Reporter Ronzheimer an der IS-Front: Bild bringt erste Virtual-Reality-Reportage

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Es ist, als ob ein alter Traum der Bild-Macher in Erfüllung gehen würde: Ab sofort können die Leser mittendrin statt nur dabei sein. Die Berliner haben ihre erste Virtual-Reality-Reportage produziert. Paul Ronzheimer und Claas Weinmann nehmen die Zuschauer mit an den Front-Verlauf zum IS. Mithilfe des Smartphones, einer Cardboard oder einer speziellen Brille sehen die Nutzer die Geschehnisse mit den Augen des Reporters zu sehen.

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Das Ergebnis ist beeindruckend. Der Kopf kann um 360-Grad gedreht werden. Immer ist alles zu sehen. Wenn ein Schuss fällt, fühlt es sich selbst für den Zuschauer an, als ob man direkt im Geschehen wäre.

Für alle anderen Nutzer, die nicht über eine spezielle Brille oder eine Papp-Vorrichtung für das Smartphone verfügen, ist die Reportage noch immer ein beeindruckender 360-Grad-Film.

Seit Tagen arbeiten die Berliner unter Hochdruck an der Umsetzung der neuen Technik. „Spätestens seit der CES war uns klar, VR kann ein gewichtiger Teil der Zukunft des Journalismus sein“, erklärt Bild.de-Chef Julian Reichelt gegenüber MEEDIA. „Uns ist es mit VR möglich, das alte Bild-Versprechen, die Leser so nah wie möglich an das Geschehen ran zu bringen, noch besser einzulösen. Das kann ein Kampfgebiet, das Oval-Office oder die Kabine der deutschen Nationalmannschaft sein.“

Jetzt präsentieren sie als erster Redaktion in Deutschland eine entsprechende Reportage.

Die technische Umsetzung erfolgte in Zusammenarbeit mit dem UFA Lab. Allerdings gibt es noch keine einheitliche Lösung für die Produktion und das Kamera-Equipment. Die aktuelle Ronzheimer-Reportage entstand mithilfe einer speziellen Konstruktion aus GoPro-Cams. Springer selbst ist allerdings auch dem US-Startup Jaunt beteiligt. Deren Technik soll ebenfalls bald zum Einsatz kommen.

Screenshot_2016-02-01-14-30-15So sieht die YouTube-Variante des VR-Films aus

Nicht nur das Filmen, sondern auch die Post-Produktion ist eine große Herausforderung. „Bei einem normalen Video näht man die Szenen einfach nacheinander in eine Reihe“, erklärt Reichelt. „Bei den VR-Clips ist es eher, als ob man einen Fußball zusammennäht. Es gibt zeitgleich immer in oben und unten, links und rechts.“

Aktuell planen die Berliner einige Projekte mit VR-Bezug. Wenn es ihnen dabei gelingen würde, jeden Monat zwei VR-Filme zu veröffentlichen, wäre schon viel geschafft. „Unser Ziel ist es natürlich die Technik so schnell wie möglich dahin zu entwickeln, dass wir die Filme auch recht zeitnah bei großen Nachrichten-Lagen einsetzen zu können“.

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Zum Start funktioniert der neue Service allerdings nur über Android-Geräte. Basis der Abspieltechnik ist neben der Brille einfach ein YouTube-Video. In den mobilen Video-Player der Google-Tochter ist ein Cardboard-Symbol integriert. Ein Klick auf den Button und schon geht es los. In iOS wird dieser Button noch blockiert.

Alle iPhone-Besitzer oder Nutzer ohne spezielle Brille müssen sich mit der – allerdings immer noch beeindruckenden – 360-Grad-Reportage begnügen.

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Alle Kommentare

  1. Das gute an 360°-Aufnahmen: Man kann den Horizont selbst drehen, damit kann man dann ausgleichen dass der Reporter vor Ort in der brenzligen Situation auch mal die Kamera schräg hält. Aber das haben die Trottel-Techniker bei der Trottel-Bild wohl noch nicht drauf und man muss den Großteil der Zeit den Kopf schräg halten beim schauen.

  2. Über Terrororganisationen und ihre Gewalttaten sollte man überhaupt keine Bilder bringen. Schon in den Nachrichten finde ich diese minutenlangen Darstellungen daneben. Auf Leute, die die Tendenz zur Radikalisierung haben, kann das wie eine Werbung wirken.

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