„Uns reicht es“: Berliner Zeitung erstattet ab sofort bei Drohungen gegen Redakteure Strafanzeige

Arno Schupp will jede Gewaltandrohung gegen Redakteure zur Anzeige bringen
Arno Schupp will jede Gewaltandrohung gegen Redakteure zur Anzeige bringen

Publishing Hitzige Diskussionen gehören in den sozialen Netzwerken zum Alltag. Doch zunehmend werden auch persönliche Drohungen gegen einzelne Journalisten laut. Die Berliner Zeitung will dies nicht länger hinnehmen und kündigte an, ab sofort jeden Gewaltaufruf zur Anzeige bringen. Die erste Strafanzeige sei schon gestellt worden.

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„Dass in sozialen Netzwerken aber zu Gewalt gegen Einzelpersonen aufgerufen wird – das ist nicht hinzunehmen“, verkündet Arno Schupp, Ressortleiter Berlin/Bandenburg der Berliner Zeitung. Deshalb werde die Zeitung ab sofort gegen alle juristisch vorgehen, die „unsere Redakteure bedrohen und diffamieren“.

Eine erste Strafanzeige sei bereits gestellt worden und zwar gegen eine Twitter-Userin mit dem Nickname @MissKittyKawaii. Diese hatte dem Redakteur der Berliner Zeitung Andreas Kopietz einen Direct Tweet geschickt, mit dem Inhalt: „Erweise Deutschland einen Dienst und scheide freiwillig aus dem Leben.“ Wie Arno Schupp berichtet, habe sie kurze Zeit später erklärt, es sollte legal sein, dem Autoren „wenigstens die Fresse zu polieren“.

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Auslöser war in diesem Fall die Berichterstattung der Zeitung zum Fall eines 13-jährigen Mädchens aus dem Berliner Stadtteil Marzahn, das angeblich von zwei südländisch aussehenden Männern entführt und stundenlang vergewaltigt wurde. Obwohl Polizei und Staatsanwaltschaft sowohl die Entführung als auch die Vergewaltigung rasch dementierten, nutzten vor allem Neonazis und das russische Staatsfernsehen den Fall als Propaganda. Andreas Kopietz hatte darüber berichtet. „Doch für Fakten und legitime Fragen ist bei diesem Thema – wie bei vielen anderen – im Internet kein Platz“, so Schupp.

Es dürfe nicht sein, dass „einige Menschen im Internet mit Verleumdungen, Drohungen und Beleidigungen die Meinungs- und Deutungshoheit erlangen“. Zuletzt wurden auch Bild-Herausgeber Kai Diekmann sowie Redakteure von Bild und stern.de über den Kurznachrichtendienst bedroht. Twitter reagiert und sperrt die entsprechenden Accounts. Immer wieder stehen soziale Netzwerke wegen der oftmals ausufernden und nicht gelöschten Hasskommentare in der Kritik. Nutzer und Politiker warfen Facebook vor, fremdenfeindliche Kommentare nicht konsequent genug zu löschen. Inzwischen sicherte Mark Zuckerberg eine härtere Gangart zu und setzt dafür zusätzliche Mitarbeiter ein.

Der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV), forderte am vergangenen Montag außerdem einen besseren Schutz der Journalisten durch die Polizei, dies gelte gerade auch für die Berichterstattung bei Demonstrationen, bei denen es in den zurückliegenden Monaten vermehrt zu Angriffen gegen Reporter gekommen war.Im zurückliegenden Jahr habe es laut einer Studie des Europäischen Zentrums für Presse- und Medienfreiheit mindestens 49 Angriffe auf Reporter und Kameraleute gegebe

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Alle Kommentare

  1. Die Kommentare hier sind doch der perfekte Beweis, dass hier eine komplette Verrohung stattfindet. Die meisten scheinen ja wütend, dass ihre Stammtischpositionen sich nicht in der Presse wiederfinden. Dafür war der Stürmer früher zuständig. Ich finde schon dass Journalisten sich wehren dürfen, wenn man zu Gewalt gegen sie aufruft.

  2. @MissKittyKawaii……bitte, bitte informiere uns was bei der Anzeige herausgekommen ist.
    Ich lache doch immer so gerne….

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