„Die Lage“: Auch der Spiegel startet Newsletter für Entscheider aus Politik und Wirtschaft

Klaus-Brinkbaeumer-Florian-Harms.jpg

Keine Angst vor der Nachahmung: Was Handelsblatt-Herausgeber Gabor Steingart 2011 begann und etliche Medien (u.a. Tagesspiegel, Zeit, FAZ) seit längerem betreiben, hat jetzt auch Spiegel und Spiegel Online auf den Plan gerufen. Unter dem Titel "Die Lage – Morning Briefing" wird ab sofort ein werktäglicher Früh-Newsletter für "Entscheider aus Politik, Verwaltung und Wirtschaft“ angeboten.

Anzeige

Wie Magazin-Chefredakteur Klaus Brinkbäumer sowie sein Online-Kollege Florian Harms mitteilten, wird der Newsletter jeweils morgens um 6 Uhr versandt. Bei der Namenswahl war man an der Ericusspitze allerdings nicht gerade kreativ – die Wortschöpfung erscheint wie ein Mix aus dem bereits existierenden „Morning Briefing“ Steingarts und der „Morgenlage“ des Tagesspiegel. Der Autorenkreis beim neuen Letter aus dem Spiegel-Hochhaus ist recht weit gefasst. So schreibt immer ein Mitglied der Print- oder der Online-Redaktion. Zudem sollen auch die Leiter des Hauptstadtbüros für die E-Mail in die Tasten hauen. Angereichert wird „Die Lage“ zudem noch mit den wichtigsten Nachrichten aus der Nacht. Diese sollen die Newsdesks in Sydney und Washington zuliefern. „Wir erzählen und fassen zusammen, was man zum Start in den neuen Tag wissen muss“, erklärt Spiegel-Chefredakteur Klaus Brinkbäumer das Konzept. Und weiter: „Neu ist die Kombination von Analyse, Kommentar und kompaktem Nachrichtenüberblick. Und dieses Paket erhalten unsere Leser jetzt jeden Morgen.“

„Der Newsletter ist aus der Verzahnung der Redaktionen von Spiegel und Spiegel Online in unserem Hauptstadtbüro entstanden“, erläutert SpOn-Boss Florian Harms die Entstehungsgeschichte. „Die Autoren werden neben pointierter Meinung auch Informationen und Beobachtungen aus dem politischen Betrieb in Berlin und zum Weltgeschehen liefern. Unser Newsletter soll für Entscheider in Politik, Verwaltung und Wirtschaft zur morgendlichen Pflichtlektüre werden.“

Den ersten Newsletter haben die beiden Chefredakteure zusammen verfasst – und es ist ein langes Schreiben geworden. Die beherrschenden Themen sind politischer Natur. Es geht um den Vorwahlkampf in den USA, Yanis Varoufakis und den Besuch von Wolfgang Schäuble beim „französischen Patienten“. Der Ton, den Brinkbäumer und Harms anschlagen, ist dabei weitgehend sachlich.

Morgendliche Newsletter sind inzwischen ein Boom-Sektor im Online-Journalismus. Im Laufe der vergangenen Jahre zeichnete sich immer stärker ab, dass viele Nutzer bereits in den frühen Morgenstunden auf der Suche nach Einordnung und Orientierung sind. Die Mutter aller Morgen-Letter kommt wohl aus den USA: Mit seinem Playbook kreierte Politico im Grunde das Vorbild aller deutschen Früh-Briefings.

In der deutschen Web-Landschaft gibt es längst von fast allen großen Playern Früh-Post in den unterschiedlichsten Ausprägungen: So kommentiert Handelsblatt-Herausgeber Gabor Steingart das Wirtschafts- und Weltgeschehen seit Jahren mit unverkennbar spitzer Feder, was ihm bereits mehr als 600.000 Abonnenten eingebracht hat. Mit dem Checkpoint schuf der Tagesspiegel-Chefredakteur Lorenz Maroldt mit gewaltigem Einsatz und mit Kodderschnauze eine eigene kleine Berliner Lokal-Zeitung. Die Zeit bietet gleich zwei Newsletter: einen politischen Kommentar, der jeden Morgen um acht kommt und einen Regional-Newsletter für Hamburg. In Frankfurt melden sich täglich die FAZ-Herausgeber mit der „Hauptwache“ zu Wort. Es wird interessant sein zu beobachten, ob es der Spiegel-Spitze gelingt, nicht nur einen eigenen Ton, sondern auch eine Marktlücke zu finden, die groß genug ist, den Anspruch der Macher gerecht zu werden. Bekanntlich sollen Spiegel-Leser ja immer mehr wissen – auch morgens um sechs.

 

MEEDIA ist ein Unternehmen der Verlagsgruppe Handelsblatt

Anzeige
Anzeige

Alle Kommentare

  1. Ich als Entscheider und Elite-Oberschichtsmensch bin natürlich hellauf begeistert, NOCH EIN Morgennewsletter „vom CHEFFFFRedakteur“ mit den WICHTIGSTEN WICHTIGKEITEN und allem was WICHTIG ist… in den Augen von SPON.

    Da halte ich es lieber mit einer Auswahl an Meldungen die auch andere Seiten als den eigenen Klüngel einbezieht und ohne Sport und Promis auskommt.

  2. In meinen Augen ist der Versuch in die Hose gegangen.
    Zwei Cheffe blubbern – sowas langatmiges an Geschreibsel will morgens um 6°° keiner wirklich lesen. Der andere Versuch mit dem Liveticker war schon was anderes, wird aber durch die Lustlosigkeit der Redakteure und das stete Verschlafen (meist beginnen sie erst gegen 7°° statt um 6°°) zunichte gemacht.
    Kurz: Nette Ideen, leider unklug umgesetzt.

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige