„Klare Kante“: die unkritische „Nahaufnahme“ des SWR zur AfD

Der rheinland-pfälzische AfD Landeschef Uwe Junge im SWR-Beitrag
Der rheinland-pfälzische AfD Landeschef Uwe Junge im SWR-Beitrag

Fernsehen Die Diskussion über die Teilnahme der AfD an der Elefantenrunde in Rheinland-Pfalz war noch nicht im Gange, da veröffentlichte der SWR ein Video, dass der rechtspopulistischen Partei gefallen haben dürfte. Die SWR-Sendung „Zur Sache Rheinland-Pfalz“ berichtete vorletzte Woche in einem unkritischen Beitrag über die AfD. Diese sei eine Partei, die den Wählern „klare Kante“ verspreche.

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„Übergriffe von Migranten sind nicht nur strafrechtlich ein Problem. Sie verändern unsere Gesellschaft, denn sie schüren Fremdenangst.“ Davon könnten Parteien profitieren, „die den Wählern klare Kante“ versprächen – „Parteien wie die Alternative für Deutschland (AfD)“, so der SWR in seinem Online-Stück zu der Sendung „Zur Sache Rheinland-Pfalz“, das am 13. Januar veröffentlicht wurde. Das Video steht nach wie vor im Netz.

„Am Ende könnten ja die kleinen Parteien entscheiden“, moderiert Frontfrau Britta Krane das Video mit einem freudigen Lächeln an. „Die profitiert offenbar von der zunehmenden Fremdenangst, allerdings weiß hier im Land eigentlich kaum jemand, wer hinter der Partei steckt.“ Es folgte ein über vierminütiger Beitrag der SWR-Autorin Myriam Schönecker.

Darin darf der „echte Soldat“ Uwe Junge, Landesvorsitzender der AfD in Rheinland-Pfalz, in Bundeswehr-Uniform vor einer Kaserne in Mayen posieren, wo er für die Ausbildung junger Offiziere zuständig ist. „Bis zum Oberstleutnant hat sich Junge hochgedient“ und sei „zwei Mal in Afghanistan“ gewesen, lobt der SWR-Beitrag den AfD-Spitzenmann. Anschließend erklärt Junge, was er aus der Bundeswehr in die Parteiarbeit mitbringt. Man sei sehr gut ausgebildet im Bereich „Führung“, „Aspekte der Menschenführung greifen da“. Eine weitere Einordnung durch die Autorin des Beitrags erfolgt nicht.

In dem SWR-Beitrag heißt es weiter: „Das Wahlprogramm der AfD Rheinland-Pfalz fasst die politische Komplexität in handliche zwölf Kapitel zusammen. Darin zum Beispiel Kinder und Familie, dann Bildung“. Das Ganze, so der SWR, sei „bürgerlich-wertkonservativ“. Zwar geht der Beitrag darauf ein, dass Familie für die AfD „althergebracht“ sei und aus „Vater, Mutter, Kind“ bestehe, was die AfD Rheinland-Pfalz in bei Thema Asyl oder im Bereich der Inneren Sicherheit fordert, blendet der Beitrag allerdings komplett aus. Dabei spricht dieser selbst davon, dass das Thema Integration, Einwanderung und Asyl „das Thema“ sei, „weswegen sich Wähler in Rheinland-Pfalz für die AfD entscheiden würden“. In ihrem Wahlprogramm für die rheinland-pfälzische Landtagswahl fordert die AfD unter anderem „Mut zu Deutschland“, „konsequent abschieben“ und beklagt „das nationale Problem des Geburtenrückgangs“. Im Bereich Innere Sicherheit fordert die rechtspopulistische Partei, „sich ‚dem Wohl des Deutschen Volkes’ zu widmen“. In dem SWR-Beitrag kommt all das nicht vor.

Der AfD-Spitzenkandidat Junge verstehe seine Position zur Flüchtlingskrise, so der Beitrag weiter, in Anspielung auf die Gewalt in Köln „moderat im Ton“. Anschließend darf Junge, der eine Deutschlandflagge am Revers trägt, loswerden, dass „die Türen nach Deutschland aufgemacht“ wurden, dabei aber nicht berücksichtigt worden sei, „dass es da verschiedene Ethnien gibt“.

Die AfD gebe „vielen Wählern eine neue politische Heimat“, so der Beitrag in den höchsten Tönen. „Wenn es die AfD nicht gäbe, würde mehr als die Hälfte der AfD-Anhänger bei der Landtagswahl gar nicht wählen oder wüsste nicht welche Partei“. Am Ende hört sich der Beitrag fast an wie Wahlwerbung. Während Junge und der AfD-Bundesvize Alexander Gauland die deutsche Nationalhymne singen, sagt die SWR-Autorin: „Die AfD bietet die Rückbesinnung auf National-Konservatives an“.

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Alle Kommentare

  1. Sie sind mir ja ein schöner Demokrat, Herr Marvin Oppong.

    Da erlaubt es sich ein Fernsehsender doch tatsächlich mal einen Bericht über die AfD abzuliefern, der nicht in die übliche Kategorie Erziehungsjournalismus fällt.
    Was fällt denen blos ein, was Herr Oppong. Sich einfach so über die Richtlinien hinwegsetzen und mal ohne erhobenen Zeigefinger berichten. So geht das aber nicht.

    Herr Oppong, das ist wirklich ganz großes Kino, was Sie hier abliefern.

  2. Sorry, aber nach dem Ansehen des Beitrags (siehe verlinkt) kann ich die Kritik des Autors nicht ansatzweise nachvollziehen. Das war ein durchaus reflektierter und kritischer Beitrag.

    Wie stellt sich denn der verehrte Journalist einen Beitrag über einen Spitzenkandidaten sonst so vor?

    P.S.: Interessant auch die im Film befragten Parteimitglieder. Ein (durchaus sympathisches) Gründungsmitglied der Grünen (!) wählt nun AfD. Sehr interessant.

    1. Das ist nicht der einzige Grüne, der heute AfD wählt oder Mitglied ist. Es gibt AfD-Mitglieder aus fast allen Altparteien, am meisten aus der CDU.

  3. Erstaunlich, in welche Reflexe die AfD-Fans verfallen, wenn mal einer der ihren ganz sachlich bloßgestellt wird. Sie stürzen sich auf Feindbild-Klischees wie Richtlinien- und „Erziehungsjournalismus“. Übrigens, Frau Petra: „Bloß“ schreibt man mit „ß“.

    1. Wiso bloßstellen? Er sagt nur das,was die Wähler der AfD wollen und das ist gut so!!! es werden immer mehr und sorgen endlich dafür das deutschlandfeindliche Politik von Grün/ROT/ROTROT verschwindet!
      Ich war SPD wähler und bin froh, das es eine Partei gibt, die die Probleme klar anspricht und nicht verschleiert wie die etablierten

    2. „Reflexe“ konnte ich in Zusammenhang mit der AfD bisher nur bei „Qualitätsjournalisten“ (und solche, die es mal werden wollen) entdecken. A propos, Kleber hat schon lange nicht mehr geweint. Vielleicht sehen wir das ja im März wieder …

  4. Da hat sich doch tatsächlich eine SWR-Journalistin nicht an die slebst auferlegte Regel der deutschen Medien gehalten: Über die AfD nur Negatives. Macht die da einfach einen Beitrag, in dem die AfD behandelt wird, wie jede andere zur Wahl stehende Partei auch. Das muss Konsequenzen für die Frau haben!

  5. Der Beitrag im SWR war wohltuend vielschichtig. Vora allem hat er dem Fernsehzuschauer ermöglicht, sich selbst ein differenziertes Bild zu machen.

    Die pauschale Polemik gegen die AFD die alles aufgreift, was die politische Sprache an Schimpfwörtern bietet, ödet an, ohne Ende!

    Was der Verfasser (M. Oppong) und andere bieten ist das, was man in anderen Kontexten „postkoloniale Mentalität“ nennt.:
    Jegliche Besinnung auf die eigene Kultur wird als rückständig diffamiert. Die exklusive Orientierung an der Leitkultur der politisch-militärischen Führungsmacht gilt als Leitlinie.
    Eigenartig: jedem Indianerstamm wird zugestanden, sich um den Erhalt der eigenen Kultur und Gemeinschaft kümmern zu dürfen. Nur uns soll das verwehrt bleiben. Bereits das Wort „Identitätspolitik“ gilt als verdächtig, als „nationalistisch“ – als müsse jedes Wort, das mit „natio-“ beginnt auf Neudeutsch mit „-istisch“ enden.
    Soll denn jede Grenzziehung, die historisch gewachsene kulturelle Identitätswahrung als Sünde gegen die alles beherrschende Globalisierung difamiert werden?
    Man kann den Eindruck haben, dass für viele der gegenwärtig herrschenden Kreise in Politik und Medien „Deutschland“ nicht mehr als ein Grundstück mit Steuerzahlern ist. (Wenn es zu wenige Steuerzahler werden, muss es wieder aufgefüllt werden.)

    Die AFD hat viele nachdenkliche Leute, die sich aus Verantwortung für die eigene Kultur dieser rücksichtslosen Globalisierung wiedersetzen.
    Der Bericht im SWR hat das in wohltuend unaufgeregter Weise gezeigt.
    man kann dafür dankbar sein.

    1. »Eigenartig: jedem Indianerstamm wird zugestanden, sich um den Erhalt der eigenen Kultur und Gemeinschaft kümmern zu dürfen.«

      Bei der Gelegenheit: Auch allen Migranten wird dieses Recht zugesprochen

      Das Problem ist auch, das für viele das Wort »Nation« oder alle Wortbildungen daraus direkt einen Pawlowschen Effekt auslösen, und mit Nationalsozialismus gleichsetzen, aber nur wenn Deutsche das Wort benutzen.
      Wenn Franzosen stolz von ihrer »Grande Nation« sprechen, oder Herr Obama die Nation USA beschwört, funktioniert der Reflex nicht.
      Herr Obama hat auch eine einfache Erklärung für den Begriff geliefert: »Wir (die USA) sind eine Nation, wir steigen zusammen auf und wir fallen zusammen« (ungefähr übersetzt).
      Die Nation als Schicksalsgemeinschaft, als Zusammengehörigkeitsgefühl, in guten und in schlechten Tagen.
      Und ob ein Staat ohne dieses Zusammengehörigkeitsgefühl seiner Bürger auf Dauer nicht existieren kann meiner Ansicht nach fraglich. Als Ausnahmen fallen mir im Augenblick Spanien ein, aber da hats auch gerappelt und rappelt noch, und eventuell Großbritannien. Gegenbeispiele sind Vielvölkerstaaten, die zerfielen oder in denen es sogar zum blutigen Bürgerkrieg kam und kommt: Türkei, die Ex-UDSSR, Ex-Jugoslawien, Ruanda, das ehemalige Österreich-Ungarn. Und auch bevor sich die Deutschen im 19. Jahrhundert als eine Nation, als eine Schicksalsgemeinschaft, verstanden haben, haben sie sich auch oft genug gegenseitig die Köpfe eingeschlagen.

      1. Einverstanden: Ohne Bezug auf die eigene Geschichte und Kultur geht es ja nicht.
        Eine Nation oder Kulturgemeinschaft – einschließlich ihrer Minderheitenkulturen – ist ja nicht nur durch gemeinsame Gegenwartsinteressen gekennzeichnet.
        Eine Nation ist mehr als eine Firma – auch wenn im Zeichen der Globalisierung das Widerständige einer „Nation“, also kulturelle Differenz, als hinderlich empfunden wird und nivelliert wird.
        Man kannn vermuten, dass die so hoch gehaltene Idee eines Europäertums – „Wir sind doch alle Europäer“ – nicht nur der oft diagnostizierten Flucht aus der (belastenden) deutschen Geschichte und historischen Identität entspringt, sondern auch als Vollzug einer alle kulturellen Unterschiede nivellierenden ökonomischen Einheitskultur verstanden werden kann.
        Wenn Merkel die Unterschrift unter das TTIP Abkommen zum letzten Ziel ihrer Kanzlerschaft erklärt hat, ist der Zusammenhang zu ihrer unbedachten Flüchtlingspolitik einleuchtend – falls diese nicht dem pragmatischen Kalkül einer raschen „Repeuplierung“ Deutschlands dienen soll, vage nach preussischem Vorbild.
        Kurzum: das Recht auf eine eigene Kultur beinhaltet das Recht auf Differenz , auch für Minderheitenkulturen.
        En passant: Beatrix von Storch hat mit ihrem sarkastischen Gerücht, die Kanzlerin wolle demnächst nach Chile auswandern, wohl den Nerv einer Zeitstimmung getroffen, wofür sowohl die heftig empörten wie die amüsierten Reaktionen so vieler sprechen. Frau Merkel konnte dort in der Vergangenheit viel stolze nationale Selbstvergewisserung erleben.
        Im SWR-Beitrag ist dieses Themen spürbar von Belang gewesen.

  6. Es erschließt sich nicht, warum Meedia ausgerechnet einen 5-Minuten-Film über eine kleine Newcomer-Partei (zwei Monate vor der Wahl) in einem Landesprogramm für Rheinland-Pfalz etwas verdruckst wohl dafür kritisiert, dass (einigermaßen) sachlich, d.h. ohne Unwerturteile, „Nazi-Keule“, etc. und wie (hoffentlich) über andere Parteien auch berichtet wurde. Dazu ist der von allen zwangsweise alimentierte SWR gesetzlich verpflichtet. Dass strikte Unparteilichkeit auch sonst ein zentraler Grundsatz für professionellen Journalismus ist, kommt hinzu.

    Freilich sieht die Praxis angesichts der Okkupation von Rundfunk und selbsternannten „Leitmedien“ durch als „Journalisten“ verkleidete parteipolitische Überzeugungstäter und ideologische Einpeitscher („Reschke-Fersehen“) anders aus, was an der Rechtslage nichts ändert; wenn SPD-Günstlinge über die SPD und CDU-Mitglieder über die CDU „berichten“, ist jedoch der Unterschied zu SED’s „Sudel-Ede“ und zur „Reichsschrifttumskammer“ nicht mehr nennenswert.

    Professioneller Journalismus trennt strikt zwischen Nachricht und Kommentar. Gute Journalisten machen sich keine Sache zu eigen, auch keine „gute“. Sie sind der Wahrheit und sonst nichts und niemandem verpflichtet; sie sind auch nicht für den politischen oder wirtschaftlichen „Nutzen“ oder „Schaden“ wahrer Berichterstattung verantwortlich. Politische, weltanschauliche oder religiöse Ansichten von Journalisten sind deren Privatsache und haben in Medien nicht zu suchen.

    Im Übrigen gilt auch für politische Parteien von „Linke“ bis „AfD“: Jeder darf alles sagen, niemand muss zuhören. „Falsche“ Meinungen gibt es so wenig wie „richtige“ (sagt das Bundesverfassungsgericht) – anything goes!

    1. Sehr geehrter Herr Conen,
      Sie können hier schreiben, was Sie wollen – aber Sie haben kein Mandat, für den Deutschen Journalisten-Verband (DJV) zu sprechen.
      Gerade Personen, die in einer Vorstandswahl „null Stimmen“ erhalten (http://www.tagesspiegel.de/medien/vorwuerfe-und-pannenwahl-frank-ueberall-wird-neuer-djv-chef/12531642.html), sollten solche irreführenden Klammer-Zusätze hinter dem Namen vermeiden.
      Schöne Grüße
      Max Mustermann

    2. „Professioneller Journalismus trennt strikt zwischen Nachricht und Kommentar.“

      Wenn Sie das schreiben, Herr Conen, ist es ein richtig guter Gag. So viel Selbstironie ist selten geworden.

  7. Ich schlage vor, wir tippen demnächst nicht mehr auf meedia und lassen diese antideutsche Seite einfach verhungern, so wie die anderen auch.

    Die AfD will was “fürs deutsche Volk“ tun, das geht nun wirklich nicht-!

  8. Ich finde den Artikel auch völlig neutral und sachlich – so sollte guter Journalismus aussehen. Und das sage ich als Mensch, der Obergrenzen für Flüchtlinge nicht nur unmenschlich, sondern auch unrealistisch findet, und der der Meinung ist, dass Frau Merkel das erste Mal Format zeigt, auch wenn sie ihren Kurs klarer erläutern sollte.

    Medien, die sich dem Diktat einiger arroganter Politiker beugen, anstatt den notwendigen Diskurs einzuläuten (siehe Elefantenrunde – ja, NATÜRLICH auch mit Vertretern von ängstlichen Bürgern), müssen sich über die Bezeichnung „Lügenpresse“ nicht wundern. Da klatsche ich als AfD-Hasser der SWR-Autorin Beifall.

  9. Ich habe mir den gesamten Beitrag angeschaut, inklusive An- und Abmoderation und kann beim besten WIllen keinen der im Artikel erwähnten Kritikpunkte ausmachen.

    Genau diese Berichterstattung, die sich der Autor des Artikels sich vorstellt und wünscht, ist der Grund das wir als Journalisten auf der Straße als „Lügenpresse“ bezeichnet werden.

    Ich plädiere daher dafür, dass sich guter Journalismus wieder mehr Fakten sich konzentriert und weniger die eigene Meinung oder die politische Heimat des Autors wiederspiegelt. Zuschauer und Leser sind nicht dumm und können durchaus Information und Propaganda auseinander halten.

  10. Herr Oppong,
    ich sehe gerade, dass Sie auch für die marxistische Zeitung „Junge Welt“ schreiben. Das erklärt allerdings Ihre ganz besondere Interpretation von Pressefreiheit.

  11. Hr. Oppong,
    Sie gehören anscheinend auch zu der Antifa „Deutschland verrecke“, „Deutschland du Stück Scheiße“ Truppe….Sie spucken mit ihren Artikel auf das Land auf die Deutsche Gesellschaft die es ihnen ermöglicht hat ein sicheres und wohlstandsfähiges soziales Leben zu leben. Es ist einfach nur noch beschämend, was Sie das abgeliefert haben. Danke!

  12. Den „Linkspopulisten“ der etablierten Parteien kann es nicht gefallen wenn neutral über eine neue konservative Partei berichtet wird. Die „Rattenfänger“ der etablierten Parteien fürchten um ihre Pöstchen.

  13. Eine Schande für die Einheit… grade wer bei Op-Info gedient hat sollte die Entstehung wissen und da mit sehr sensibel umgehen……. so was hat grade in der Einheit nichts verloren…. Politik in allem ehren aber nicht in Uniform.

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