Standort der KG bleibe unverändert Hamburg, heißt es.

Vielmehr geht es Heinz Bauer um ein viel wichtigeres Thema: Die neue HB GmbH sei lediglich ein weiterer Komplementär der Heinrich Bauer Verlag KG, neben Heinz Bauer. Die Heinrich Bauer Verlag KG ist die Muttergesellschaft der Bauer Media Group. Perspektivisch könne sich diese Rechtsform einer reinen KG nach dem Tod von Heinz Bauer verändern. Eine denkbare Option wäre eine GmbH & Co. KG, heißt es in Unternehmenskreisen.

In diesem Fall will der Verleger aber partout vermeiden, dass seine Tochter Yvonne im Falle seines Ablebens einen Aufsichtsrat gründen müsste, der zur Hälfte von Arbeitnehmer-Vertretern dominiert wird. Die Firmenchefin müsste dann ihre verlegerischen Interessen mit Arbeitnehmervertreter abstimmen.

Das wäre aber ein Unding im Hause Bauer, gilt doch das Medienhaus nicht gerade als ein Freund von Betriebsräten. „Die Gesellschaft wurde in Luxemburg gegründet, um auch zukünftig keinen Aufsichtsrat einführen zu müssen“, begründet der Verlag daher die Maßnahme. „Das würde den Charakter und damit den wesentlichen Erfolgsfaktor unseres familiengeführten Unternehmens massiv verändern, Entscheidungsprozesse innerhalb des Unternehmens enorm verlangsamen und die Bauer Media Group in der Folge in ihrer unternehmerischen Freiheit sowie Flexibilität über Maßen einschränken“, erklärt eine Konzernsprecherin.

Der Verleger Heinz Bauer mit seiner neu gründeten HB GmbH ist nicht das einzige bekannte Unternehmen in der Medienbranche, das sich mit einer Gesellschaft in Luxemburg von Arbeitnehmer-Interessen befreit. Auch die zum Gütersloher Medienriesen Bertelsmann (Gruner + Jahr, Arvato) gehörende Sender-Gruppe RTL Group hat hier ihren Firmensitz. Sie hat einen Verwaltungsrat, der ebenfalls nicht mit Arbeitnehmervertretern besetzt ist. Historisch gesehen ist Luxemburg seit jeher Sitz der RTL Group.

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