Paid Content Summit: Springer sieht Bezahl-Inhalte weltweit auf dem Vormarsch (aber Zweifel bleiben)

Stefan Betzold, Managing Director BILD Digital
Stefan Betzold, Managing Director BILD Digital

Digital Economy In Berlin hielt Axel Springer gestern und heute zum dritten Mal den "International Paid Content Summit" mit Teilnehmern u.a. von Financial Times, Wall Street Journal, Le Monde oder Aftonbladet ab. Die Zeit will online im Herbst Bezahlinhalte einführen, beim Spiegel soll es in einigen Wochen soweit sein. Das Thema Paid Content elektrisiert nach wie vor die Verlage. Für echte Euphorie ist es aber zu früh.

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„80 Spezialisten aus führenden Verlagen und Redaktionen von 30 Medienmarken in 15 Ländern“ haben sich laut Axel Springer in Berlin getroffen, um auf Einladung von Springers Bild über Paid Content zu diskutieren und auszutauschen. Stefan Betzold, Managing Director Bild Digital ist naturgemäß begeistert: „Die Veranstaltung dieses Jahr zeigt, dass sich Bezahlmodelle mittlerweile etabliert haben. Es geht jetzt um die Optimierung: etwa die Bedeutung von Distributed Content für die Bezahlstrategien und die Nutzung von Daten. Paid Content ist deshalb nicht nur ein Bezahlangebot, sondern international Treiber des Qualitätsjournalismus.“

Um diese Aussage zu untermauern wurde unter den Teilnehmern auch eine Umfrage durchgeführt, die genau das Ergebnis brachte, das sich Paid Content-Befürworter wünschen:

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Das ist jetzt nicht sonderlich überraschend, denn der Medienkonzern Axel Springer hat Paid Content ja als eine tragende Säule der Unternehmensstrategie ausgerufen. Dass man dann auf eigener Konferenz zum Ergebnis kommt, dass alles supergut läuft, gehört zum (PR)Geschäft. Vor allem bei Bild Plus, dem Bezahlmodell von Springers größter Medienmarke wird mittlerweile sehr stark auf Paid Content gesetzt. Und Bild Plus ist auch das einzige Beispiel in Deutschland, bei dem Paid Content in der Masse anzukommen scheint. Laut IVW gab es im Januar 2016 über 315.000 bezahlte Bild Plus Abos. Selbst wenn ein erklecklicher Teil davon rabattiert sein sollte: Es wird dafür bezahlt. Das ist schon ein Erfolg.

Aber nicht jedes Medium hat die Möglichkeiten der Bild. Vergangene Woche zog die Koblenzer Rhein-Zeitung ihre Paid-Content-Bilanz nach einem Jahr harter Paywall. Die Rhein-Zeitung hat den Schritt gewagt, ihre Online-Inhalte komplett nur noch zahlenden Lesern anzubieten. Das Ergebnis: Der Umsatz mit Bezahl-Inhalten stieg um 44,1% auf 864.084 Euro innerhalb eines Jahres. Die Visits sanken um 21%, die Online-Werbe-Umsätze nur um 12% auf 1,162 Mio. Euro. In Summe verzeichnete die Rhein-Zeitung einen Anstieg der Digital-Erlöse um 5,1% auf 2,027 Mio. Euro innerhalb eines Jahres. Online-Redakteur Marcus Schwarze schrieb dazu im Redaktionsblog der Rhein-Zeitung: „Damit finanziert man noch keine 140 Redakteure starke Redaktion. Aber für ein paar Online-Spezialisten, Server und Laptops kommt schon mal Geld zusammen. Wenn man dann noch weiß, dass bei der Rhein-Zeitung immer mehr Kollegen in die Lage versetzt werden, die digitalen Kanäle live und schnell zu bedienen, kann man mit der Entwicklung eigentlich sehr zufrieden sein. Und das sind wir!“

In der Tat sind Zahlen wie jene von der Bild und der Rhein-Zeitung vorsichtig ermutigend. All dies kann aber nicht verdecken, dass es immer noch die Print-Erlöse sind, die die großen Medien-Apparate weitgehend finanzieren. Von speziellen Ausnahmen wie einem globalen Wirtschaftsmedium wie der Financial Times abgesehen. Springer und die Rhein-Zeitung zählen mit ihrer vergleichsweisen Transparenz in Sachen Paid Content auch noch zu den absoluten Ausnahmen im Mediensektor. Die allermeisten Häuser halten ihre Paid Content-Zahlen lieber unter Verschluss. Vermutlich nicht, weil sie so rasend erfolgreich sind. Es bleibt die Angst, dass die digitalen Umsätze nicht schnell genug oder überhaupt nicht so groß werden, dass die Medienhäuser ihre bestehenden Apparate weiter finanzieren können. Die Lousy Pennies, die man laut Verleger Hubert Burda im Internet verdient, sind zwar mehr geworden. Ob das am Ende ausreicht, ist nach wie vor die große Frage.

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