Auflagen, Umsätze, Leser und User: die großen Herausforderungen der Cicero-Macher

Neue Cicero-Eigentümer: Alexander Marguier (l.) und Christoph Schwenicke
Neue Cicero-Eigentümer: Alexander Marguier (l.) und Christoph Schwenicke

Publishing "Christoph Schwennicke und Alexander Marguier übernehmen Cicero und Monopol von Ringier" - eine Meldung, die am Mittwoch für Aufsehen in der Branche gesorgt hat. "Mutig" ist wohl das Wort, das am häufigsten im Zusammenhang mit dem Deal zu hören ist. Ein genauer Blick auf die Zahlen von IVW, MA, Nielsen und anderen beweist: Die Macher stehen vor großen Herausforderungen.

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Fast zwei Millionen Euro Verlust machten die beiden Magazine Cicero und Monopol laut Horizont zuletzt pro Jahr. Ringier hat den Machern nun sogar eine Anschubfinanzierung gegeben, um sich von den beiden Titeln zu trennen. Um in die schwarzen Zahlen zu kommen, setzen die neuen Besitzer Christoph Schwennicke und Alexander Marguier auf einen Sparkurs und den neuen Vermarkter iq media marketing. Gespart wird u.a. beim Personal: Aus 38 Mitarbeitern werden „knapp mehr als 20“, so Schwennicke zum Horizont.

Der Blick auf die Auflagen, Werbeumsätze, Nutzer- und Leserzahlen von Cicero zeigt, dass die jüngsten Jahre nicht einfach für die Macher waren:

84.233 Exemplare werden von dem Debattenmagazin derzeit pro Ausgabe abgesetzt (IVW IV/2015). Allerdings: Nur 26.522 dieser Hefte gehen an Abonnenten und ganze 9.634 werden im Einzelhandel verkauft. Die große Mehrheit der verkauften Auflage wechselt hingegen als Bordexemplar (21.205), Lesezirkel (9.595) oder sonstiger Verkauf (17.277) den Besitzer. Die Zahl der Abonnenten stagniert seit rund sechs Jahren und pendelt rund um die 26.000er-Marke. Die Zahl der Einzelverkäufe, der Exemplare also, die in Zeitschriftenläden, Kiosken, Supermärkten, etc. verkauft werden, ist sogar rückläufig. Bis 2009 lag sie meist noch bei über 15.000 Exemplaren, inzwischen seit fünf Quartalen ununterbrochen unter der 10.000er-Marke.

Vorteil der hohen Zahlen bei Bordexemplaren und Lesezirkeln: Cicero erreicht viele Leser. So stellte das Magazin laut Allensbacher Markt- und Werbeträgeranalyse (AWA) im Jahr 2015 mit 460.000 Lesern pro Ausgabe sogar einen neuen Rekord auf. 107.000 der Leser sind laut Leseranalyse Entscheidungsträger in Wirtschaft und Verwaltung (LAE) Entscheider. Das entspricht allerdings einem Minus von 15.000 gegenüber dem Vorjahr.

Egal, wie man zu den per Umfragen ermittelten Leserzahlen aus AWA und LAE steht – sie messen eher die Popularität einer Medienmarke als die tatsächlichen Konsumenten eines Mediums – bei Cicero haben die steigenden Zahlen in der jüngeren Vergangenheit nicht für steigende Anzeigenerlöse gesorgt. Laut Nielsen schrumpfte der Brutto-Werbeumsatz von Cicero seit 2009 von 5,3 Mio. Euro pro Jahr auf 4,1 Mio. Ein Rückgang, der mit verantwortlich für das 2-Mio.-Minus des Verlags sein dürfte. Nun soll es also wieder die iq media marketing richten, die Cicero schon bis 2009 vermarktet hat und dabei steigende Umsätze erzielt hatte. Ob das auch 2016 wieder gelingt?

Vermarkten wird die iq auch das Online-Angebot von Cicero. Hier erreichte man laut IVW im Januar 1,5 Mio. Visits. Das ist ein neuer Rekord für Cicero.de, im Vergleich zum Vorjahr verdoppelte man die Zahl der Visits beinahe. Tatsächlich hatte Cicero bis zum Januar sogar noch nie die Mio.-Marke übersprungen – und nun gleich so deutlich. Ein bedeutende Rolle für die aktuelle Stärke spielen die sozialen Medien. Mit 166.574 Likes und Shares für die Cicero.de-Artikel bei Facebook, Twitter und Google+ gehörte das Magazin im Januar sogar zu den 100 Likemedien von 10000 Flies. Das sind die 100 Medien, die mit ihren Inhalten im deutschsprachigen Raum den größten Erfolg bei Facebook & Co. haben. Immerhin fast 50.000 Facebook-Nutzer haben zudem den Like-Button der Cicero-Facebook-Page geklickt. Sollen bedeutende Online-Umsätze fließen, muss Cicero.de allerdings noch ein ganzes Stück weiter wachsen. 1,5 Mio. Visits dürften da noch nicht ausreichen.

Erfolgreich mit seinen Artikeln ist Cicero auch bei Blendle. Des Öfteren platzieren sich Stücke des Magazins unter den zehn meistverkauften der Woche. Dreimal schaffte man es bis auf Platz 3. Allerdings sind auch diese Umsätze noch klein, ob sie irgendwann mithelfen können, die 2-Mio.-Lücke zu schließen, bleibt abzuwarten. Klar ist aber: Die im Gegensatz zu Print aufsteigende Tendenz bei Online, Social Media und Blendle dürfte die Macher bestärken. Die Marke Cicero lebt. Nun muss sich das nur noch in wachsenden Umsätzen niederschlagen.

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Alle Kommentare

  1. Super Magazin,

    das einzige noch existierende Medium, dass sich traut die Wahrheit zu sagen.

    Bitte bleibt existieren, sonst geht es mit dieser Republik demnächst völlig bergab und eine neue DDR entsteht.

    MfG

  2. Zahlen zu Monopol wären auch schön gewesen. Im Artikel lese ich nur immer Cicero. Der nicht gedeckte Fehlbetrag soll laut Bundesanzeiger sogar bei 9,7 Millionen EUR gelegen haben (2013).
    Vielleicht könnt ihr noch zu Monopol was nachschieben – wäre interessant.

    1. Zahlen zu Monopol gibt es leider kaum: Monopol meldet seine verkaufte Auflage nicht der IVW, Nielsen zählt nicht den Brutto-Werbeumsatz und auch bei MA, AWA & Co. gibt es kein Monopol. Einzige Info: Die Druckauflage liegt bei 40.000 – wie viele davon jedoch verkauft werden, ist nicht bekannt. Immerhin gibt es aktuelle Online-Zahlen: 178.491 Visits (Januar 2016) sind allerdings ein recht überschaubarer Wert.

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