Wall Street uneins: Carl Icahn verkauft Apple-Aktien – optimistischer Analyst sieht dagegen Trendwende

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Kann Apple-Chef Tim Cook bald wieder über anziehende Absätze lächeln?

Digital Economy Schützenhilfe von der Wall Street: Brian White, seit jeher der mit Abstand optimistischste Analyst, der über Apple berichtet, will den "besten Januar seit 2008" ausgemacht haben. Darauf würden Informationen aus der Zuliefererkette hindeuten, die White aus Asien bezieht. Für Apple wäre es nach Monaten des steilen Absturzes an der Wall Street ein Befreiungsschlag. Nach Handelsschluss folgte stattdessen der Rückschlag: Großaktionär Carl Icahn machte den Verkauf von 7 Millionen Apple-Aktien bekannt.

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Als Apple vor drei Wochen die jüngste Geschäftsbilanz für das Weihnachtsquartal vorlegte, reagierte die Wall Street nach einer marginalen Verbesserung des Rekordgewinns um 0,3 Prozent verschnupft und ließ  die bereits angeschlagene Apple-Aktie am nächsten Handelstag um gleich sieben Prozent fallen – das Papier hat sich bis heute nicht davon erholt.

Noch immer um 8 Prozent liegt Apple seit Jahresbeginn bereits im Minus. In den letzten drei Monaten beträgt das Minus weiterhin 15 Prozent, seit dem Allzeithoch  sind gar 28 Prozent abhanden gekommen,   der Börsenwert erodierte dramatisch um 250 Milliarden Dollar. Der Hauptgrund: Apple-CEO Tim Cook  musste in der Analystenkonferenz eingestehen, dass die iPhone-Absätze erstmals in einem Quartal im Vergleich zum Vorjahr schrumpfen werden.

„Starke Outperformance“ nach „beträchtlicher Underperformance“

Brian White, seit Oktober Analyst beim Brokerhaus Drexel Hamilton, will nun nach Informationen aus der Zuliefererkette Licht am Ende des Tunnels ausgemacht haben. „Alle Unternehmen unseres Apple Monitors (der Zuliefererfirmen in Taiwan untersucht) haben steigende Umsätze im Januar verzeichnet, die Performance war weitaus besser als die typische Saisonalität“, schreibt White.

„Nach dem schwächsten Dezember seit Beginn der Aufzeichnungen des Apple Monitors war dies der beste seit Januar 2008“, so White in seiner Research-Note. Nach einer „beträchtlichen Underperformance im November und Dezember“ will White nun eine „starke Outperformance“ im Januar beobachtet haben.

Februar-Absätze in China für Apple laufendes Quartal maßgeblich

Fällt Apples Abschwung damit also aus? Selbst wenn sich die Geschäfte im Januar besser entwickeln sollten als von Apple selbst erwartet, hängt die Messlatte enorm hoch: Im vergangenen Jahr erzielte Apple im ersten Kalenderquartal – dem zweiten des Fiskaljahres – einen Rekordgewinn von 13,6 Milliarden Dollar und setzte dabei 61 Millionen iPhones ab. Entscheidend ist für die Quartalsperformance vor allem der Februar, in dem in China das traditionelle Neujahrsfest gefeiert wird.

Dass Analyst Brian White mit einer äußerst optimistischen Einschätzung zu Apple von sich reden macht, kommt zudem nicht von ungefähr: White hat eine lange und hinreichend dokumentierte Historie als größter Apple-Bulle der Wall Street, dessen Superlative sich im vergangenen Jahr immer weiter von der Realität entfernt haben.

Schlechte Empfehlungshistorie von Apples optimistischstem Wall Street-Analysten

Zum Amtsantritt bei der Investmentboutique Drexel Hamilton, zu der White im Oktober von der weitaus renommierteren Investmentbank Cantor Fitzgerald gewechselt war, brachte der Apple-Analyst gleich das mit Abstand optimistischste Kursziel der Wall Street mit – auf 200 Dollar sollte die Apple-Aktie steigen!

Seine Einschätzung: „Die scharfe Korrektur der Apple-Aktie im Sommer stellt einen attraktiven Einstiegspunkt dar“, riet er Kunden zu Kursen von 110 Dollar in seinem Antrittsschreiben. Tatsächlich hätten Kunden der Investmentbank mit Whites Apple-Empfehlung bis heute zweistellige Verluste eingefahren.

Entsprechend mit Vorsicht zu genießen scheint auch Whites jüngste Einschätzung – Fakten schafft Apple-CEO Tim Cook erst mit den nächsten Quartalszahlen, die erst in zehn Wochen – Ende April – erwartet werden.

Carl Icahn verkaufte 7 Millionen Apple-Aktien im 4. Quartal

Das Minus vorzeitig begrenzt hat unterdessen ein anderer jahrelanger Fürsprecher des Kultkonzerns aus Cupertino: Carl Icahn hat erstmals seit seinem Einstieg im August 2013 wieder Apple-Aktien verkauft.

Wie nach Handelsschluss in einer Pflichtmitteilung an die US-Börsenaufsicht SEC bekannt wurde, passte der legendäre Groß-Investor, der im vergangenen Mai noch ein Kursziel von 240 Dollar ausgerufen hatte,  seine Anlagestrategie an die neuen Marktrealitäten an und veräußerte im vierten Quartal allein 7 Millionen Anteilsscheine – etwa 10 Prozent seiner Bestände. Icahn bleiben nach dem Verkauf noch 45,76 Millionen Apple-Aktien im Wert von aktuell 4,4 Milliarden Dollar.

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