Von Sendemasten bis Kunstsammlung: Verkauf des WDR-Tafelsilbers stockt

WDR-Intendant Tom Buhrow
WDR-Intendant Tom Buhrow Bild: WDR/Claus Langer

Das hat sich WDR-Intendant Tom Buhrow wohl auch anders vorgestellt, um die Finanzsituation des Senders aufzubessern. Erst erließ die NRW-Kulturministerin Ute Schäfer vor wenigen Monaten ein faktisches Ausfuhrverbot für die wertvollsten Bilder der Kunstsammlung, jetzt dauert auch noch der geplante Verkauf der 186 Sendemasten länger als gedacht. Erst Ende des Jahres soll der Millionen-Deal über die Bühne gehen.

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Von Gregory Lipinski

Er soll einen satten zweistelligen Millionenbetrag in die Kasse des Senders spülen: Der Verkauf von 186 Grundstücken samt Masten. Bereits Ende 2014 hatte die größte ARD-Anstalt hierfür eine öffentliche Ausschreibung gestartet. Anfang vergangenen Jahres sollten sich die Interessen melden und ihre Angebot abgeben. Geplant war dann der Verkauf Ende vergangenen Jahres.

Jetzt muss sich der WDR-Intendant weiter gedulden. Denn die Veräußerung der vielen Grundstücke als Paket ist schwieriger als gedacht. „Es handelt sich um einem komplexen und aufwändigen Prozess, bei dem zahlreiche Punkte zu berücksichtigen sind“, erklärt eine Sendesprecherin auf MEEDIA-Anfrage. Denn dem Vernehmen nach wird weiterhin um die Bewertung der Grundstücke und Masten durch potenzieller Erwerber gefeilscht, da sie sich in sehr unterschiedlichen Regionen befänden. Die Veräußerung des Sendemast-Pakets soll „aber bis Ende des Jahres abgeschlossen sein“, betont eine WDR-Sprecherin weiter. Sprich: der Sender wird voraussichtlich erst 2017 die Kaufsumme verbuchen können.

Dabei kann der WDR-Chef das Geld dringend benötigen, um das Finanzdefizit in den nächsten Jahren zu dämpfen. Zwar wird der Sender durch Kürzungen um 30 Millionen Euro in Verwaltung, Technik und Programm sowie einem geplanten Abbau von 50 Stellen in diesem Jahr einen ausgeglichenen Haushalt vorlegen. Doch in den Folgejahren drohen dem Unternehmen hohe Fehlbeträge. So rechnet der WDR bis Ende 2019 mit einem kumulierten Defizit von 164 Millionen Euro.

Wer auf die Sendemasten ein Auge geworfen hat, will der Sender zwar nicht nennen. In Branchenkreisen fällt aber immer wieder ein Name: der amerikanische Konzern American Tower Corporation. Das Unternehmen hatte bereits vor einigen Jahren von E-Plus rund 2.000 freistehende Mobilfunkmasten aus Stahl und Beton übernommen. Die Kaufsumme: Fast 400 Millionen Euro.

Auch aus dem Verkauf der lukrativen Teile der WDR-Kunstsammlung kann Buhrow vorerst wohl mit keinem Geld rechnen. Nach Angaben einer Sprecherin des Kultusministeriums in Nordrhein-Westfalen prüft die Behörde weiterhin, ob die zwei wertvollsten Gemälde der Sammlung in die Liste des nationalen Kulturguts aufgenommen werden: Das Gemälde „Möwen im Sturm“ von Max Beckmann und die „Berglandschaft mit Almhütten“ von Ernst Ludwig Kirchner.

Mitte des Jahres hatte die NRW-Kultusministerin Ute Schäfer ein faktisches Ausfuhrverbot für die beiden Bilder der rund 600 Kunstwerke umfassenden Sammlung erlassen. Die Gemälde wollte der WDR ursprünglich vom Auktionshaus Sotheby’s in London versteigern. Solange aber das Ausfuhrverbot gilt, ist dies dem Sender nicht möglich. Wann das Kultusministerium in NRW eine Entscheidung fällt, ist offen.

 

 

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