„Gottlos – Warum Menschen töten“: Neue RTL II-Eigenproduktion gerät reißerisch und plakativ

Die RTL II-Eigenproduktion „Gottlos – Warum Menschen töten“
Die RTL II-Eigenproduktion "Gottlos – Warum Menschen töten"

Fernsehen Wozu Menschen fähig sind, das erkundet eine Reihe mit drei Krimi-Dramen von Grimme-Preisträger Thomas Stiller. Der Auftaktfilm aus dem Rockermilieu ist eher reißerisch geraten. Sehr viele Eigenproduktionen hat der Münchener Privatsender RTL II seit seiner Gründung 1992 noch nicht auf die Beine gestellt.

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Von Johannes von der Gathen, dpa

Viele Zuschauer werden sich noch an den Psychothriller „Der Sandmann“ erinnern, den RTL II 1995 mit Götz George in der Hauptrolle produziert hat. Regie führte damals der noch am Anfang seiner Karriere stehende Nico Hoffmann. Der mit zwei Grimme-Preisen ausgezeichnete Film beleuchtet menschliche Abgründe. Im Mittelpunkt steht die Frage, ob der von George gespielte, zwielichtige Bestsellerautor Henry Kupfer vielleicht ein Serienmörder sein könnte.

In eine ähnliche Richtung geht jetzt eine neue Eigenproduktion, die dreiteilige Reihe „Gottlos – Warum Menschen töten“, deren ersten Teil „Sex, Drugs; Rock’n‘ Roll“ am Montag (15. 02.) um 20.15 Uhr bei RTL II läuft. Die drei 45-minütigen Filme erzählen in sich geschlossene Geschichten, die von authentischen Verbrechen in der Lebenswelt junger Menschen inspiriert sein sollen.

Es gehe um die „Entwicklung zwischenmenschlicher Beziehungen – bis hin zur vollständigen Eskalation“, so die Ankündigung von RTL II. Als Regisseur und Drehbuchautor für alle drei Filme konnte der Grimme-Preisträger Thomas Stiller („Tatort“, „Die Gerichtsmedizinerin“) gewonnen werden. Als Schauspieler sind unter anderem Matthias Koeberlin („Kommissar Marthaler“), Jule Ronstedt und Ralph Herforth zu sehen, als Produzent fungiert Marc Conrad, langjähriger Programmdirektor von RTL. Die Reihe basiert auf dem niederländischen Format „The Godless“.

Der erste Film „Sex, Drugs; Rock’n‘ Roll“ spielt im rauen Biker-und Rockermilieu. Die arbeitslose Lisa (Sylta Fee Wegmann) kommt von ihrem gewalttätigen Freund, dem tätowierten, glatzköpfigen Biker Frank (Antonio Wannek), nicht los. Erst als der furchterregende Frank seine Rockerbraut krankenhausreif prügelt, macht Lisa Schluss, und freundet sich mit dem umgänglichen Fliesenleger Alex (Lasse Myhr) an. Aber mit dem Weichei Alex wird die alkoholabhängige Lisa nicht glücklich, und ihr skrupelloser Exfreund sinnt bereits auf Rache.

Der Auftaktfilm ähnelt einer eher freudlosen Versuchsanordnung, garniert mit ein paar Sexszenen, einigen Besäufnissen und ohrenbetäubender Rockmusik. Was muss passieren, bis ein Mensch zum Mörder wird? Psychologisch wirklich ausgefeilt ist diese Konstellation leider nicht, es überwiegt die plakative, manchmal reißerische Innnenansicht eines gewälttätigen, verrohten Milieus. Da ist für die nächsten beiden „Gottlos“-Folgen noch viel Luft nach oben.

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