„Spiegel, Du bist tief gefallen“ – Frederic Todenhöfers öffentliche Abrechnung mit dem Nachrichtenmagazin

Jürgen Todenhöfer wurde vom Spiegel als „Märchenonkel“ bezeichnet. Sein Sohn greift nun den Spiegel an
Jürgen Todenhöfer wurde vom Spiegel als "Märchenonkel" bezeichnet. Sein Sohn greift nun den Spiegel an

Publishing Im aktuellen Spiegel schreibt die preisgekrönte Spiegel-Journalistin Özlem Gezer unter der Überschrift „Der Märchenonkel“ über den Bestseller „Inside IS“ des Publizisten Jürgen Todenhöfer. Im Artikel kommt ein Mitreisender Todenhöfers ausführlich zu Wort, der viele Vorkommnisse ganz anders darstellt als im Buch. Frederic Todenhöfer verteidigt seinen Vater nun bei Facebook, übt scharfe Kritik am Spiegel und kündigt rechtliche Schritte an.

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„Spiegel, Du bist tief gefallen“, schreibt Frederic Todenhöfer, der seinen Vater bei der Reise zur Terrororganisation IS begleitete über sein tausendfach geteiltes Facebook-Posting.

SPIEGEL, DU BIST TIEF GEFALLEN! Von Frederic TodenhöferLiebe Freunde, der Spiegel hat schon wieder einen absurd…

Posted by Jürgen Todenhöfer on Samstag, 16. Januar 2016

Der Spiegel-Artikel über seinen Vater sei „absurd schlecht recherchiert“. Er enthalte „eine ungewöhnlich hohe Anzahl an leicht nachweisbaren Falsch-Behauptungen.“ Man werde gegen den Artikel rechtlich vorgehen.

Der Spiegel gerät hier offenbar zwischen die Fronten einer zerbrochenen Freundschaft. Es waren nämlich nicht nur Jürgen Todenhöfer und sein Sohn Frederic, die zum IS reisten, sondern auch Frederics früherer Freund Matthias Richter. Auf dessen Aussagen beruht der Spiegel-Text. Richter stellt Details und Vorkommnisse zum Teil wesentlich anders dar, als Todenhöfer in seinem Buch. Es steht im Prinzip Aussage gegen Aussage, was auch der Spiegel so darstellt.

Im Buch taucht Richter nur unter dem Tarnnamen „Malcolm“ auf. Laut Todenhöfer eine Schutz-Maßnahme. Richter argwöhnt aber offensichtlich, das Pseudonym diene dazu, den Ruhm für die Todenhöfers zu reservieren und seine Rolle herunterzuspielen. Todenhöfers Buch sei „mehr Roman als Sachbuch“, sagt Richter im Spiegel. Der gewichtigste Vorwurf – neben vielen Details – ist wohl, dass Richter den Todenhöfers vorhält, sich zu Propaganda-Helfern der Terroristen zu machen. Ein Vorwurf, der nicht ganz neu ist und den sich der Spiegel durchaus zu eigen macht:

To­den­hö­fers In­ter­views wer­den zu Ab­spiel­flä­chen is­la­mis­ti­scher Pro­pa­gan­da. Es ist, als sei er vom IS gut ge­cas­tet wor­den für die­sen Job, aus Sicht der Ter­ro­ris­ten ist er ein idea­ler Mul­ti­pli­ka­tor: Sei­ne Face­book-Sei­te hat mehr als eine hal­be Mil­li­on Li­kes, er sitzt seit Jah­ren in al­len deut­schen Talk­shows, er macht Le­se­rei­sen, schreibt Best­sel­ler. Im Buch sagt Chris­ti­an Emde zu To­den­hö­fer, er sei ein­ge­la­den wor­den, weil ei­ni­ge sei­ner Bü­cher auf Ara­bisch er­schie­nen sind.

Christian Emde ist der dicke, rothaarige IS-Mann, der von Todenhöfer auch im Video interviewt wurde. Richter erzählt dem Spiegel, Todenhöfer habe die Rolle Emdes im IS dramatisch überhöht.

Frederic Todenhöfer wirft Richter nun via Facebook „gekränkte Eitelkeit vor“:

‘Malcolm’ (Matthias R.) ist der Meinung, dass seine Rolle als Reise-Begleiter meines Vaters in ‘Inside IS’ nicht ausreichend gewürdigt wurde. Meiner Schwester sagte er vor wenigen Tagen im Beisein einer Kollegin wütend: ‚Er sitze zuhause rum, während wir berühmt würden. Sogar ein Theaterstück und eine Doku würden wir jetzt machen. Und ich, Freddy, bekäme alle Credits.‘ Das alles scheint ihn sehr zu wurmen. Matthias würde offenbar gerne auch im TV auftreten. Und er wird alles tun, um das zu schaffen. Trotz aller Enttäuschung tut er mir fast schon wieder leid.

Im Spiegel Artikel kommen die Todenhöfers nur über ihren Anwalt zu Wort. U.a. lässt Jürgen Todenhöfer über seinen Anwalt mitteilen, dass sich Richter die meiste Zeit während des IS-Trips wegen Durchfalls auf dem Klo aufgehalten habe. Es geht also auch unsachlich.

Da spricht viel persönliche Enttäuschung aus den Worten. Auf beiden Seiten.

(swi)

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Alle Kommentare

      1. Man hat am Bodensee einst eine Brücke bauen wollen. NN in D war Nordsee, in CH Mittelmeer. Fazit 15cm Niveauunterschied.

    1. Ich möchte Sie bitten, es mit Häme gegenüber dem SPIEGEL nicht zu weit zu treiben. Denken Sie bitte daran, dass es sich – die Älteren unter uns werden sich erinnern – tatsächlich einmal um ein Nachrichtenmagazin handelte, das kritischen und investigativen Journalismus wertschätzte. Aber man soll die Hoffnung nicht aufgeben – möglicherweise kann der wirtschaftliche Niedergang des SPIEGEL auch „heilsame“ Wirkung entfalten. Eine gewisse Substanz in Redaktionen und unter den Mitarbeitern ist zweifellos noch vorhanden. Diese gälte es für eine journalistische Erneuerung zu heben. Gegenwärtig werden allerdings viele SPIEGEL-Mitarbeiter rausgeschmissen (Kostensenkung). In Anbetracht des Schicksals dieser armen Hunde – wohl irgendwo im Niemandsland zwischen Hartz und freiberuflichem Niedriglohnbereich – verbietet sich ein Übermaß an Häme. Danke. Ich wünsche Ihnen und uns ein friedvolles Wochenende.

  1. Für euch gibt es ja noch Bild.de oder Express.de –
    Wer hat die meisten Preise in den letzten Jahren für seine
    gut recherchierten Artikel erhalten ? Wer gehört mehrheitlich
    KEINEM globalen Medienkonzern im Gegensatz zu Focus, Stern oder Welt ?
    Wo sind die Journalisten/Mitarbeiter mit Sperrminorität am Unternehmen beteiligt ? Man kann einzelne Artikel von bestimmten Autoren nicht gut finden, aber gleich eine ganze Redaktion ?

  2. Der Spiegel schreibt schon seit dem Tod von Augstein Senior zunehmend kommerziell und „ergebnisorientiert“.
    Leuten die weder den letzten Weltkrieg noch den sich daran anschliessenden kalten Krieg wirklich erlebt und durchdrungen haben scheint im allgemeinen die journalistische Grundfähigkeit vollkommen abzugehen, neben lächerlichen Grössenphantastereien und per schreihälsiger Flunkerei erschlichener Auflage mal ein grösseres Ziel zu formulieren und zu verfolgen als lediglich selbst prominent in -egal welcher- Zeitung zu stehen.
    Todenhöfers Ausflug zu den Religionsfaschisten ist an sich ein herausragendes Stück Investigation, auch wenn die Dschihadisten natürlich dieselben „embedded journalism“-Grundsätze anwenden wie die Kapitalisten bei ihren NATO-Kriegen.
    Wer die Erkenntnisse der Todenhöfer-Reise jetzt in legalitärem Klein-Klein grundsätzlich zerfasern will um sich selber dadurch überhöht ins Bild zu setzen verdient nicht einen Augenblick unserer Aufmerksamkeit.

  3. Neid ist der Bruder der Dummheit, das zeigt die Spiegel-Journalistin in beeindruckender Weise. Wer hier der “ Märchenonkel-tante“ ist möchte ich nach den Spiegelberichten der Vergangenheit nicht mehr kommentieren. Die Todenhöfers haben eine Taubbruch erster Ordnung begangen, sie haben sich dem Risiko ausgesetzt, die Dinge mal aus Sicht der IS zu berichten. Das ist natürlich von den “ Leitmedien“ nicht gewollt, kommt doch dann die Wahrheit viel besser zu Vorschein, als man uns (durch die Medien)immer weis machen will. Nicht zuletzt ist auch die Popularität eines Herrn Todenhöfer viel stärker besetzt als die eins Spiegels. Ob “ Malcom“ hier wirklich so auftritt wie vom Spiegel suggeriert vermag ich nicht zu beurteilen. Sollte dies jedoch der Fall sein, treffen auch hier Zwei Brüder aufeinander.
    Ich möchte den Herren Todenhöfer zu ihrem Buch gratulieren und hoffe, das sie sich nicht von der Dummheit unterkriegen lassen.

  4. Der Spiegeltext erscheint mir glaubwürdiger als das Buch, das ich bei nächster Gelegenheit verschenken werde.

  5. Ich gehöre zu den Menschen, die den SPIEGEL früher gerne gelesen haben. Heute sind das Blatt und sein unsäglicher Ableger „SPON“ zu einem US-ergebenen und NATO-hörigem Propaganda- und Hetzmedium verkommen, das ein ebenfalls ehemaliger Leser nur noch völlig zutreffend „EhNaMag“ nennt: Das ehemalige Nachrichtenmagazin !

  6. „Lügenpresse“, „westliche Leitmedien“, „Propaganda..“ … ich kann das Gefasel von Jürgen´s Sektenjüngern nicht mehr hören. Das Buch darf man sich beim nächsten Flohmarkt kostenfrei abholen! Der Artikel rückt Herrn T. Geschichten ins rechte Licht ohne zu Diffamieren. Musste beim Video zu Herrn Emde gleich an Switch-Reloaded denken „Mama, wo ist der Curry-King!“ …

  7. „Der Märchenonkel“ Todenhöfer, den Herr Wehner schon viel eher durchschaut und „Hodentöter“ nannte, sollte zum Rückruf seiner Bücher verpflichtet werden.
    Auch er hat eine falsche Software eingebaut. Seine Berichte über den Umsturz in Libyen wurden mit selbstgezündeten Bomben gemacht. Solange eine naive Frau Maischberger diesem „Märchenonkel“ weiter hofiert und Glauben schenkt, ist doch die Welt in Ordnung.

  8. Strauss war es, glaube ich, der sich den Namen Todenhöfers nie merken konnte. Er sagte immer „Hodentöter“. Albern. Dabei muss man Todenhöfer doch gar nicht mehr veralbern. Alberner als der Mann argumentiert, geht es nämlich kaum noch. Wieviel seine „IS-Expertise“ wert ist, zeigt sich gerade, indem die Koalition mit den Methoden, die Todenhöfer für aussichtslos hält, grossen Erfolg hat.
    Aber dass sich ausgerechnet der ‚Speigel‘ darüber aufregt? Die sind doch Niveau-Genossen. Zum lachen oder zum speien?

  9. Schon, als ich Vater & Sohn Todenhöfer in der N3 Talkshow gesehen und gehört habe, war mir klar, dass nicht alles so gewesen sein kann wie sie es gern darstellen.
    Ich neige eher dazu, Matthias Richters Version zu glauben!

  10. Ich finde es großartig, wie einige Kommentatoren, gerade die mit wenigen Zeilen, genau wissen, wie sie die Sachlage einzuschätzen haben. Es ist dieses einfache, aber ätzende Schubladendenken. Nach dem Motto, es gibt keine Tatsachen, die mich von meinen vorgefassten Urteilen abbringen können. Behaltet dann einfach eure Meinung für euch. Ihr beleidigt so nur die Intelligenz anderer Leser. – Natürlich kann der Leser des Buches nicht alles nachprüfen. Natürlich macht der Wandel Todenhöfers seit der Zugehörigkeit zum Bundestag stutzig. Ich finde es jedenfalls bereichernd, nicht nur seitens unserer Mainstream Medien mit „Infos“ versorgt zu werden. Selbst wenn dem einen oder anderen Leser nur die Hälfte des Buches glaubwürdig erscheint, so führt sie jedoch zu der Erkenntnis, dass die dort beschriebenen Überzeugungen des IS, nicht mit unserem Grundgesetz zu vereinbaren sind. Die Auslegung desselben scheint auch in unserem Land einem zeitlichen Wandel unterworfen zu sein. Genügte in meiner Studentenzeit eine Mitgliedschaft bei der DKP, um nicht in den Staatsdienst übernommen zu werden (Radikalenerlass), darf heute ein Björn Höcke MdL in Sachsen Anhalt in seinen Reden die Grundrechte Art. 1, 2 und 3 mit den Füßen treten, ohne als Staatsdiener irgendwelche Einschränkungen befürchten zu müssen. Das spricht für eine unverantwortliche Legislative und Judikative, die dazu angetreten sind, das Wohl des Volkes zu mehren und Schaden von ihm fernzuhalten.

  11. Nun ja, Todenhöfer ist bekannt für seine Fantasie und das seine Wahrnehmung der Dinge ist nicht immer die Reale widerspiegelt. Ich habe ihn und seinen Sohn in einer Talkshow gesehen,
    . . . wer sich das mehrmals ansieht, kommt ganz schnell dahinter, dass an der Geschichte der Todenhöfers einiges recht merkwürdig klingt, bzw. nicht stimmig ist!

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