CDU-Politiker fordert Bild-Zeitung zum Stopp der Kampagne „Refugees welcome“ auf

Bild-Digital-Chef Julian Reichelt zu CDU-Mann Lengsfeld: „Medienschelte ist immer ein Ausdruck größter Hilfslosigkeit“.
Bild-Digital-Chef Julian Reichelt zu CDU-Mann Lengsfeld: "Medienschelte ist immer ein Ausdruck größter Hilfslosigkeit“.

Bitte keine „emotional aufgeladenen Anspielungen auf Grenzübertritte“ mehr: Via Pressemitteilung verlangt der CDU-Abgeordnete Philipp Lengsfeld vom Bild den Stopp der Kampagne "Refugees welcome". Der Politiker hält die Berichte der Zeitung über den Umgang mit Flüchtlingen für „nicht hilfreich“. Bild-Digitalchef Julian Reichelt reagiert "entsetzt" und hält das Ansinnen Lengsfelds für "verlogen".

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In seiner Pressemitteilung schreibt der CDU-Politiker, dass der „Refugees Welcome“-Slogan in der Vergangenheit richtigerweise verwendet worden wäre, um „solidarische Signale“ im Kampf gegen „rassistische Anfeindungen oder ausländerfeindlichen Attacken“ zu senden. Der Berliner Bundestagsabgeordnete (Selbstbeschreibung: „evangelisch, verheiratet, zwei Kinder, Hertha-Fan“) ist offenbar überzeugt, dass dies nun nicht mehr zeitgemäß ist.

Doch dann kommt er zur Sache.  Das Bild des Flüchtlingsproblems, das Bild.de zum Beispiel via Twitter transportiere, sende – so Lengsfeld – das falsche Signal einer „Einladung zum Aufbruch nach Deutschland“:

Zwei sehr kleine Kinder, eines beim Durchqueren eines Natodrahts, das andere winkend hinter einer Busscheibe. Hier wird eindeutig, emotional aufgeladen auf Grenzübertritte angespielt. Dies kann man in Kombination mit dem Slogan als Einladung zum Aufbruch nach Deutschland sehen. Diese Botschaft ist in der jetzigen, für Deutschland und Europa so essentiellen Diskussion über die Reduzierung von Zugangszahlen, die Sicherung der europäischen Außengrenzen und eine gerechte Verteilung von tatsächlich Schutzbedürftigen missverständlich und nicht hilfreich. Bild sollte diese Kampagne deshalb in der jetzigen Form beenden.

Julian Reichelt, selbst lange Korrespondent in Kriegs- und Krisengebieten, reagierte prompt. In vier Punkten begründet der Bild-Digitalchef, warum er von den inhaltlichen Forderungen des Politikers „entsetzt“ sei. So schreibt er, dass es nicht die Aufgabe der Bild sein kann, einer auf „breiter Front versagender Politik hilfreich zur Seite zu stehen“.

Unter Punkt zwei heißt es:

Sie schreiben, man könnte unsere Aktion als ‚Einladung zum Aufbruch nach Deutschland sehen‘. Ich sage Ihnen gern ein bisschen was über Syrien, wo ich drei Jahre lang immer wieder als Reporter war: Die Menschen dort brauchen keine ‚Einladung‘ auf unserem Twitter-Account. Dass Ihre Kinder täglich von Fassbomben zerrissen werden, ist Ihnen Anreiz genug, das Land zu verlassen. Diese Menschen fliehen nicht, weil Journalisten wie wir die Realität zeigen. Sie fliehen, weil Politiker wie Sie die Realität viel zu lange ignoriert haben. Zeigen Sie mir gern Ihre Initiative aus den letzten fünf Jahren, etwas gegen den Krieg in Syrien zu unternehmen. Wenn Sie nichts vorzuweisen haben, wovon ich ausgehen, beschuldigen Sie uns nicht für das Totalversagen westlicher Politiker, an dem auch Sie Ihren Anteil haben.

Der Brief, den Reichelt als Foto bei Facebook veröffentlichte, endet mit der wütenden Empfehlung, dass sich der Politiker darum kümmern solle, wofür er gewählt worden sei. In dem Post Skriptum ätzt der Journalist: „Den Morgen mit einem EKD-Frühstück zu begehen und dort bei knusprigen Brötchen über christliche Werte zu diskutieren und gleichzeitig die Medien aufzufordern, den christlichen Wert der Nächstenliebe nicht mehr allzu engagiert zu vertreten, scheint mir widersprüchlich oder besser: verlogen.“

Die erste Antwort des CDU-Bundestagsabgeordneten aus Berlin-Mitte zeigt, dass der Rant von Reichelt Eindruck hinterlassen hat. Via Twitter schreibt er Richtung Reichelt: „Mutig, dass Sie diese Antwort so veröffentlichen. Werde in Ruhe nachdenken und dann antworten.“

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Alle Kommentare

  1. Hätte nicht gedacht, dass ich einem BILD-Redakteur Anständigkeit attestieren würde … Und es zeigt sich, wo sich Teile der CDU bereits aufhalten….

  2. Als ob die BILD mit diesen peinlichen Bildchen noch was reissen könnte.
    Die Realtität der nach Deutschland wanderten “ Flüchtlingskindern, Flüchtlingsfrauen und Flüchtlingsfamilien“ kennt doch jeder Bildleser zu genüge und hat mit den Abbildungen nur wenig gemein.
    Auch ein Bild-Leser ist pragmatisch.

  3. Ein donnerndes BRAVO, Herr Reichelt, für Ihre Reaktion auf diese unsägliche Weltsicht eines Christlich-Demokratischen- Abgeordneten. Solidarität erscheint Herrn Lengsfeld also nicht mehr zeitgemäß. Mag sein, dass davon der letzte Vorrat 1989 aufgebraucht wurde. „DDR-Bürger welcome!“ Schon vergessen?

  4. 81% gegen Bild und Merkel und Invasion. macht weiter, eine schwarze NULL ist an Verkäufen dieses Müllblatts bald Gewissheit. Die Flutung geht weiter, Merkelfreunde Bild jubeln weiter und alle Kassen sind schon geplündert. Aktuell die Krankenkassen………………….

    1. Die Krankenkassen wurden schon vor Jahren geplündert, Herzchen. Dafür kannste Dich bei der SPD bedanken. Mit den Flüchtlingen hat das NICHTS ABER AUCH GAR NICHTS zu tun!

  5. Das ist eine Parole der Linkspartei.

    Solidarität wäre, würden der Bild-Heinz und die Linkspartei zu Sitzblockaden vor Airbus Group (ehemals EADS), Rheinmetall, Krauss-Maffei Wegmann, Thyssen-Krupp, Diehl Defence.aufrufen und – selber dran teilnehmen. Oder den Bundestag und das Bundeverfassungsgericht, weil Angela Merkel und Peter Müller den illegalen Krieg im Irak unterstützt haben.

    Oder vor Sitzblockaden vorm Bundestag aufrufen, weil der Waffenlieferungen in Diktaturen und Entwicklungsländer, in Krisen- und Kriegsgebiete absegnet und die unkontrollierte Verbreitung via Lizenzen.

    „Kleinwaffen sind Massenvernichtungswaffen – Mit sogenannten Kleinwaffen wie zum Beispiel dem deutschen G3-Gewehr von Heckler & Koch aus dem Schwäbischen werden jedes Jahr 500.000 Menschen getötet. Das sind täglich 1440 oder stündlich 60 Menschen. 90 Prozent der Opfer sind Frauen und Kinder. Das hat eine UNO-Konferenz 2003 festgestellt.“ eco-news

    Tatsächlich „bezahlt“ die deutsche Bevölkerung für eine aggressive und verlogene Komplizenpolitik zwischen Bundestag und Presse. Auch die Deutschen fallen unter das Völkerrecht.

  6. Herr Reichelt,

    1. um auszurechnen, wann Deutschland überfüllt ist, braucht man nicht nach Syrien zu fahren.
    2. Eine solche Einladung, wie sie aus Deutschland in den Auswanderungsländern verbreitet wird, verdoppelt oder verdreifacht den Auswanderungsstrom. Beweisen Sie hier das Gegenteil.
    3. Ihre ins Persönliche abgleitenden Entgleisungen zeigen schieren Hass. So zetern Ideologen.
    4. Ein einzelner Abgeordneter soll etwas gegen den Krieg in Syrien erreichen können? Das schaffen nicht einmal Obama und Putin und schon gar nicht Ihr versammelter Parteivorstand. Schreiben sie bitte hier Ihren Weg zur Befriedung in 2 – 3 Sätzen!
    5. Herr Lengsfeld hat völlig Recht mit seinem Appell. Er ist dafür gewählt, unser Land voran zu bringen und Schaden fern zu halten – dazu gehört „auch“, dass er acht gibt auf unsere maroden Kindergärten und Schulen, unsere bröckelnden Straßen und Brücken, unsere armen Alten und Benachteiligten, unsere Jugend, die die explodierenden Schulden tragen muss etc.

    1. Na ja, das was Sie an Herrn Reichelts Antwort bemängeln, trifft genauso auf Ihren Beitrag zu.
      Punkt 1 ist schonmal einfach so eine Behauptung eines Wissenden, wie sieht Ihre Rechnung denn aus? In Ihrem Punkt 2 können Sie schon die eigene Behauptung nicht beweisen wo Herr Reichelt doch den Gegenbeweis antreten soll („verdoppelt und verdreifacht“?). In Punkt 4 kann ein einzelner Abgeordneter schon nichts ausrichten aber in Punkt 5 kann er ganz alleine auf unser Land aufpassen. Wenn ich unsere Brücken, Schulen etc. so sehe, hat das ja auch nicht so super geklappt. Aber es hat ja keiner behauptet das Politik „machen“ einfach ist.
      Am Ende passt Ihnen doch nur Herr Reichelts Haltung und Meinung nicht. Damit müssen Sie aber einfach klar kommen.

  7. Viele haben nie verstanden, warum die BILD-Zeitung auf diesen „Willkommenzug“ aufgesprungen ist. Es gab wohl auch innnerhalb der Geschäftsführung bei BILD und in der Manager-Etage bei der Axel Springer SE heftige Zweifel daran. Tenor: „Die 500 Reporter sollten über die Flüchtlingskrise objektiv berichten – nicht Partei ergreifen für eine unkritische, emotional gesteuerte Willkommenskultur.“ Den Leserbriefen nach zu schliessen, teilen die meisten Leser überhaupt nicht diese Willkommens-Euphorie der Bild-Zeitung. Mal sehen, ob und wie die BILD in den IVW-Statistiken weitere Leser verlieren wird.

    1. Warum muss man Leser verlieren wenn man eine mal eine Haltung hat?
      Natürlich wird das viele bisherige Leser schocken, aber es gibt ja auch noch genug Leute mit ein bisschen Restverstand.
      Leute die Angela Merkel und andere Leute die keine menschenverachtenden, rechtspopulistische Positionen vertretten und sich dafür von so vielen Nazis andauernd Beschimpfungen anhören müssen, einfach nur Respekt zollen können.
      Und man glaubt es kaum da können auch Journalisten des Springer Verlages dazugehören.

      Ich bin davon überzeugt davon dass man mit Haltung eher Leser generiert als mit billigem Rechtspopulismus, deren Leser eh nur ihr eigenes Weltbild interessiert
      http://www.mobilegeeks.de/artikel/focus-online-journalistischer-untergang-des-abendlandes/

      1. Tim, Sie haben Recht: Man kann eine Haltung haben – und trotzdem Leser gewinnen, was die IVW-Zahlen und die PageImpressions eventuell vielleicht auch einmal zeigen werden.

        In Deutschland wünschen sich auch viele weitere eine derart ausgeprägte humanistische Grundhaltung in der Flüchtlingskrise, zumal Deutschland wirtschaftlich sehr stark ist und der Faktor „Geld“ angesichts des Haushaltsüberschusses kein Problem ist (meinen viele).

        Der Springer-Konzern veröffentlichte in der WELT-Ausgabe vom 20.2. auch eine Anzeige von Lea Rosh. Lea Rosh, 79, lässt Angela Merkel darin wissen: „Wir schaffen das!“.

        Die ehemalige Chefin des NDR-Landesfunkhauses Hannover schreibt in dieser 1/2seitigen Anzeige: „Europa, dieses neue Deutschland und die Flüchtlinge brauchen Sie!“. Zu den mehr als 70 Unterzeichnern gehören u.a. Christiane zu Salm, Christoph Gottschalk und Nico Hofmann.

        Ja, wahrscheinlich gibt es „noch genug Leute mit ein bisschen Restverstand“, wie Sie es ausdrücken.

  8. Nach Herrn Lengsfeld zu urteilen ist es nun nicht mehr nötig „solidarische Signale“ im Kampf gegen „rassistische Anfeindungen oder ausländerfeindliche Attacken“ zu senden, weil…..ja warum denn…weil es die nicht mehr gibt? Weil Herr Lengsfeld die jetzt gut findet? Die CDU in Umfragen Prozente verliert?
    Nicht mehr „zeitgemäß“ kann ja wohl nicht sein. Nicht mehr zeitgemäß sind Seidenblousons und Miniplifrisuren. Signale gegen Rassismus und Ausländerfeindlichkeit kommt wohl nie aus der Mode. Die Reaktion von Herr Reichelt ist sehr gut.

  9. Bravo! Meine Meinung von der BILD-Zeitung ist gerade deutlich gestiegen. Und Herr Lengsfeld ist der ganz typische Parteisoldat der Politik: Zuerst auf Refugees-Welcome-Demos, als es opportun schien, und jetzt plötzlich imitiert er rechtspopulistische AfD-Parolen. Auf solche Politiker kann man gut verzichten. Herr Reichelt hat hier meine volle Sympathie!

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