Ernüchternde Q4-Bilanz: Twitter verzeichnet erstmals weniger Nutzer

Tief, tiefer, Twitter: Der Absturz des 140-Zeichen-Dienstes nimmt kein Ende
Tief, tiefer, Twitter: Der Absturz des 140-Zeichen-Dienstes nimmt kein Ende

Digital Economy Die Unkenrufe haben nicht getrogen: Twitter steuert immer schwierigeren Zeiten entgegen. Bei der Bilanzvorlage für das abgelaufene vierte Quartal musste CEO Jack Dorsey eingestehen, dass sich die Anzahl von Twitters aktiven Nutzern gegenüber dem Vorquartal erstmals geringfügig verringert hat. Dass die Umsätze trotzdem um immerhin 48 Prozent wuchsen, interessierte die Wall Street da kaum noch – die angeschlagene Twitter-Aktie fällt nachbörslich weiter zurück.

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Twitters Stunde Null ist angebrochen. Von Quartal zu Quartal kritisiert die Wall Street Twitters immer langsameres Nutzerwachstum, nun ist es ganz versiegt. Für das abgelaufene Weihnachtsquartal konnte Twitter genau 320 Millionen Nutzer ausweisen, die mindestens einmal im Monat aktiv waren –  immerhin 10 Prozent mehr als im Vergleichszeitraum im Vorjahr. Die Wall Street hatte jedoch zumindest mit 323 Millionen Nutzern gerechnet.

Der Betrachtungszeitraum ist dabei aber nur bedingt aussagekräftig. Im Vergleich zum September-Quartal konnte Twitter seine Nutzerzahl nämlich erstmals nicht mehr steigern: Auch vor drei Monaten wurden bereits 320 Millionen Mitglieder vermeldet. Im Detail jedoch ist die Entwicklung noch besorgniserregender: Erstmals gingen die Nutzerzahlen im Heimatland zurück – nach 66 Millionen nutzen nun nur noch 65 Millionen Amerikaner den einst heißgeliebten 140-Zeichen-Dienst.

Nutzerzahl schrumpft leicht, Umsätze explodieren um 48 Prozent

Damit nicht genug: Die Anzahl der monatlichen Nutzer beinhaltet auch Mitglieder, die Twitter – ziemlich ungewöhnlich – per SMS nutzen. Ergebnis: Um die ominösen „SMS Fast Followers“ bereinigt, ist Twitters Mitgliederzahl tatsächlich das erste Mal geschrumpft – von 307 Millionen Nutzern im September-Quartal auf nunmehr 305 Millionen Menschen.

Im Schock um die schrumpfenden Netto-Nutzer ignorierte die Wall Street, dass Twitters Geschäfte weiterhin recht dynamisch wachsen. Im abgelaufenen vierten Quartal legten die Umsätze um immerhin noch 48 Prozent auf 710 Millionen Dollar zu – Twitter traf damit genau die Wall Street-Schätzungen. 90 Prozent der Umsätze erzielte der Social Media-Dienst durch Online-Werbung, 64 Prozent davon allein in den USA.

2015 immer noch 520 Millionen verloren

Beim Konzernergebnis konnte Twitter die Erwartungen der Wall Street sogar leicht überbieten. Statt einen Proforma-Gewinn von 12 Cent je Aktie konnte Dorsey 16 Cent je Anteilsschein präsentieren. Unterm Strich verlor Twitter in den drei Monaten von Anfang Oktober bis Ende Dezember aber immer noch 90 Millionen Dollar.

Schwacher Trost: Es war das erste Quartal seit dem IPO im November 2013, in dem Twitter „nur“ zweistellige Millionenverluste ausweisen musste. Im Gesamtjahr 2015 häufte der angeschlagene Social Media-Dienst dagegen immer noch ein saftiges Minus von 520 Millionen Dollar an.

Aktie stürzt nachbörslich auf neue Allzeittiefs

Besonders ernüchternd für Anleger: In der anschließenden Analystenkonfernez, die erneut im kruden Setting mit einigen technischen Pannen auf Periscope übertragen wurde, stellte Dorsey erst in den kommenden Jahren – The Economist nennt das Geschäftsjahr 2019! – Profitabilität in Aussicht.

Angesichts der dramatischen Kurseinbrüche, der schrumpfen Nutzerzahlen und der jüngsten Mitarbeiterflucht erscheint es aktuell völlig ungewiss, wie der Kurznachrichtendienst in den nächsten Jahren aussehen wird.

Aktionäre sind mit ihrer Geduld offenkundig am Ende und schickten die Twitter-Aktie nach Bilanzvorlage sofort um 14 Prozent auf nur noch 13 Dollar nach unten, ehe Schnäppchenjäger die Verluste auf 4 Prozent begrenzten.

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