Anzeige

„Der Bachelor“: Warum das Publikum vor dem Muckimann mit Dackelblick Reißaus nimmt

Können diese Dackelaugen lügen? Ergo-Mitarbeiter Leonard Freier ist „der Bachelor“
Können diese Dackelaugen lügen? Ergo-Mitarbeiter Leonard Freier ist "der Bachelor"

Das Dschungelcamp ist vorbei und was soll der Freund anspruchsvoller TV-Unterhaltung nun gucken? Den „Bachelor“ vielleicht? Jenes Format, das 100 Jahre Emanzipationsbemühungen mit einer lockeren Spülbewegung ins Klosett befördert, trotzdem aber gerade bei Frauen beliebt ist. Die Anziehungskraft des „Bachelor“ war schon immer mysteriös. In diesem Jahr werden Zuschauer aber auf eine besonders harte Probe gestellt.

Anzeige
Anzeige

Das liegt weniger an Damen und Dämlichkeiten, die um die Gunst des „Bachelors“ stöckeln und stänkern. Die sind wie jedes Jahr eine Masse aus Beinen, Haare, Lippen, Kleidchen und Bikinis: absolut ununterscheidbar. Als Person erkennbar wird eine der Bachelor-Ladies bezeichnenderweise erst ein Jahr später, wenn sie ins Dschungelcamp einziehen darf.

Das Problem des „Bachelors“ in diesem Jahr ist der Bachelor. Ein muskulöser, hamsterartiger Mann namens Leonard Freier, der für die wegen Puff-Sausen in Verruf geratene Versicherung Ergo schafft (kein Witz!). Er hat außerdem einen leichten S-Fehler und eine TOCHTER! Wir sehen Herrn Freier, wie er mit entblößtem Oberkörper an Deck einer Luxusyacht vor Miami versucht, trotz seiner vielen Muskeln zu tanzen und wissen plötzlich ganz genau, wofür das Wort Fremdschämen erfunden wurde.

Wir hören, wie Herr Freier alle fünf Minuten erwähnt, dass er eine TOCHTER hat, die das Wichtigste, Größte, Galaktischste, Gewaltigste und überhaupt in seinem Leben ist.

Wir nehmen zur Kenntnis, dass RTL zur Werbepause fragt, ob der Bachelor Leonard oder Karl Heinz heißt. Das wäre doch eigentlich mal erfrischend, wenn so ein gestriegelter Lackel auf den Namen „Karl Heinz“ hören würde. „Hallo Ladies, ich bin’s, der Karl Heinz“. Passiert natürlich nie.

Wir sehen mit Befremden, wie die Bachelor-Anwärterinnen eine schräg-dahinscheppernde „Performance“ von „Don’t cha“ der Frauenrechtler-Kombo Pussycat Dolls zum Besten geben.

Anzeige

Am Ende, bei der „Nacht der Rosen“ hat dann Jene ganz überrascht keine Rose zu bekommen, die es zuvor gewagt hatte Bachelor Leonardo I. wegen seiner Fixierung auf seine Ex-Freundin, die ja auch Mutter seiner TOCHTER ist, zu kritisieren. Die junge Dame dachte wohl, dass es irgendwie gut ankommt, wenn sie sich kritisch und ein bisschen widerborstig gibt. Aber, haha, wir sind hier beim „Bachelor“, junge Dame: Der Muskel-Hamster mit den gezupften Augenbrauen hat Schicksen wie Dich im Dutzend billiger im Regal stehen und da ist es eine bewährte Bachelor-Regel, dass jede Frau, die auch nur einen Anflug von Kritik äußert, subito rauszufliegen hat. Vielleicht hat sie sich aber auch extra so angestellt, damit sie sich endlich von ihrem schmerzlich vermissten Chihuahua wieder ablecken lassen kann.

Es ist eines der unerklärlichsten Phänomene, dass ein derart rückständiges, bummdummes und frauenverachtendes Format wie „Der Bachelor“ bislang mit erstaunlich großem Erfolg lief und sogar unter schrägen Gesichtspunkten einen bisweilen ganz gut unterhalten konnte. Vielleicht, weil das Narrativ des Bachelors so unfassbar Fantasy-mäßig ist, dass es ohnehin niemand ernst nehmen kann. Da darf dann auch die intelligente, junge Frau mit einem Glas Prosecco oder diesem zuckrigen Gesöff, das sie bewerben, zusammen mit Freundinnen auf dem Sofa hocken und sich über die Tussneldas im TV beömmeln. Ist ja total ironisch. Ist natürlich auch wieder ein furchtbares Klischee, aber manchmal stimmen die halt.

In diesem Jahr aber hat sich auch der ölige Ironie-Charme des Formats „Bachelor“ abgenutzt. Dieser Muckimann mit Dackelblick und Hamsterbacke taugt vermutlich wenig als Projektionsfläche fürs weibliche Publikum. Während sich das Dschungelcamp stark wie eh und je präsentierte, ist dieser Bachelor seltsam schlapp. Das Publikum quittiert dies mit Flucht. So gingen dem Bachelor seit der Auftaktfolge vergangener Woche eine Million Zuschauer flöten.

Lieber Muskel-Bätscheler: Heute gibt es leider keine Rose für Dich!

PS: Wurde schon erwähnt, dass der Bachelor eine TOCHTER hat?

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige

Alle Kommentare

  1. Danke für diese bissige und auf den Punkt gebrachte Rezension. Ich habe die erste Folge gesehen und habe mich da schon gefragt, wer diese Sendung wohl dauerhaft anschaut. Jetzt wissen wir’s!

    @Sylvia Knittel und Matthias: Es ist nicht schlimm, dass man eine Tochter hat. Nur in einem Format wie diesem halt ungewöhlich. Vor allem, wenn dies massiv hervorgehoben wird

  2. Kapier‘ ich jetzt nicht, was schlimm daran ist, eine Tochter zu haben. Und daß Eltern gerne von ihren Kindern reden, ist das natürlichste auf der Welt. Und in Zeiten von Patchwork-Familien einen kinderlosen, ledigen Kerl zu erwarten ist ja wohl eher altmodisch….

  3. Bachelor hin Bachelor her, wer den Käse schauen will, soll ihn schauen. Aber dieser Artikel ist das allerletzte. Was soll bitte daran schlimm sein, wenn jemand eine Tochter hat, Herr Winterbauer? Glücklicherwiese ersparen Sie uns die Detailbeschreibungen der Damen, die ja vielleicht sogar einen SOHN haben…

  4. Stefan Winterbauer, ich habe schon viele Artikel über Dschungelcamp, Bachelor und co. gelesen. Alle waren gut analysiert.
    Aus deinem Text spricht förmlich der Neid. Ich nehme an du hast ein Problem mit Männern die mehr zu bieten haben. Er ist kein Paradebeispiel und man kann hinterfragen, was die Gründe sind, an einer solchen Show teilzunehmen aber:
    Ein attraktiver Mann, der ‚trotz seiner vielen Muskeln tanzt‘?
    Sachen gibt’s..

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*