„Mustergültige Transparenz“: DJV lobt Stefan Aust für Umgang mit der Causa Lachmann

Welt-Chefredakteur Stefan Aust (li.) und der DJV-Bundesvorsitzende Frank Überall
Welt-Chefredakteur Stefan Aust (li.) und der DJV-Bundesvorsitzende Frank Überall

Eigentlich gehört das Fordern ja zur Kernkompetenz der meisten Interessenverbände. Aber der DJV kann offenbar auch loben. So äußert sich der Deutsche Journalisten Verband nun auch zur Causa Lachmann und bescheinigt Stefan Aust eine "mustergültige Transparenz gegenüber den Lesern". Damit hebt der Verband noch einmal ausdrücklich die Erklärung des Welt-Chefredakteurs in "eigener Sache" hervor.

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In der Welt war am Dienstag eine Erklärung von Aust zu dem Fall gedruckt wurden. Darin beschreibt der Chefredakteur noch einmal die Chronologie des Falls, um dann zu erläutern, warum es keine Alternative zu einer Trennung gegeben hätte.

„Wir können aber nichts anderes tun als den Fall lückenlos aufzuklären und die Vorgänge so offenzulegen wie es arbeitsrechtlich irgend möglich ist. Dazu gehört auch, Herrn Lachmanns Berichterstattung über die AfD nachträglich kritisch zu hinterfragen. Ein Vorgang dieser Art wird weder geduldet noch vertuscht oder beschönigt“, schreibt Aust. Nach Meinung des Chefredakteurs hätte ein Journalist bereits in dem Moment seine Unabhängigkeit verloren und seine Glaubwürdigkeit aufs Spiel gesetzt, in dem er sich als PR-Berater einer Partei andiene.

Wie sich der Fall juristisch entwickelt, ist jedoch noch lange nicht entschieden. Denn ganz einfach dürfte für die Welt eine Trennung von Lachmann nicht werden. In seiner Stellungnahme kündigte Aust schon einmal an: „Über weitere juristische Schritte wird der Verlag nach einer detaillierten Untersuchung der Vorgänge entscheiden.“

In seiner Erklärung wies der DJV-Bundesvorsitzender Frank Überall schon einmal darauf hin, dass arbeitsrechtliche Auseinandersetzungen zwischen einem Verlag und einem Redakteur grundsätzlich nicht in die Öffentlichkeit gehörten: „Hier gelten die gleichen Schutzrechte wie für alle anderen Arbeitnehmer auch.“

Überall selbst sieht in der Causa Lachmann jedoch eine Ausnahme. Dabei handle es sich nämlich um einen Fall, der „die Glaubwürdigkeit des Journalismus in schwierigen Zeiten“ betreffe: „Die Menschen erwarten von uns Journalisten Unabhängigkeit und Transparenz. Deshalb darf über die Handlangerdienste, die ein Politikjournalist einer Partei angeboten hat, nicht der Mantel des Schweigens gehüllt werden.“ In einem solchen Fall überwiege das Aufklärungsinteresse gegenüber dem Schutzinteresse des Redakteurs.

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Alle Kommentare

  1. „DJV lobt Stefan Aust …“ – das soll eine „Nachricht“ sein? Die immer verzweifelteren Versuche einer „Journalisten-Gewerkschaft“, sich mit läppischem Kokolores kostenlose (Rest-) Aufmerksamkeit zu verschaffen, sind eher mitleiderregend. Der DJV schafft schon lange keine eigenen News mehr. Die mit viel Brimborium ausgerufenen „Tarifverhandlungen“ dürften schon wegen leerer (Streik-) Kassen wie seit Jahren mit einem Micker- bis Minus-Abschluß enden. Immer mehr Mitglieder laufen davon. Die so dramatisch schrumpfenden Finanzmittel landen weit überwiegend in den Privat-Schatullen von Funktionären.

    Natürlich macht Aust es richtig. Der Mann ist ja nicht blöd. Soll er öffentlich statt „Transparenz“ lieber Vertuschung fordern?

    Und der DJV könnte wirklich einmal eine „Nachricht“ generieren, wenn der bestens alimentierte Vorsitzende das, was Aust und Springer von sich aus und ohne Moral-Keule schwingende Apparatschiks längst tun, wenigstens nun auch vom durch und durch korrupten Staatsfernsehen und seinen ungenierten „Regierungssprechern“ vom Schlage Reschke, Gniffke, Gottlieb, etc. forderte.

    Das System des Parteibuch-Nepotismus, der „Farbenlehren“ und „Freundeskreise“, in dem ganz selbstverständlich als Journalisten verkleidete Parteigenossen über den jeweiligen Parteitag und die Partei „berichten“, wäre ein lohnendes Feld für Herrn Überall. Und die Bezahlung durch „Staatsknete“ via GEZ auch. Für den schon am Boden liegenden Lachmann reicht der Funktionärs-„Mut“, doch für „Ab Iove principium, musae“ nicht.

    Das Problem des DJV im Umgang mit klugen Leuten wie Aust ist klar: „Der Vorteil der Klugheit besteht darin, daß man sich dumm stellen kann. Das Gegenteil ist schon schwerer“ (Kurt Tucholsky).

  2. Ach du heilige Sch…! Der DJV stellt sich selbst ein Armutszeugnis aus, wenn er Herrn Austs hilfloses hin- und herlavieren lobt. Herr Aust hat sich erst der Öffentlichkeit gestellt, nachdem der Fall Lachmann bereits durch Klage, Gegenklage und andere Medien öffentlich war. Herr Lachmann konnte mehrere Monate lang gegen Frau Petry hetzen, ohne jede Reaktion durch den Redaktionschef. Aufklärung über bzw. ein Einschreiten gegen das korrupte Verhalten seines Mitarbeiters fehlt völlig. Ein lapidares „Er ist gefeuert“ über Twitter ist mMn das absolut Allerletzte und unterstes Niveau.
    Ich bin froh, dass ich seit mehreren Jahren kein Welt-Abonnent mehr bin!

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