Jan-Eric Peters über News-App Upday: „Wir wollen bis Ende 2016 auf 10 Mio. Smartphones sein“

Jan-Eric Peters: Für Upday wurde er vom Chefredakteur zum Chief Product Officer
Jan-Eric Peters: Für Upday wurde er vom Chefredakteur zum Chief Product Officer

Digital Economy Im letzten Jahr sorgte eine wichtige Personalie bei Axel Springer für Aufsehen. Welt-Chefredakteur Jan-Eric Peters verließ die Zeitung und begann als "Chief Product Officer", den News-Aggregator Upday aufzubauen. Auf der Mobile World in Barcelona präsentiert er kommende Woche die neue Version der App. Für MEEDIA beantwortete Peters schon vorab die wichtigsten Fragen zu dem ehrgeizigen Projekt.

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Es gab ein rauschende Party, dann war er weg bei der „Blauen Gruppe“: Im Dezember 2015 feierte Jan-Eric Peters noch seinen Abschied vom Chefredakteurs-Sessel der Welt, zwei Monate später zeigt er das Ergebnis seiner Arbeit als „Chief Product Officer“ bei upday, dem neuesten Digitalprojekt bei Axel Springer. Dort ist er verantwortlich für das Produkt, die Redaktionen und die Beziehungen zu Publishern in Deutschland und international. In vier Ländern vereint der Dienst News von jeweils über 300 Quellen, als Beta-Version war die App schon ab September 2015 benutzbar. Kurz vor der offiziellen Präsentation von Upday und dessen tiefe Integration in Samsungs neuestem Smartphone-Flaggschiff am Sonntag erzählte er MEEDIA, warum das Medienhaus Axel Springer so große Hoffnungen auf die News-Anwendung setzt.

Was ist Upday?
Upday ist ein personalisierter News Service, der Hunderte Publikationen und Nachrichtenquellen aus verschiedenen Ländern umfasst. Er besteht aus zwei Teilen: Erstens: den Top News, die von unseren Redaktionsteams in Deutschland, Großbritannien, Frankreich und Polen zusammengestellt werden. Dort gibt es zu jeder Zeit immer sechs bis acht aktuelle Nachrichten, die ich kennen muss und die in keinem persönlichen Filter verloren gehen sollten. Zweitens: My News. Hier bekomme ich die Themen, die mich ganz persönlich interessieren. Ich kann aus vielen Bereichen auswählen. Upday lernt auch, was ich mag. Zusätzlich schleusen unsere Journalisten aber immer mal wieder Geschichten an diesem Filter vorbei, unsere “Editor’s Picks”: Besonders lesenswerte Artikel oder überraschende Themen. So wie man das aus guten Zeitungen kennt, in denen man Geschichten entdeckt, von denen man vorher noch gar nicht wusste, dass sie einen interessieren.

News-Aggregatoren gibt es schon, etwa Apple News in den USA. Was unterscheidet Upday von der Konkurrenz?
Wir verbinden erstklassige Technologie mit Journalismus – das macht so kein anderer News-Aggregator. Wir kombinieren dabei drei Stärken. Erstens arbeiten wir in allen Ländern mit eigenen Redaktionsteams von jeweils sechs bis acht Redakteuren. Das lassen wir uns etwas kosten, weil uns der journalistische Charakter von Upday wichtig ist. Zweitens sind wir eine Publisher-Plattform: Wir zwingen niemanden in ein geschlossenes System wie andere, sondern verlinken direkt auf unsere Quellen, auf die Seiten der Publisher. Die bekommen so mehr Reichweite, die sie vermarkten können. Außerdem erhalten sie von uns die Nutzungsdaten zu ihren Geschichten, soweit das der Datenschutz zulässt. Die dritte Stärke: Wir sind “easy to use”. Ein Screen – eine Geschichte. Und dann wischt man zur nächsten. Das versteht jeder sofort, und es macht Spaß.

Wie konnten Sie die Publisher, die ja auch Konkurrenten von Axel Springer sind, zu einer Zusammenarbeit bewegen?
Den Publishern gefällt der publizistische Ansatz von Upday. Zudem hilft natürlich der direkte Draht zu Verlegern und Chefredakteuren. Man hat es nicht mit einem Tech-Konzern zu tun, hier spricht Medienhaus mit Medienhaus. “Sie verstehen das doch”, habe ich bei meinen Terminen immer wieder gehört. Ich komme gerade aus London von Gesprächen mit den Chefredaktionen vom Economist, Daily Telegraph, Business Insider und anderen zurück. Auch in Großbritannien sind alle wichtigen Medien dabei genau wie in Deutschland und den anderen beiden Ländern – MEEDIA ja auch. Klar, so manchem Verlag wäre es vielleicht lieber, es gäbe die ganze mobile Online-Welt nicht. Sie verstehen aber, dass unser Weg für sie echte Vorteile hat.

Sind die Quellen denn ausschließlich Verlage?
Alle wichtigen News-Quellen sind dabei, traditionelle Medienmarken wie neue von Buzzfeed bis zur Huffington Post und natürlich auch relevante Blogs.

In welchen Ländern ist Upday verfügbar?
In wenigen Tagen in den genannten vier Ländern. In Deutschland und Polen sind wir schon seit ein paar Monaten in der Beta-Phase und haben im Google Play Store gute Bewertungen von durchschnittlich 4,5 Sternen erhalten. Das upday-Team hat hier in den vergangenen 12 Monaten ganz hervorragende Arbeit geleistet! Spätestens Anfang kommender Woche wollen wir dann in allen vier Ländern zum Download auf Samsung-Handys bereit stehen (ab Android 4.4., kitkat). Aber es kommt noch besser: Ab Mitte März werden wir auf allen neuen Smartphone-Flaggschiffen von Samsung fest und sehr prominent installiert sein. upday muss auf diesen Smartphones nicht extra geladen werden – es ist als zweiter Homescreen Teil des Gerätes.

Wieso die Beschränkung auf Samsung?
Das ist für uns keine Beschränkung, sondern praktisch eine Autobahn zu den Kunden. Schneller als mit Samsung könnten wir gar nicht zu den mobilen Nutzern kommen. Samsung hat als Weltmarktführer bei Smartphones einen Marktanteil von rund 40 Prozent in Europa. Außerdem verfügt das Unternehmen über das komplette Ökosystem, vom Handy über Smartwatches und Virtual-Reality-Brillen bis zu Fernsehern und Kühlschränken mit großem Display, auf denen sich ein News Service auch gut machen würde. Aber das ist Zukunftsmusik und garantiert nichts für dieses Jahr. Wir wollen jetzt erst einmal ein richtig gutes Produkt für mobile Nutzer bieten.

Wie ist die Zusammenarbeit mit Samsung aufgebaut?
Wir sind eine 100-prozentige Tochter der Axel Springer SE. Die Zusammenarbeit mit Samsung ist aber eng, das fühlt sich fast wie ein Joint Venture an.

Wieviele Personen arbeiten bei Upday?
Wir sind ein Team von rund 80 Leuten, jung und sehr international: Es gibt 20 verschiedene Nationalitäten bei uns. Fast die Hälfte sind Developer.

Wie wollen Sie Geld verdienen?
Mit Werbung, die sich unaufdringlich in den Stream der Geschichten einfügt. Etwa jede zehnte Karte soll eine Anzeige sein. Wenn sie die interessiert, klicken sie rein. Und wenn nicht, dann blättern sie wie bei einer Zeitschrift einfach weiter.

In welchen Ländern wollen Sie nach Frankreich und Großbritannien noch loslegen?
Nun lassen Sie uns erst mal in den vier Ländern erfolgreich starten. Wir wollen Ende 2016 auf mindestens 10 Millionen Smartphones sein und natürlich möglichst viele Menschen dafür gewinnen, upday dann auch regelmäßig zu nutzen. Wenn uns das gelingt, dann schauen wir gern auch in andere europäische Länder, etwa nach Italien und Spanien.

Wie unterscheidet sich das User-Verhalten bei News in Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Polen?
Für Großbritannien und Frankreich können wir das noch nicht sagen, da starten wir ja erst. Aber im Beta-Test in Deutschland und Polen hat sich gezeigt, das Upday in Polen besonders intensiv genutzt wird und die sehr guten Werte in Deutschland sogar noch übertrifft. Das dürfte daran liegen, dass wir in Polen der einzige News-Aggregator in polnischer Sprache sind.

Wie briefen Sie sich jeden Morgen?
Ich lese nach einem ersten Blick in upday ein halbes Dutzend Zeitungen, vor allem natürlich auch meine guten alten „Welt“-Titel. Vor allem aber bin ich mobil unterwegs, und das nicht nur morgens, sondern zum Leidwesen meiner Familie praktisch permanent.

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Alle Kommentare

  1. Liebe Kollegen, warum wiederholt sich Herr Peters denn in dem Interview mehrfach fast wortgleich? („Autobahn zum Nutzer“, „komplettes Ökosystem von Samsung“) Ist das doofes SEO?

  2. Nach meinen Erfahrungen in der Beta-Phase, handelt es sich bei Upday schon jetzt um ein extrem ausgereiftes Top-Produkt. Vor allem auch für überzeugte, markenbewusste Zeitungsleser. Schön wäre es, wenn die App so schnell wie möglich ebenso für Samsung-Tablets zur Verfügung stehen würde.

    1. Sind noch unterrepräsentiert, stimmt. Aber Tagesspiegel, Berliner Morgenpost, Stuttgarter Zeitung, RP sind u.a. schon dabei. Dumont fehlt, glaube ich, noch völlig. Und man kann ja, ohne upday zu verlassen, wunderbar auf den Seiten der Regionalmedien weiter surfen. Ich finde das sehr komfortabel.

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