Protest am Baumwall: Freie formulieren fünf Forderungen an Gruner + Jahr

Gruner + Jahr hat seinen Verlagssitz am Baumwall in Hamburg
Gruner + Jahr hat seinen Verlagssitz am Baumwall in Hamburg

Publishing Die freien Mitarbeiter des Verlagshauses Gruner + Jahr haben erneut ihren Standpunkt in den Verhandlungen um Festanstellungen untermauert. Bei einer Betriebsversammlung haben die Freien einen Brief an G+J-Chefin Julia Jäkel verlesen, in dem sie unter anderem Anstellung im Rahmen des Tarifvertrags fordern. G+J ist derzeit wie viele Verlagshäuser bemüht, klare Vertragsverhältnisse zu schaffen.

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Wie Teilnehmer der Veranstaltung berichten, sei es eine „sehr gut besuchte“ Betriebsversammlung gewesen, zu der der Betriebsrate am Dienstagvormittag ins Foyer des Verlagshauses am Baumwall geladen hatten.Von Verlagsseite zu Gast waren COO Oliver Radtke, Personalchef Stefan Waschatz und stern-Herausgeber Andreas Petzold. An der Veranstaltung nahmen auch etliche freie Mitarbeiter teil.  Dem Vernehmen nach sind mehr als 200 Redakteure und Grafiker vom Thema Festanstellung bzw. Neuordnung der freien Mitarbeit betroffen.

Ihre Positionen hatten die Freien in einem Brief an Geschäftsführerin Julia Jäkel deutlich gemacht, die eine Sprecherin vertretungsweise verlas. Das Schreiben liegt MEEDIA vor. Bei der Veranstaltung argumentierten die Freien, „die Vorgänge“ im Verlag seien für sie „zutiefst beunruhigend“. „Viele von uns fürchten schlicht um ihre wirtschaftliche und berufliche Existenz.“

Die Freien verlangen, dass man die Betroffenen „gleichberechtigt“ in die Prozesse einbeziehe. Insgesamt stellen die betroffenen Mitarbeiter fünf Forderungen:

  1. Verträge, „die bisherige Arbeitsumfänge zeitlich widerspiegeln“
  2. „Bezahlung und Arbeitsgestaltung nach geltenden Tarif- und Manteltarifverträgen für Redakteurinnen und Redakteure an Zeitschriften“
  3. Keine Befristungen
  4. Überbrückungsgelder für jene, die „nicht in ein festes Arbeitsverhältnis wechseln wollen oder denen aus betrieblichen Gründen kein Vertrag angeboten wird“
  5. Planungssicherheit durch die Nennung eines Stichtages, an dem die Neueinstellungen vollzogen werden

Zum Ende ihres Schreibens an Jäkel formulierten die Freien, dass man „das wirtschaftliche Risiko dieser Maßnahme“ nicht alleine tragen wolle. „Ihnen, Frau Jäkel, und Ihren Kollegen war in der Vergangenheit sehr wohl klar, dass die Beschäftigung vieler fester Freier bei Gruner + Jahr in einer rechtlichen Grauzone geschieht.“

Hintergrund der Proteste der freien Mitarbeiter von G+J sind derzeit die Überprüfungen der bisherigen Arbeitsstrukturen. Die Manager am Baumwall sind derzeit, wie alle Medienunternehmen, dazu angehalten, vor allem freie Arbeitsverhältnisse zu überprüfen. Hintergrund sind zum einen bundesweite Ermittlungen von Behörden wie auch der Rentenversicherung in Sachen Scheinselbstständigkeiten (MEEDIA berichtete) und zum anderen Reformpläne aus Berlin. So will Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) die Kriterien zur Feststellung von Scheinselbstständigkeiten verschärfen.

In der vergangenen Woche kamen Verlagsvertreter und Freie zum ersten Mal zu einer Informationsveranstaltung zusammen. Die Gesprächsbereitschaft seitens des Verlages habe man grundsätzlich als positiv empfunden, berichtet ein Teilnehmer. Allerdings habe dieser Termin weder Ängste noch Befürchtungen genommen. G+J-Personalchef Stefan Waschatz erläuterte die Überlegungen,  wie zukünftig verfahren werden soll, auch gegenüber MEEDIAUnter anderem machte Waschatz deutlich, dass den betroffenen Mitarbeitern Festanstellungen in der Tochtergesellschaft Gruner + Jahr Medien GmbH angeboten werden sollen. Das Unternehmen sei zwar nicht tarifgebunden, allerdings würde den Mitarbeitern faire Gehälter wie auch Sonderleistungen gezahlt. „Wir stellen die Betroffenen in seit vielen Jahren bestehende G+J-Firmen an, wir beteiligen selbstverständlich den Betriebsrat“, so Waschatz gegenüber MEEDIA.

Auf einen Stichtag für den Abschluss der Umstrukturierungen wollte man sich bei Gruner + Jahr nicht festlegen. Man widerspricht zugleich Gerüchten, dass der Personalwandel bis zum 1. April vollzogen werde. „Alle Beteiligten, die Chefredakteure ebenso wie die Freien, befinden sich in diesem rechtlich wirklich komplexen Gebiet in einem Lernprozess“, so Waschatz. Wie genau Festanstellungen und auch Weiterbeschäftigungen als Freie möglich sein werden, hänge davon ab, wie Chefredakteure ihre Budgets verwalten. Das Chefredakteursprinzip, das man am Baumwall verfolgt, stößt bei den Freien auf Kritik. Der Verlag wolle die Verantwortung auf die Redaktions-Chefs abwälzen heißt es. In Verlagskreisen sieht man das anders und verweist darauf, dass es unangemessen wäre, wenn die Ansagen aus redaktionsfernen Verlagsetagen kommen würden.

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Alle Kommentare

  1. ….aha..interssant….*Das Unternehmen sei zwar nicht tarifgebunden, allerdings würde den Mitarbeitern faire Gehälter wie auch Sonderleistungen gezahlt. *

    Würde mich interessieren…. Was der unterschied zwischen fairen Gehälter und tarifgebunden Gehälter ist… Damit ich verstehen kann was der Verlag unter „fair“ versteht….;-)

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