Im Kampf gegen Anzeigenschwund: Spiegel bringt in NRW regionalisierte Ausgabe

Klaus Brinkbäumer, Chefredakteur des Spiegel, führt in NRW regionale Seiten ein
Klaus Brinkbäumer, Chefredakteur des Spiegel, führt in NRW regionale Seiten ein

Publishing Das Spiegel-Magazin will im regionalen Anzeigenmarkt vorpreschen und führt mit der neuen Ausgabe regionalisierte Seiten ein. Den ersten Regionalteil bekommen die Exemplare für Nordrhein-Westfalen. Über ein solches Projekt wurde bereits im Herbst spekuliert. Unklar ist derzeit, ob weitere Ausgaben folgen werden. In NRW soll zunächst drei Monate getestet werden.

Werbeanzeige

Mit der Maßnahme stemmt sich der Spiegel gegen den Anzeigenschwund. So sind die Werbeerlöse des Verlagshauses von 2010 bis 2014 jährlich um 8,2 Prozent zurückgegangen. Betrachtet man die Entwicklung der Werbeerlöse von 2000 bis Ende 2014, sanken die Anzeigenerlöse sogar um 70 Prozent. Mit den regionalsierten Ausgaben will Vermarktungschef Norbert Facklam die Talfahrt in den Anzeigenerlösen verlangsamen, möglicherweise gar stoppen. Doch das ist nicht die einzige Maßnahme: Seit Wochen wird in der Branche spekuliert, ob der Spiegel Verlag Teile seines Vermarktungs-Back-Offices in die Hände fremder Verlagshäuser legt. Im Gespräch sind der Hamburger Verlag Gruner + Jahr, der am Spiegel Verlag beteiligt ist, sowie der Münchener Burda Verlag mit seinem Flaggschiff Focus.

Für die Regionalausgabe des Spiegel wird der Heftumfang um acht Seiten erweitert, auf denen der Spiegel „exklusive Berichte aus der Region“ bekommen sollen. Die neuen Inhalte sollen als eigenes Ressort einlaufen. „NRW-Themen widmen wir uns jetzt intensiver. Wir werden näher an die Ereignisse heranrücken und den zusätzlichen Raum im Heft nutzen, um ausführlich aus dem gesamten Bundesland zu berichten. Die journalistische Perspektive ist neu, der Anspruch an Stil und Qualität aber unverändert“, so Spiegel-Chefredakteur Klaus Brinkbäumer.

Der Einstieg in den Regionalteil werde über eine Seite mit kleineren Geschichten erfolgen, daran anschließen werden drei Artikel, „die sich je nach Lage mit Ereignissen aus den Bereichen Politik, Wirtschaft, Kultur, Wissenschaft oder Sport beschäftigen werden“. Redaktionell betreut werden die NRW-Seiten als Gemeinschaftsprojekt von der Düsseldorfer Redaktionsvertretung und den einzelnen Ressorts in der Hamburger Redaktion. Das neue journalistische Angebot werde zunächst als dreimonatiger Test laufen.

In der Print-Ausgabe des Spiegel wird der Regionalteil im Einzelverkauf und in der Abo-Auflage nur in Nordrhein-Westfalen verfügbar sein. Leser über die App bekommen den NRW-Teil bundesweit.

Beworben wird das neue Angebot in Nordrhein-Westfalen mit einer regionalen Kampagne. Gebucht sind Anzeigen in Tageszeitungen und auf diversen Online- und Mobil-Seiten, Funk-Spots und Außenwerbung in verschiedenen Städten sowie am Düsseldorfer Flughafen. Für den Einzelhandel stehen Informationspakete mit unterschiedlichen Werbemitteln zur Verfügung.

Entsprechende Gerüchte, dass die Hamburger an einer erweiterten Regional-Strategie arbeiten würden, gab es bereits im vergangenen Herbst. So berichtete das Handelsblatt bereits im September, dass das Büro in Nordrhein-Westfalen den Vorreiter mache. Damals hieß es von der Eceriuspitze: „Man prüfe unterschiedliche Optionen für regionale Seiten“.

Focus plant 2016 mit Regional-Specials, stern zieht nicht mit

Die Umstrukturierungen im Spiegel sind in der Magazin-Welt keine Neuerscheinung. Auch für den Focus aus München sind regionalisierte Ausgaben nicht fremd. So produzierte das Nachrichtenmagazin in der Vergangenheit bereits regionale Ausgaben für die Räume Bayern, Nordrhein-Westfalen oder Baden-Württemberg. Geplant sind für dieses Jahr vier Specials mit jeweils 24 Seiten im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen, erklärt ein Burda-Sprecher auf Anfrage. Das erste Special soll mit Heft 12 erscheinen. Für den stern werde derzeit nicht in diese Richtung gedacht, erklärte ein Gruner + Jahr-Sprecher auf Nachfrage.

 

(gl/ms)

Werbeanzeige

Mehr zum Thema

Alle Kommentare

  1. Es wird dem „Spiegel“ nichts nützen, verzweifelt gegen den Mega-Trend anzurennen – Print stirbt. Basta. Der Hauptgrund ist natürlich das böse Internet, in dem die traditionellen „Spiegel“-Inhalte ja auch nicht völlig erfolglos (sogar in Nordrhein-Westfalen!) verbreitet werden, aber eben bei weitem nicht die Erträge erbringen, die zur Quersubventionierung der auf „Totholz“ gedruckten Inhalte erforderlich wären. Da ist es sogar kontraproduktiv, Lastzüge voller Altpapier loszuschicken.

    Die Dynamik des Niedergangs gerade beim „Spiegel“ ist aber auch durch die Re-Ideologisierung nach dem Rauswurf des „gegen alle und alles“ zynischen Stefan Aust zu erklären. Der Mega-Trend ist eben nicht nur „hin zum Internet“, sondern auch „weg von Rot-Grün“. Solange der „Spiegel“ als Zentralorgan und Kampfblatt für das Merkel-Regime („Herrschaft des Unrechts“) und grundsätzlich links-grüne Ideologie auftritt und als „Hetze“ von „Dumpfbacken“, „Nazis“ oder „Pack“ gleichsam zum Abschuss freigibt („soziale Hinrichtung“), was woanders als legitime politische Meinung und Kritik gilt, wird das Hamburger Blatt das Schicksal seiner politischen Paten teilen. Die (SPD/Grüne/Kommunisten/Antifa) stehen vor den Trümmern ihrer Illusionen; das Projekt Weltverbesserung ist offenbar mal wieder gescheitert.

    1. Schön, dass Sie die Mega-Trends so toll erkennen, Herr Conen, und sich dabei auch gerne der Zitate einer der größten Dumpfbacken der deutschen Politik bedienen („Herrschaft des Unrechts“). Und ebenfalls schön, wenn man so ein klares Feindbild wie Sie hat (SPD/Grüne/Kommunisten/Antifa). Da braucht man sich um Differenzierungen und sachliche Betrachtungen nicht mehr zu kümmern.
      Zudem frage ich mich, warum Sie noch im Namen des DJV auftreten, wenn Sie so vollmundig verkünden, dass Print stirbt. Dass Print seine beste Zeit hinter sich hat und noch so einige Blätter früher oder später eingestellt werden, ist nicht von der Hand zu weisen. Dass es für gut gemachten Print aber durchaus lukrative Nischen geben wird, auch nicht. Auf Totengräber wie Sie kann die Branche auf jeden Fall gut verzichten.

  2. Die Idee klingt ja nett. Aber ich denke NRW ist viel zu groß, um mit dieser Strategie erfolgreich zu sein. Das Bundesland ist eine Mischung aus sehr vielen Regionen. Bei acht Seiten kann man sich ja ausrechnen, wie oft da die eigene Region mal vorkommen kann.

    Mir als Ostwestfalen muss man z.B. nicht mit Geschichten aus dem Rheinland kommen. Ob sich Münsterländer dann wieder für das Sauerland interessieren, darf auch bezweifelt werden.

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Werbeanzeige

Werbeanzeige