18,4 Milliarden Dollar: Apple erzielt den größten Quartalsgewinn der Wirtschaftsgeschichte – und die Aktie fällt

Apple-CEO Tim Cook muss mitansehen, wie sein Konzern von der Börse abgestraft wird
Apple-CEO Tim Cook muss mitansehen, wie sein Konzern von der Börse abgestraft wird

74,8 Millionen iPhones waren nicht genug: Apple-Chef Tim Cook konnte nach Handelsschluss den größten Gewinn verkünden, den jemals ein Unternehmen in einem Quartal eingefahren hat – und die Wall Street senkt trotzdem den Daumen. Der Grund: Alle Konzernsparten blieben unter den Analystenerwartungen. Im Weihnachtsquartal konnte Apple gerade noch 310.00 mehr iPhones verkaufen als im Vorjahr – die Mac-Absätze gaben dagegen nach, die iPad-Umsätze implodieren komplett. Am beunruhigendsten jedoch: Der Ausblick auf das März-Quartal deutet einen gigantischen Umsatzeinbruch an.

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Apple und die Börse – das war schon immer kompliziert. Wer nicht mit der Logik der Kapitalmärkte vertraut ist, dürfte die Wechselbeziehung zwischen dem noch wertvollsten Konzern der Welt und der Wall Street seit gestern Nacht noch ein bisschen komplizierter finden.

Nach Handelsschluss konnte Apple für das abgelaufene Weihnachtsquartal nämlich nochmals eine Rekordbilanz verkünden: Zwischen Anfang Oktober und Ende Dezember fuhr der iKonzern bei Umsätzen von 75,9 Milliarden Dollar einen Nettogewinn von 18,4 Milliarden Dollar bzw. einen Gewinn je Aktie von 3,28 Dollar ein und konnte damit den Vorjahrserfolg nochmals minimal verbessern. Das zweite Mal in Folge konnte Apple damit den größten Quartalsgewinn verbuchen, der jemals in der Wirtschaftsgeschichte erzielt wurde.

Aktie verliert 3 Prozent trotz Rekordbilanz

Entsprechend erfreut kommentierte Konzernchef Tim Cook die Weihnachtsbilanz: „Unser Team hat Apples bislang stärkstes Quartal hingelegt, dank den innovativsten Produkten weltweit und Allzeit-Rekordverkäufen von iPhone, Apple Watch und Apple TV“, erklärte Tim Cook im vorbereitenden Presse-Statement.

Finanzchef Luca Maestri ergänzte: „Unsere Rekordverkäufe und starken Margen haben für Allzeit-Rekorde bei Nettogewinn und Gewinn je Aktie (EPS) gesorgt, trotz eines sehr schwierigen gesamtwirtschaftlichen Umfelds.“ Und wie reagiert die Wall Street? Die Apple-Aktie verliert nach Bekanntgabe der Rekordbilanz knapp drei Prozent an Wert!

Wie ist dieses eklatante Missverhältnis zwischen realer Wirtschaftsleistung und der Börse nun zu erklären? Mit einem Satz: Es liegt wieder einmal an enttäuschten Erwartungen. Ein Blick in die Bilanz macht nämlich schnell deutlich: Nach Konzernsparten aufgeschlüsselt blieb Apple nämlich nach jeder Lesart hinter den Konsensschätzungen zurück.

iPhone mit Ach und Krach über Vorjahresniveau

Das iPhone, mit einem Umsatzanteil von nunmehr bereits 68 Prozent (!) das mit weitem Abstand wichtigste Produkt des Kultkonzerns aus Cupertino, konnte mit größter Anstrengung den Vorjahresbestwert nochmals hauchdünn verbessern: Nach 74,47 Millionen Einheiten wurden nunmehr 74,78 Millionen Stück verkauft – ganze 310.000 iPhones mehr also. Das Plus von marginalen 0,41 Prozent ist das kleinste Wachstum seit Einführung des iPhones 2007.

Dass sich die iPhone-Absätze in diesem Quartal noch nicht das erste Mal in der Konzerngeschichte rückläufig entwickelten, liegt vor allem daran, dass Tim Cook im September zu einem letzten Buchhaltungstrick griff und den Verkaufsstart des iPhone 6s im Vergleich zum Vorjahr um sieben Tage nach hinten verlegte – und damit die Nachfrage für das Weihnachtsquartal aufstaute. Trotzdem wurden die bereits vielfach reduzierten Analystenschätzungen, die bei 76,8 Millionen Stück gelegen hatten, deutlich verfehlt.

Andere Konzernsparten: iPad im freien Fall, Mac-Unit rückläufig

Noch größere Enttäuschungen erlaubte sich Apple aber in seinen anderen Konzernsparten. Das iPad, in den ersten Jahren noch der Hoffnungsträger, das iPhone einmal beerben zu können, implodierte im Weihnachtsquartal vollkommen und musste einen weiteren Absatzeinbruch von nochmals 25 Prozent auf nur noch 16,1 Millionen verkaufte Einheiten hinnehmen, nachdem Analysten wenigstens noch mit 17,3 Millionen Einheiten gerechnet hatten. Im Vorjahresquartal wurden noch 21,4 Millionen Einheiten verkauft, zwei Jahre zuvor waren es sogar 26 Millionen Stück.

Ebenfalls im Rückwärtsgang begriffen ist nun auch noch die älteste Konzernsparte: Auch die Mac-Sparte hat erstmals seit vier Jahren wieder schrumpfende Absätze zu beklagen. Die Computersparte gab um drei Prozent auf 5,3 Millionen Einheiten nach – die Wall Street hatte noch mit ein Plus auf 5,8 Millionen erwartet.

Apple Watch bleibt erneut weit unter den Erwartungen zurück

Und dann ist da noch die Randnotiz der Apple Watch, die Tim Cook in der Bilanz auch weiterhin beharrlich unter „Anderen Produkten“ versteckt. Warum, wird beim Blick auf die Geschäftsentwicklung der mit Abstand umsatzschwächsten Konzernsparte deutlich, die neben der Apple-Uhr auch die Set-Top-Box Apple TV, die zugekauften Beats-Kopfhörer und den iPod bündelt und trotzdem nur 4,35 Milliarden Dollar umsetzte, was einem Plus von 62 Prozent entsprach.

Allerdings: In Dollar und Cent gerechnet, legten die „Anderen Produkte“ im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, als die Apple Watch noch nicht mit einfloss, lediglich um 1,66 Milliarden Dollar zu. Selbst wenn man ein Schrumpfen in den iPod- und Beats-Absätzen unterstellt, während die Apple TV-Umsätze zulegten, dürfte Apples Smartwatch kaum erkennbar mehr als 2 Milliarden Dollar erlöst haben und damit bei einem Durchschnittsverkaufspreis von 400 Dollar gerade mal 5 Millionen Stück verkauft haben. Für Apples neuste Produktkategorie, die zum ultimativen Weihnachts-Accessoire werden sollte, ist das schlicht zu wenig.

Ausblick enttäuscht schwer

Die größte Enttäuschung hatte sich Tim Cook jedoch für das Ende der Quartalsbilanz aufgespart – den Ausblick. Dass Apple in den kommenden Monaten wegen der nachlassenden Nachfrage nach dem iPhone 6s schwer zu kämpfen hat, ist keine Überraschung – es gibt inzwischen fast keine Investmentbank auf der Welt, die nach Indikationen aus der Zuliefererkette nicht das erste Negativwachstum in der Geschichte des iPhones ausgemacht hat.

Was indes überrascht, ist das Ausmaß, mit dem Apples einzigartige Erfolgsstory zu Ende geht. Nach 58 Milliarden Dollar im Vorjahr stellte Konzernchef Cook nunmehr nur noch Erlöse zwischen 50 und 53 Milliarden in Aussicht – im Durchschnitt also einen Einbruch von satten 6,5 Milliarden oder gleich 11 Prozent. Die iPhone-Absätze dürfte damit um mindestens 15 Prozent sinken.

Größter Umsatzeinbruch der Konzerngeschichte angekündigt

Analysten haben im Vorfeld im März-Quartal mit Umsätzen in Höhe von 55,7 Milliarden Dollar gerechnet. In anderen Worten: Die Erosion von Apples Geschäftsentwicklung, die Tim Cook in der anschließenden Analystenkonferenz teilweise mit den Verwerfungen auf den Währungsmärkten und der Konjunktur in den Schwellenländern erklärte, ist eine böse Überraschung.

Tatsächlich hat Apple noch nie im Vergleich zum Vorjahresquartal einen Rückgang von 6,5 Milliarden Dollar beklagen müssen. Auf den größten Quartalsgewinn der Wirtschaftsgeschichte folgt nun also der größte Umsatzeinbruch in Apples vierzigjähriger Unternehmenshistorie. Entsprechend gehen Anleger weiter in Deckung und schickten die schwer angeschlagene Apple-Aktie nachbörslich erneut in Richtung ihrer Jahrestiefes.

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Alle Kommentare

  1. Man sollte sich mal eher Fragen inwiefern man diesen „Analysteneinschätzungen“ überhaupt Glauben schenken sollte. Das ist doch mittlerweile jedes Quartal das Gleiche: der Gewinn ist extrem gut, allerdings werden die Erwartungen nicht übertroffen.
    Quartal ein, Quartal aus.
    Und was macht die Aktie mal wieder: Sie fällt. In Betracht auf den KGV ist das Alles zusammen natürlich der absolute Oberwitz.
    Für mich immer wieder das Beste Beispiel wie fern viele Börsenexperten von der Realität entfernt leben. Es zählt nur mehr, mehr, mehr.
    Und wenn ich mich richtig erinnere dauert der Abgesang auf Apple nun auch schon mehr als ein Jahr. Eingetreten ist es bisher noch nicht. Aber klar, nach dem Gieskannenprinzip muss ja irgendwann mal ein Experte Recht haben.

  2. Sehr schöner Artikel. Man spürt endlich mal den gewissen Unterton in der Kritik an Analysten. Ja es ist hart, wenn ein Unternehmen wie Apple so unmittelbar vor der Pleite steht. Und vor allem zeigt es, wie „bescheuert“ Analysten sind: 11% Einbusse – oh – 6 Mrd. erwarteter Umsatzrückgang – ohje… Und dann am besten die erwarteten 50-53 Mrd. vernachlässigen. Weil die zerstören die Illusion des nahen Endes von Apple.

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