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„Unzufriedene Feministinnen“ – FAZ-Blogger Don Alphonso rechnet mit Bento, Buzzfeed, Ze.tt & Co. ab

FAZ Blogger Don Alphonso über das deutsche Buzzfeed: „Übersetzung amerikanischer Unterschichtenprojekte“
FAZ Blogger Don Alphonso über das deutsche Buzzfeed: "Übersetzung amerikanischer Unterschichtenprojekte“

FAZ-Blogger Don Alphonso nimmt den Abgang der deutschen BuzzFeed-Chefredakteurin Juliane Leopold zum Anlass, sich ausführlich den jungen, neuen Digitalmedien vom Schlage Buzzfeed, Bento, Ze.tt und Byou zu widmen. Wenig überraschend, ist er wenig begeistert.

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„Während das Mutterhaus in Amerika in seinen Anfangsjahren keinen sexuellen Aufreger liegen ließ, sofern er nur Klicks und Nutzerinteresse versprach, war Buzzfeed in Deutschland fest in feministischer Hand“, schreibt Don Alphonso in dem Beitrag mit der vielsagenden Überschrift „99 Gründe, warum Sextips Trottelplattformen auch nicht retten“.

Etliche Beiträge beim deutschen Buzzfeed seien erkennbar vom feministischen Blog „Jezebel“ inspiriert gewesen und „aus der persönlichen Nähe zu den Verursacherinnen des Aufschrei-Hashtags“ habe niemand einen Hehl gemacht. Das deutsche Buzzfeed-Team habe einen „Spagat zwischen übersetzten Themen aus Amerika und Eigenentwicklungen mit vielen Bildern und wenig Text“ versucht. Don Alphonso findet dafür den im Mittelalter geläufigen Begriff von der „Biblia Pauperum“, der „Armenbibel“.

Der Spiegel Online-Ableger Bento.de (von Welt-Autorin Ronja von Rönne als „absolute Trottelplattform“ geschmäht) und Ze.tt von Zeit Online (laut Don Alphonso eine „streberisch anmutende Website“) würden in die gleiche Kerbe hauen wie das deutsche Buzzfeed: „Gerade so, als herrschte im aktuellen Medienbetrieb ein akuter Mangel an unzufriedenen Feministinnen, die den Zustand der Welt beklagen.“

Byou, das Jugend-Ressort von Bild.de, setze dagegen auf „klassischen Trash mit sexueller Note – gewissermassen das nackte Mädchen von Seite Drei für Facebookfreunde“. Gnade in der Analyse des Don findet die Satire-Website „Der Postillon“, der zeige, „wie es wirklich im sozialen Netz geht – allerdings mit selbst erstellten, lustigen Einfällen und ohne Übersetzung amerikanischer Unterschichtenprojekte“.

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Spiegel Online und Zeit Online könnten Bento-de und Ze.tt zwar durch Verlinkungen helfen, die Leserzahlen nach oben zu treiben, ob diese Leser dauerhafte Stammkunden werden, sei aber eine andere Frage, so Don Alphonso. Tatsächlich zeigte eine erste Zwischenbilanz von MEEDIA, dass noch im November 2015 über 70 Prozent der Bento.de-Visits über Links von Spiegel Online kamen.

Don Alphonso erinnert beim aktuellen Jugendhype der Medien an das längst vergessene Zoomer.de, mit dem 2008 die Verlagsgruppe Holtzbrinck schon einmal ein Newsportal für junge Leute im Netz aufbauen wollte. Im Februar 2009 wurde der Spuk wegen akuter Erfolglosigkeit beendet. Der Vorteil der neuen Jugend-Plattformen laut Don Alphonso:

Die aktuellen Nachfolger sind dagegen eher kleine Projekte. Sollte sich das Nutzerinteresse von Wackelbildern und geistig anspruchslosen Listen wegbewegen, wäre für die Betreiber vermutlich nicht viel verloren.

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Alle Kommentare

  1. Ich dachte ich wäre versehentlich auf einer Werbung oder beim Frühstücksfernsehen gelandet als ich unwissend von Spiegelonline zu Bento geschleust wurde. Sensibilisiert erkenne ich das Bemühen, Bento irgendwie einzuschleusen. Passt aber null zu Spon Erwartung. Daher sind die meisten Klicks offenbar nur Fakes.

  2. Kleine Frage an Meedia: Gibt es eine Begeisterungspflicht für neue Verlagsangebote? Ist die Kritikquote , 5% der Berichterstattung im Monat darf sich kritisch mit dem deutschen Journalismus auseinandersetzen, durch Herrn Winterbauer schon weit überschritten? Und es ist erst der 26. Januar. Also die nächsten 5 Tage kritikfreie Zone.
    Ein Wort zu BuzzFeed: So eine tolle journalistische Idee, durch die deutsche Redaktion aber völlig in den Sand gesetzt. Die deutsche Jugend tickt anders, als die amerikanische. Man muss das Konzept auf die deutsche Kultur übertragen, nicht nachahmen. Das Zweite, was mir an den neuen Jugendseiten auffällt, ist ihre komplette Niveaulosigkeit. Man kann diese Konzepte auf jedem inhaltlichen und sprachlichen Niveau gestalten, nur ist das offenbar nicht der Gedanke der Verlagsmanager. Auch Boulevard kann intelligent sein, wie früher nicht selten die Bild-Zeitung. Sie verwechseln Trends im „Journalismus“ oder dem „Internet“mit dem Bedürfnis junger Erwachsener. Wenn die Leute mal in Wahlstudien schauen würden, wen die jungen Leute denn so wählen – wenn sie es überhaupt tun (weil die Parteien ganz offensichtlich nicht ihre Interessen vertreten, was wiederum eine rationale und sachlich begründete Einschätzung ist) – würden sie sehen, dass JUSOS, die Jungen Grünen und die Piratenpartei seit dem Linksputsch, überhaupt nicht ankommen. Das entspricht genau meiner Erfahrung im Kontakt mit dieser Altersgruppe. Jetzt macht man Portale, die genau auf dieser Linie liegen, und das Ergebnis entspricht meinen Erwartungen. Es läuft nicht. Ich sag da nur: Überraschung!

  3. „Tatsächlich zeigte eine erste Zwischenbilanz von MEEDIA, dass noch im November 2015 über 70 Prozent der Bento.de-Visits über Links von Spiegel Online kamen.“

    Dabei muss auch berücksichtigt werden, dass bei Spiegel Online am Anfang Links zu Bento oft schlecht gekennzeichnet waren. Da ist man dann nichts ahnend auf der „Trottelplattform“ gelandet, und die Texte da waren fast immer ziemlicher Schrott.

    Die Frage ist doch, ob Spiegel Online und Co. wirklich nichts zu verlieren haben? Wenn man Spiegelonlne lesen will und dann Bento untergeschoben bekommt – das kostet Reputation.

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