Wegen des neuen Mediengesetzes: Arte setzt Zusammenarbeit mit polnischem Sender TVP aus

Peter Boudgoust ist SWR-Intendant und Präsident von Arte
Peter Boudgoust ist SWR-Intendant und Präsident von Arte

Fernsehen Der deutsch-französische Sender Arte setzt nach Verabschiedung des neuen Mediengesetzes in Polen die Zusammenarbeit mit dem polnischen Fernsehsender TVP bis auf weiteres aus. Wie der Sender am Freitag mitteilte, werde es keine neuen Koproduktionen geben, solange Arte nicht die Gewissheit habe, dass die Meinungsfreiheit, die redaktionelle Vielfalt und die Unabhängigkeit des öffentlich-rechtlichen Senders gewährleistet seien.

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Das umstrittene Mediengesetz gibt der nationalkonservativen Warschauer Regierung die Möglichkeit, über Führungsposten in den öffentlich-rechtlichen Medien zu entscheiden. Neuer Fernsehchef bei TVP wurde vor kurzem der nationalkonservative Politiker Jacek Kurski. Seitdem wurden mehrere Journalisten der Nachrichtensendungen entlassen oder kündigten selbst.

In einem Brief an Kurski betonte Arte-Präsident Peter Boudgoust, dass in den kommenden Monaten wieder eine engere Zusammenarbeit möglich sei. Zwischen Arte und TVP besteht den Angaben zufolge seit 2001 eine Assoziierungsabkommen.

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Alle Kommentare

  1. die ÖR sollten erst mal vor der eigenen Haustüre kehren.In Polen läuft es nun nicht anders,wie bei unseren ÖR.
    Man sehe den politischen Einfluss,die einseitige Berichterstattung ganz im Sinne der politischen Parteien,das Spektakel um die Elefantenrunden,usw..
    Diese Doppelmoral widert nur noch an.
    Die Polen werden es sicherlich leicht verkraften.ohne diese deutsche Zusammenarbeit !

    Auch benötigen die Polen keine Ratschläge von deutschen Intendanten,die es genauso handhaben ,wie die Polen und die Frechheit besitzen,die Polen dafür zu kritisieren.
    Verkehrte Welt kann man dazu nur noch sagen!

    1. @Frank Meister: Es ist eben doch ein ziemlich großer Unterschied, ob wie in Deutschland ein Rundfunkrat aus verschiedenen Interessensverbänden und Parteien über die Sender-Chefs entscheidet, oder eben nur eine einzige Regierungspartei – wie seit kurzem in Polen. Da dort künftig auch noch der Justizminister gleichzeitig als Generalstaatsanwalt auflaufen darf, die Gewaltenteilung also massiv ausgehölt wird, befindet sich unser schönes Nachbarland auf dem besten Weg zur Autokratie. Dagegen Zeichen zu setzen, ist mehr als angebracht, auch wenn das Kaczinksy und Co erst mal kaum kratzen wird.

      1. Lieber Schwabenpfeil,

        sogar in der DDR gab es bekanntlich mehrere Parteien und die unterschiedlichsten Interessenverbände. Man wird aber wohl trotzdem eine gewisse Gleichschaltung nicht von der Hand weisen können. Nicht anders als beim heutigen bundesdeutschen Rundfunkrat.

        Dieser soll(te) einen Querschnitt aus der Bevölkerung abgeben. Die Praxis: nahezu alle dieser Mitglieder scheinen zu dem erlauchten Kreis zu gehören, welcher es sich bequem an den staatlichen Fleischtöpfen eingerichtet hat. Demokraten oder kritische Geister wird man dort wohl eher vergeblich suchen.

        CDU/CDU sowie SPD haben sich schon vor Jahr und Tag die ÖR-Medien zur zwangsfinanzierten Beute gemacht. Ob der Einfluss dieser Parteien auf die Programme nun unmittelbar oder mittelbar erfolgt – am Ergebnis scheint das nur wenig zu ändern.

        Wie es um unsere derzeitige Justiz bestellt ist, will ich hier nicht weiter erörtern. Es ist mit dieser wohl ganz offensichtlich nicht grundlegend anders als überall auf der Welt bestellt: Wes Brot ich ess …

  2. Hallo Frank Meister, so scheiden sich die Geister. Ist doch schön, dass man in D so etwas kritisieren darf, oder?
    Wie hohl, sorry: verbohrt muss man eigentlich sein, um das deutsche mit dem polnischen System zu vergleichen. Und dann Kommentare frech zu finden. Was denn: Meinungsäußerung erlaubt oder nicht?
    Wahrscheinlich gibt es in Ihrer Welt auch in Russland mehr Freiheit als in Deutschland. Und in der Türkei. Hauptsche gegen das miese schwarz-rot-grüne Lügenpressesystem anlabern, das die Gutmenschen hofiert und den ehrlichen Detuschen am liebsten aussterben sehen würde. Gähn!

  3. Herr Meister: In Deutschland wird um Meinungen gerungen und gestritten – selbst undifferenzierte und populistische Meinungen gehen in die veröffentlichte Meinung ein – diese Plattform hier bietet dafür (aus meiner Sicht immer häufiger: leider) ein gutes Beispiel. Sind diese Werte in der Substanz nicht mehr gewährleistet, dann muss gehandelt werden. Arte hat gehandelt und verdient hierfür Respekt.

  4. Justizminister Maas–da muss ich aber lachen..Das Wichtelmännchen kritisiert sogar ehemalige Verfassungsrichter,die darauf hingewiesen haben,dass Politiker und Regierung sich nicht mehr an geltendes Recht halten und unser Land in einer Art Selbstermächtigung führen!
    Maas sagte maaslos:Die Aussagen der Richter dienen nur Pegida und Co..Mit der Kritik der ehemaligen Verfassungsrichter setzte sich Maas natürlich inhaltlich nicht auseinander.Bei anderen Themen agiert er auch maaslos.Alle Kritiker kommen bei Maas in einer Ecke–Inhaltlich hat dieser Kerl nichts drauf,außer seine üblichen Parolen!
    Wo wird denn in Deutschland um Meinungen noch gestritten,wenn man Kritiker mit Parolen mundtot machen will?
    Und die Talkshows in den ÖR sind keine Diskussionsrunden mehr,sondern dienen als Tribunal für politisch Andersdenkende.
    Bei der Gästeauswahl achtet man schon darauf,das diese sogenannten Diskussionsrunden die gewünschte Richtung nimmt.
    Und im Rundfunkrat gehören keine Interessensverbände,wie z.B. die Gewerkschaften,die ja überwiegend auch rot/grün angehaucht sind,,sondern unabhängige Menschen aus dem Kreise der Gebührenzahler.
    Und eines muss man auch klarstellen:Polens neue Regierung ist mit absoluter Mehrheit demokratisch gewählt worden.Gerade wir Deutschen,die seinerzeit in Polen ein Schlachtfeld hinterlassen haben mit Millionen von Toten,sollten sich hier als Ratgeber zurückhalten.
    Und es gibt für die Polen wohl wichtigeres,als so ein Sender wie ARTE.Dies gilt nicht nur für Polen!

  5. das Kartenhaus der Lügen bei den ÖR bröckelt gewaltig!!

    Wolfgang Herles,ein bekannter Journalist und Publizist und jahrelang leitend beim ZDF tätig sagte in einer Diskussionsrunde im DLF am 29.01.2016:

    Natürlich gibt es bei den ÖR den Regierungsjournalismus auf Anweisung von oben.
    Wir müssen so berichten,dass die EU z.B. dem Gemeinwohl dient.
    Man darf nichts Negatives über die Flüchtlingskrise sagen–usw–usw–usw–

    Anmerkung:nun soll mir noch jemand erzählen,dass Frau Zimmermann Unsinn geredet hat.Sie musste zurückrudern.
    Herles braucht dies nicht mehr.
    Hier ein Ausschnitt auf youtube.

    http://www.youtube.com/watch?v=N3UmgisrJWs

  6. „….solange Arte nicht die Gewissheit habe, dass die Meinungsfreiheit, die redaktionelle Vielfalt und die Unabhängigkeit des öffentlich-rechtlichen Senders gewährleistet seien.“

    Mit dem GLEICHEN Argument hätte man schon längst die Zusammenarbeit mit der ARD und ZDF einstellen müssen.
    Aber der deutsche Herrenmensch lässt seinen trüben Blick gerne im Gleichschritt mit der Moralkeule über die slawischen Untermenschen ziehen.

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