Springer angelt sich den nächsten Ex-Spiegel-Chef: Wolfgang Kaden wird Autor bei Bilanz

Wolfgang Kaden wirkt künftig als Autor für Springers Wirtschaftsmagazin Bilanz
Wolfgang Kaden wirkt künftig als Autor für Springers Wirtschaftsmagazin Bilanz

Stefan Aust, Arno Balzer, Klaus Boldt – immer mehr Ex-Spiegel-Topleute holt Springer-Chef Mathias Döpfner an Bord. Jetzt gewinnt er auch noch den ehemaligen Spiegel- und MM-Chef-Blattmacher Wolfgang Kaden für das Medienhaus. Kaden arbeitet künftig für den Wirtschaftstitel Bilanz. Mit ihm steht damit der zweite ehemalige Spiegel-Chefredakteur nach Stefan Aust in den Diensten von Axel Springer.

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Von Gregory Lipinski

Das hätte es vor einigen Jahren nicht gegeben, dass Spiegel-Topleute zum publizistischen Erzfeind Axel Springer wechseln. Doch Springer-Boss Mathias Döpfner schafft es erneut, einen renommierten Spiegel-Granden auf die Seite des Berliner Zeitungsriesens zu ziehen. Wolfgang Kaden, der von 1991 bis 1994 das Nachrichtenmagazin Spiegel leitete, arbeitet ab sofort als ständiger Mitarbeiter für den Wirtschaftstitel Bilanz.

Damit steht bei Döpfner bereits der zweite frühere Spiegel-Chefredakteur auf der Gehaltsliste. Erst Ende 2013 machte der Springer-Boss den ehemaligen Spiegel-Chef Stefan Aust zunächst zum Herausgeber der Welt-Gruppe, ab Anfang des Jahres dann zum Chefredakteur. Zudem verpflichtete Döpfner viele andere Koryphäen aus der zweite Reihe der Spiegel-Redaktion für die Berliner Tageszeitung. So landete der frühere und inzwischen verstorbene Spiegel-Kulturressortleiter Hellmuth Karasek vor vielen Jahren bei der Welt, Henryk M. Broder, ging Ende 2010. 

Auch sein Wirtschafts-Flaggschiff Bilanz besetzte Döpfner hochkarätig mit Journalisten aus dem Spiegel-Lager. Er machte Arno Balzer, der zehn Jahre lang Chefredakteur des zum Spiegel gehörenden Wirtschaftstitels Manager Magazin war, Anfang 2014 zum Herausgeber der Zeitschrift und setzte dessen rechte Hand an die Spitze der Redaktion: den Wirtschafts- und Medienjournalisten Klaus Boldt. Der freut sich über den Neugang. „Ich halte Wolfgang Kaden für einen der profiliertesten Journalisten Deutschlands“, betont der Bilanz-Macher.

Kaden will auf seine alten Tage vor allem über seine Lieblingsthemen schreiben: Makroökonomie und Volkswirtschaft. So wirft der 76-Jährige vor allem ein Auge auf die krude Wirtschaftspolitik der Europäischen Zentralbank, die mit ihrer ultralockeren Geldpolitik ein Zins-Dumping in Europa auslöste. In der nun am Freitag erscheinenden Bilanz-Ausgabe nimmt der gebürtige Frankfurter zunächst die Bildungspolitik scharf aufs Korn. Er widmet sich dabei dem Akademisierungs-Wahn in Deutschland.

Doch nicht alle früheren Spiegel-Leute wurden bei Springer glücklich. Beherzt trennte sich das Berliner Zeitungshaus erst vor kurzem von seinem Welt-Kolumnisten Matthias Matussek. Vorausgegangen war ein Streit wegen eines Facebook-Eintrags, in dem der Journalist die Anschläge von Paris mit der Flüchtlingsdebatte in Verbindung gebracht hatte.

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Alle Kommentare

  1. Es ist bedauerlich, dass meedia.de zwar Kommentare zur Personalie Kaden (76) ermöglicht, nicht aber zu den relevanteren Themen Hayali und Petry.

    Hayali sagte bei der Preisverleihung: „Seien Sie offen! Legen Sie doch gern den Finger in die Wunde und streiten Sie mit uns, diskutieren Sie mit uns, weisen Sie uns auf Fehler hin.” Gerade das wird aber verhindert, indem Kommentare unterbunden werden, nicht nur hier. Im übrigen ist der Vorschlag ziemlich heuchlerisch, „mit uns” zu „streiten” oder zu „diskutieren”, wie jeder bestätigen kann, der jemals versucht hat, eine/n Redakteur/in ans Telefon zu bekommen.

    Petry wiederum hat nichts anderes getan, als ihre Äußerungen im Zuge der Autorisierung zu redigieren (und nicht etwa zu „zensieren”; das können nur andere). Sich darüber seitens der Rhein-Zeitung hinwegzusetzen, ist eine eklatante Verletzung journalistischer Normen und Usancen. Eine Redaktion, die einen solchen Vertrauensbruch legitim findet, hätte erst gar nicht mit Petry reden sollen. Aber vielleicht hat sie auf solch eine gezielte Indiskretion sogar spekuliert?

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