„Gehalt eines Zimmermädchens“: Autoren wehren sich gegen Verlegerbeteiligung an Urheberabgabe

VG Wort: Autoren wehren sich gegen die Verlegerbeteiligung
VG Wort: Autoren wehren sich gegen die Verlegerbeteiligung

Publishing Mehr als 70 Autoren protestieren in einem offenen Brief gegen die Pläne der Bundesregierung, Verleger weiterhin an der Urheberabgabe zu beteiligen. Die Unterzeichner fordern, die Tantieme in Zukunft komplett an die Autoren auszuzahlen. Zu den Erstunterzeichnern gehören unter anderen Daniel Kehlmann, Julia Franck, Eva Menasse, Navid Kermani, Bastian Sick und Andreas Eschbach.

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„Sehr geehrter Herr Minister Maas, unlängst haben Sie erklärt, die Bundesregierung wolle die Verlage künftig wieder an der Urheberpauschale beteiligen. Wir haben uns über Ihre Äußerung gewundert. Sie steht in krassem Widerspruch zum Ziel der Bundesregierung, die Rechte der Autoren zu stärken“, heißt es in dem offenen Brief. Autoren seien keine Großverdiener. 2015 habe ihr Durchschnittseinkommen 19.061 Euro betragen, was in etwa dem Jahresgehalt eines Zimmermädchens entsprechen. „Selbst „Bestsellerautoren“ können von ihrer Arbeit oft nicht leben. Deshalb ist der jährliche Scheck der VG Wort für Autoren so wichtig“, schreiben die Autoren.

Hintergrund des offenen Briefes sind mehrere Urteile, in denen unter anderem das OLG München und der Europäische Gerichtshof entschieden hatten, nur Autoren dürften Mittel aus von Verwertungsgesellschaften eingesammelten Urheberpauschalen erhalten — Verlage seien keine Urheber und folglich ausgeschlossen. In den vergangenen 15 Jahren waren von der Verwertungsgesellschaft Wort über 500 Millionen Euro aus Urhebertantiemen an die Verlage ausgeschüttet worden, anscheinend ohne Rechtsgrundlage.

In ihrem Brief greifen die Autoren Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) an, weil dieser den Verlagen bereits vor einem noch ausstehenden Entscheid des Bundesgerichtshofes eine zukünftige Beteiligung an der Urheberpauschale versprochen hat. Maas hatte kürzlich auf dem Urheberkongress in Berlin gesagt, die Verlegerbeteiligung solle auf jeden Fall Bestand haben.

Die Unterzeichner kritisieren, dies sei „rechtspolitisch ein verheerendes Signal“. „Das ist .. wie wenn jemand den Fiskus betrügt und man ihn dafür belohnt. Und zwar nicht nur, indem man ihm jegliche Strafe erlässt. Sondern indem man zusätzlich eine Regelung schafft, die legalisiert, was zuvor illegal war“, heißt es in dem Schreiben. Aufgrund der fehlerhaften Ausschüttungen durch die VG Wort hätten Schriftsteller und Journalisten jahrelang „unfreiwillig die Verlage subventioniert“.

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