Groupon, Zynga, Yelp, Etsy & Co: Die Rückkehr der Internet-Zombies

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Digital Economy Es ist ein bizarrer Anblick: Der dramatische Crash der Internetaktien hat manche Hoffnungsträger derart bis zur Unkenntlichkeit verwüstet, dass sie kurz vor Pennystock-Niveau ein verstörendes Eigenleben führen. Mal geht es zweistellig nach oben, dann wieder genauso deutlich nach unten – gewiss scheint nur, dass die Allzeittiefs immer weiter ausgetestet werden.

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Die Zombies sind zurück! Erfahrene Anleger haben den Film schon einmal gesehen: 16 Jahre ist her, dass hoch gewettete Internet-Unternehmen im großen Internetcrash nach der Millenniumshausse in Rekordzeit implodierten. Amazon, eBay, Yahoo und Priceline gingen aus der Internet 1.0-Generation als große Gewinner hervor – der überwältigende Rest wurde im Crash weggesprengt oder fristete als Pennystock bzw. einstellige Aktie ein Gnadenbrot.

Die The Winner takes it all-Geschichte wiederholt sich eineinhalb Jahrzehnte später erneut: Alphabet, Facebook und wieder Amazon und Priceline heißen die Platzhirsche unserer Zeit (Alibaba und Baidu kommen noch in China dazu), die fast allen anderen Internet-Unternehmen wenig Raum zur Entfaltung lassen. Mittelgroße Erfolgsgeschichten wie LinkedIn oder Twitter hatten einige gute Jahre, bis die harte Hand der Wall Street in kürzester Zeit kurzen Prozess macht: In der Internet-Ökonomie gibt es schlicht keine Belohnung für zweite Plätze.

Aussortierte Social Media-Lieblinge erleben Zombie-Apokalypse

Alles, was nicht in seinem Segment mit Abstand zum Marktführer geworden ist, ein unverwechselbares Geschäftsmodell mit jahrelangen zweistelligen Wachstumsperspektiven und baldiger Profitabilität aufweist, wird im Internet-Crash des eisigen Winters des Jahres 2016 an der Wall Street schlicht zerfetzt.

Der Blick auf die vor Jahren mit großen Hoffnungen an der Wall Street gestarteten Internet- und Social Media-Startups gleicht einer Zombie-Apokalypse: Wie lebende Tote trudeln die Aktien inzwischen 80 Prozent und mehr unter ihren Höchstkursen knapp über Pennystock-Level auf implodierten Bewertungsniveaus, die das Börsenlisting zumindest fragwürdig erscheinen lassen:

Etsy: – 82 Prozent, Börsenwert: 754 Millionen Dollar
Yelp: – 85 Prozent, Börsenwert: 1,15 Milliarden Dollar
Groupon: – 93 Prozent, Börsenwert: 1,39 Milliarden Dollar
Zynga: – 88 Prozent, Börsenwert: 1,69 Milliarden Dollar

Auch die gerade erst unter größten Anstrengungen an die Börse gekrabbelten Neulinge Match Group und Square sind nach Kursverlusten von mehr als 30 Prozent in den vergangenen sechs Wochen auf ein 2015 noch undenkbares Bewertungsniveau von gerade noch 2,5 Milliarden Dollar abgestürzt.

Groupon und Zynga kehren für 15 Minuten ins Scheinwerferlicht zurück

An der Börse erleben die früheren Hoffnungsträger in diesen Tagen bei Bilanzvorlage noch einmal eine kurze Rückkehr in das Scheinwerferlicht vergangener Tage – weil die Kursreaktionen vermeintlich so spektakulär ausfallen.

So stürzte der Online-Spiele-Anbieter Zynga gestern nach einem Umsatzrückgang und einem satten Minus  im Weihnachtsquartal um 15 Prozent ab, während Groupon nach seinen besser als erwarteten Quartalszahlen (die Umsätze zogen um 4 Prozent an und lagen damit deutlich über den Wall Street-Schätzungen) um 14 Prozent zulegte.

Bei näherer Betrachtung wird jedoch schnell klar: Die Kursbewegungen sind kaum mehr als spastische Zombie-Zuckungen. Das Plus von 14 Prozent hievte die zusammengeschossene Groupon-Aktie gerade mal von 2,24 auf 2,56 Dollar und bescherte dem Schnäppchenportal, das in der Spitze mal mit 20 Milliarden Dollar bewertet wurde, einen Zuwachs beim Börsenwert von 1,38 auf 1,59 Milliarden Dollar – ein nachhaltiges Comeback sieht anders aus.

Mahnendes Beispiel für Twitter

Für einen anderen abgeschossenen Social Media-Star sind die Zombie-Zuckungen von Zynga, Groupon & Co ein mahnendes Beispiel: Auch nach einem Absturz von 80 Prozent hat Twitter, das nach der neuerlichen Quartalsenttäuschung gestern standesgemäß neue Allzeitzeittiefs bei 14 Dollar aufstellte, potenziell noch viel Luft nach unten.

Sollte Twitter tatsächlich auf Zynga- und Groupon-Niveau abzustürzen, müsste der Kurznachrichten-Dienst selbst vom heutigen Level noch mal Abschläge von weiteren 80 Prozent hinnehmen.

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