Premiere des Kino-„Tatorts“: Wie Til Schweiger (wieder mal) die Filmkritiker düpiert

Til Schweigers „Tatort“-Kinofilm: „Tschiller: Off Duty“
Til Schweigers "Tatort"-Kinofilm: "Tschiller: Off Duty"

Diesen Donnerstag startet Til Schweigers „Tschiller: Off Duty“, der erste „Tatort“-Kinofilm. Wie schon bei vorherigen Kinofilmen des erfolgreichen Schauspielers und Regisseurs gab es auch dieses Mal kein Vorab-Screening für Journalisten und TV-Kritiker. Angesichts der öffentlich-rechtlichen Kofinanzierung eine fragwürdige Entscheidung. Immerhin gehört der Film zur Marke „Tatort“.

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Die deutschen Fernsehzuschauer und ihr „Tatort“: ein unzertrennliches Liebespaar. Durchschnittlich acht bis zehn Millionen Menschen schalten die Krimis am Sonntagabend ein und auch zahlreiche Medienkritiker arbeiten sich jede Woche mit großer Leidenschaft an den neuesten Fällen ab. Ein „Tatort“ im Kino ist dabei eine absolute Seltenheit – doch Vorab-Rezensionen sind diesmal nicht möglich.

„Das Verhältnis Feuilleton/Til Schweiger, das wird nix mehr“

Dass Till Schweiger es Journalisten verwehrt, seine Filme vor dem offiziellen Kinostart zu sehen, ist keine Neuigkeit. Seit „Keinohrhasen“ im Jahr 2007 verzichtet er bei seinen Kino-Produktionen weitestgehend auf Pressevorführungen. So hatte er der dpa einmal gesagt: „Das Verhältnis Feuilleton/Til Schweiger, das wird nix mehr, das passt nicht zusammen.“ Als seine wichtigsten Kritiker sieht er seit jeher die Zuschauer.

Überhaupt fällt es Schweiger schwer, ausgeruht auf Kritik zu reagieren. Zuletzt beschimpfte er all diejenigen als „kleine und schwache Trottel“, denen sein „Tatort: Fegefeuer“ nicht gefallen hatte. Sie hätten – im Gegensatz zu ihm natürlich – keine Ahnung von der „Craft( Materie)….KUNST….“. Sowieso würden alle nur noch für die Klicks und die Quote auf den „lieben Tili draufkloppen“, wie er zuletzt im stern-Interview beklagte. Dass er seine Filme nur noch ausgewählten Journalisten im Vorfeld zeigt und alle anderen mit einem Ausschluss abstraft, ist für ihn offensichtlich die einzig logische Konsequenz aus diesem Zustand. Dem Erfolg seiner Filme hat dies bislang freilich noch keinen Abbruch getan, sie sind seit Jahren kommerzielle Hits. Mit „Keinohrhasen“, „Kokowääh“ oder zuletzt „Honig im Kopf“ bedient er gekonnt den Mainstream.

„Bedenklicher“ Ausschluss von Journalisten

Sein konsequentes Nicht-Bedienen der Film- und Fernsehkritiker hat er jetzt auf die größte Unterhaltungsmarke der ARD übertragen, de „Tatort“. Schon bei „Fegefeuer“ gab es, offiziell aus „Angst vor Spoilern“, kein Pressescreening. Und auch der Start des Kino-„Tatorts“ wird zwar mit zwei Premierenpartys in Berlin und Hamburg gefeiert – zu sehen gibt es den Film jedoch nicht.

Christian Buß, Redakteur für Medien-, Film- und Popkultur bei Spiegel Online sowie fleißiger „Tatort“-Rezensent, hält diese Entscheidung für mindestens fragwürdig. „Wenn Produzent Schweiger als privater Unternehmer seine Filme vorab nur ihm wohlgesonnenen Journalisten zeigt, ist das in Ordnung. Macht er das gleiche mit Filmen, die massiv öffentlich-rechtlich kofinanziert werden, ist das bedenklich“, betont er gegenüber MEEDIA.

„Mit dem klassischen Tatort hat es nicht mehr viel zu tun“

Nach eigenen Angaben hat der NDR in die Produktion des Kinofilms lediglich so viel investiert wie in jede andere „Tatort“-Folge auch. „Da die Höhe des Filmbudgets von acht Millionen Euro längst kein Geheimnis mehr ist, wäre der NDR wohl mit mindestens 1,7 Millionen dabei, vermutlich sind es noch ein paar Euro mehr“, stellt Zeit Online fest. Auch die Filmförderungsanstalt (FFA), das Medienboard Berlin-Brandenburg und die Filmförderung Hamburg/Schleswig-Holstein haben die Produktion mit insgesamt zwei Millionen Euro unterstützt. Da der NDR an „Off Duty“ mit etwas mehr als einem Fünftel der Produktionskosten beteiligt sei, trage das wirtschaftliche Risiko für die Kino- und DVD-Auswertung der Verleiher Warner Bros. Deutschland, erklärt ein Sprecher des Senders im Gespräch mit MEEDIA. „Vor diesem Hintergrund liegt dort auch die Hauptverantwortung für die Pressearbeit zum Kinostart, so wie generell bei Kino-Koproduktionen üblich.“

Thomas Schreiber, der NDR-Redakteur von „Tschiller: Off Duty“, verspricht im Vorfeld einen „unterhaltsamen Kinofilm, der mit der Marke ‚Tatort‘ spielt“. Produzent Sigi Kamml geht noch einen Schritt weiter und erklärt: „Mit dem klassischen ‚Tatort’ hat es nicht mehr viel zu tun.“ Dennoch habe der NDR genauso Einfluss genommen wie bei jeder anderen „Tatort“-Folge fürs Fernsehen und zwar „äußerst angenehm und kooperativ“.

Bezüglich der Vermarktung scheint die ARD jedoch wenig bis keinen Einfluss zu haben – eine in der Tat bedenkliche Entscheidung angesichts der Tatsache, dass der Kinofilm immerhin unter der Dachmarke „Tatort“ entsteht. Da sollte es eigentlich selbstverständlich sein, dass der Koproduzent eine Umgangskultur mit den Filmjournalisten einfordert, die für ihn sonst selbstverständlich ist. Der NDR scheint mit den „Tatort“-Extravaganzen seines Stars allerdings keine Probleme zu haben. Wie Til Schweiger der Mitteldeutschen Zeitung sagte, habe er bereits für vier weitere Filme unterschrieben.

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Alle Kommentare

  1. Wieso sollte eine öffentliche Mitfinanzierung den Journalisten ein Recht auf Vorzugsbedienung geben? Warum überhaupt glauben sie, Kino- oder TV-Filme vor ihrem offiziellen Start sehen zu müssen? Weil sie – egal bei welcher Beurteilung – immer Werbung für die Streifen machen? Ich kann mit Schweiger nicht viel anfangen, aber mit den meisten Schreiben im Feuilleton noch weniger.

  2. achgott, so ein Pharisäertum diese Journalisten… bei jeder Runde einer etablierten Partei den Arsch zu zusammen kneifen und nur keine falsche Frage stellen damit man beim nächsten mal wieder dabei ist, aber bei jeden anderen der hin und wieder nicht konform geht, gleich schiessen. liebe frau burgard-arp, wenn sie versuchen würden,ernsthaften und guten journalismus zu praktizieren, dann sehe ich bei etwas wo es wirklich drauf ankommt das wort „bedenklich ausschluss“ anzubringen oder versuchen sie doch – wie guter holländischer journalist- unserer tollen kanzlerin zu, fragen sie einem kassenwart vertraut… der ach, recheriren sie doch selbst!

  3. Ach je, noch 4 mal Baller-Tatort…. zum Haare raufen! Wann darf das Publikum endlich Kommissare ABWÄHLEN?

  4. Oh je, fühlt sich hier ein Kritiker persönlich beleidigt, weil er bei Til Schweiger seine liebgewonnene Sonderbehandlung nicht bekommt? Fakt ist, der NDR ist nur Minderfinanzierer und es ist zunächst einmal ein Kinofilm, der später unter der Marke „Tatort“ ausgestrahlt wird. Und damit hat Til Schweiger das Recht, seine Policy durchzusetzen, ob es einem gefällt oder nicht.

  5. War heute mit meiner Frau in dem Schweiger Film. Leider war das Kino ziemlich leer aber der Film ist erste Sahne. Unterhaltsam beste Lokation ja eine Art James Bond mit deutschen Schauspielern. Einfach wunderbar..eben unrealistisch aber doch klasse in der Action usw. Mir gefielen die Folgen im Fernsehen auch so gut das ich diesen noch im Kino sehen wollte. Hat sich gelohnt und solange der Til Fiktion und Wirklichkeit noch auseinanderhalten kann super. Auch die Rollen der Bösen klasse besetzt. Also ich freue mich auf weitere Filme!!!!!!!!!!!!

  6. War nix mehr vom Buffet übrieg? War der Sekt nur dritte Wahl? Stank der Kaviar nach Fisch? Sind die Laptops zum J-Preis alle weg?
    ( Journalistenpreis=reduziert)
    Gibts keine tollen goldprint Visitenkarten mehr? Tja, dann will man wenigsten ins Kino! Aber nix da!! Unglaublich wie sich diese jounarlistische Bourgoise so gibt… tztztzt… Ich würde mich schämen…

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