„Soll Springer etwa eine Zockerbude werden?“ Ex-CEO Jürgen Richter zum Stiftungsstreit im Konzern

Jürgen Richter (Springer-Vorstandschef von 1994 bis 1998), Verleger-Witwe Friede Springer
Jürgen Richter (Springer-Vorstandschef von 1994 bis 1998), Verleger-Witwe Friede Springer

Publishing Im Springer-Konzern ist zwischen Vorstand und Aufsichtsrat ein Streit über die Zukunft des Berliner Medienkonzerns entbrannt. Mehrheitsaktionärin Friede Springer will ihr Vermögen in eine Stiftung einbringen. Von diesem Plan ist der Vorstand um CEO Mathias Döpfner wenig angetan. Nun meldet sich Ex-Vorstandschef Jürgen Richter zu Wort – mit kritischen Anmerkungen zum Kurs des Unternehmens.

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Von Gregory Lipinski

Herr Richter, Friede Springer, Mehrheitsaktionärin der Axel Springer SE, will ihr Vermögen in eine Stiftung einbringen. Warum plant Sie Ihrer Meinung nach einen solchen Schritt?
Friede Springer war immer an einer Stiftung interessiert und insofern ist sie sich treu geblieben. Bei der Frage der Rechtsform geht es auch um die Identität des Verlages; ich glaube, sie vertritt hier eher eine bewahrende Linie, ganz im Sinne ihres Mannes und damit auch bewusst in der Verantwortung des Erbes. Nach den vielen Ver- und Ankäufen in den letzten Jahren, die eher an Portfoliomanagement erinnern, wollte sie vielleicht ein Signal für die Unternehmensphilosophie des Hauses Axel Springer geben.

Der Vorstand und Teile des Aufsichtsrats sind von den Stiftungsplänen wenig angetan. Was ist Ihrer Meinung nach der Grund?
Ich weiß zu wenig über die tatsächlichen Verhältnisse im Aufsichtsrat. Aus der Sicht des unbeteiligten Betrachters können sich zwei Gründe ergeben: Diskussionen über die Frage der zukünftigen Entwicklung auf der einen und machtpolitische Erwägungen auf der anderen Seite. Natürlich sieht sich der derzeitige CEO möglicherweise selbst in einer Nachfolgeposition für die unbestrittene letzte Kompetenz; da müssen mögliche Rivalen schon im Vorwege geschwächt werden. Daher folgendes: Ich kann dem Hause Springer nur wünschen, dass es noch viele Jahr auf Friede Springer und deren kluge Einflussnahme vertraut.

Ist Axel Springer mit einer Stiftungslösung langfristig in der Lage, im weltweiten Mediengeschäft zu wachsen?
Hier muss man sich fragen, ob es überhaupt erstrebenswert ist, global tätig zu werden. Die Wurzeln von Springer liegen in Deutschland – auch in der gesellschaftspolitischen Bedeutung. Will man wirklich ein Player werden und austauschbar mit ständigen An- und Verkäufen ohne „jede Seele“ im übertragenen Sinne? Ein Medienhaus ist ja – wie schon oft zitiert – keine Schraubenfabrik.

Wird die Kapitalbeschaffung für Axel Springer nicht schwieriger, wenn Friede Springer ihr Aktienvermögen an dem Medienhaus in eine Stiftung einbringt?
Das sehe ich nicht; außerdem hängt dieses auch von der weiteren unternehmerischen Zielsetzung ab. Es muss natürlich vorab geklärt werden, ob die vorgesehene Stiftungsverfassung sich in die derzeitig gültigen Compliance Regeln einfügt.

Nimmt Friede Springer durch eine Stiftungskonstruktion den Anlegern an der Börse nicht jedwede Kursfantasie?
Was heißt hier „Kursfantasie“? Soll Springer etwa eine Zockerbude werden, nur weil es gerade Mode ist, finanzielle Vorteile für Partikularinteressen über besondere Konstruktionen zu schaffen?

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Alle Kommentare

  1. Eine Stiftung für den ASV würde eine bis auf alle Ewigkeiten in Beton (*) gegossene BILD-Zeitung für Deutschland bedeuten. Ein Studium des derzeitigen Aufsichtsrates der Friede Springer Stiftung offenbart allerdings (k)eine ausgewogene Einflußnahme auf demokratische Meinungsbildungsprozesse..
    Interessant wäre, zu erfahren, welche Scharnierrolle Prof. Sauer dort übernommen hat. Einen Position für seine Gattin ist naheliegend, zuminest nicht abwägig.

    (*Anmerkung): Eine in Beton gegossene BILD-Zeitung könnte allerdings trotzdem im Fortschritt der Medien-Digitalisierung untergehen und für Endverbraucher an Relevanz verlieren. In ein paar Jahren – in der Endphase – wird die Printausgabe dann möglicherweise nur noch als Gratisausgabe in Altersheimen Absatz finden.

  2. Mark. Friede Springer hätte mal doch Jürgen Richter behalten sollen . Da gäbe es keine Probleme. Zudem ist er ein Mann des Print.

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