Axel Springer: Fehlstart in 2016, Analysten senken den Daumen

Mathias Döpfner, CEO Axel Springer
Springer-CEO Mathias Döpfner Foto: dpa

Digital Economy Der Jahresauftakt ist verpatzt: Die Axel Springer-Aktie kommt 2016 noch härter unter die Räder als der ohnehin schon schwer angeschlagene Gesamtmarkt. Verluste von bereits 14 Prozent müssen Aktionäre seit dem 1. Januar verkraften – die Aktie fiel heute gar auf den tiefsten Stand seit über einem Jahr zurück. Das liegt nicht zuletzt an der wachsenden Skepsis der Banken: Analysten kassieren das Kursziel für das Berliner Medienhaus – oder raten gar offen zum Verkauf.

Werbeanzeige

Das neue Börsenjahr ist bislang nicht weniger als eine Horrorshow: Tatsächlich ist die Wall Street nie schlechter in die ersten beiden Wochen eines Jahres gestartet als 2016. Der Negativrekord gilt auch diesseits des Atlantiks: Der deutsche Leitindex Dax liegt nach elf Handelstagen schon knackige 11 Prozent hinten, Nebenwerte-Index MDax folgt mit einem Minus von 10 Prozent knapp dahinter.

Noch deutlich mehr verloren als die Benchmark hat Dax-Mitglied Axel Springer. Damit setzten die Berliner ihre Underperformance aus dem Vorjahr nahtlos fort: Schon 2015 hatten Axel Springer-Aktionäre weitaus weniger Grund zur Freude als Anleger, die auf den Vergleichsindex MDax setzten, der um satte 22 Prozent zulegte, während das Berliner Medienhaus Anleger mit einem Plus von gerade mal einem Prozent abspeiste.

Döpfner produziert große Schlagzeilen – aber keine Kursgewinne

Der Digitalisierungskurs, den Konzernchef Mathias Döpfner entschlossen eingeschlagen hat, mag alternativlos sein und den Berlinern sogar den Applaus der  New York Times einbringen, doch die aggressiven Zukunftswetten, die 2015 in Form der Akquisitionen von Thrillist, Mic.com, Jaunt und vor allem des Business Insiders für 343 Millionen Dollar vollzogen wurden, scheinen Anleger und vor allem Analysten zuletzt doch immer mehr zu verunsichern.

Gestern erst reduzierte die britische Investmentbank HSBC das Kursziel für Axel Springer um einen symbolischen Euro von 59 auf 58 Euro, empfahl die Aktie indes weiter zum „Kauf“.

Berenberg Bank gelingt Punktlandung mit Verkaufsempfehlung

Ganz anderer Meinung ist man dagegen an der Alster. Für die altehrwürdige Berenberg Bank, eines der ältesten Kreditinstitute der Welt, sind die Berliner weiter eine klare Verkaufsposition mit einem Kursziel von 45 Euro. Analystin Sarah Simon hat die Marke seit einem Jahr als Kursziel ausgegeben und damit nunmehr eine echte Punktladung erzielt.

Bei exakt 44,50 Euro notiert die Springer-Aktie heute Mittag nach weiteren Kursabschlägen gegen den positiven Marktrend. Glaubt man der Barclays Bank, war’s das aber noch nicht mit dem Ausverkauf: Die Briten stuften Springer heute von einer neutralen Position auf „untergewichten“ zurück und rasierten das Kursziel von 54,85 auf nur noch 42,50 Euro.

Schon 14 Prozent seit dem 1.1. verloren 

In die Richtung taumelte die angeschlagene Springer-Aktie dann auch heute bereits fast im Handelsverlauf (Intraday-Tief: 43,33 Euro), ehe Schnäppchenjäger die Verluste begrenzten. Für Springer-Aktionäre indes nur ein schwacher Trost: Seit dem 1.1. sind die Anteilsscheine bereits um 14 Prozent in die Tiefe gepurzelt und dabei heute gar auf den tiefsten Stand seit Herbst 2014 zurückgefallen.

Neue Impulse dürften unterdessen erst in sechs Wochen zu erwarten sein, wenn Konzernchef Döpfner am 3. März neue Quartalszahlen und die abschließende Bilanz für das Geschäftsjahr 2015 präsentiert.

Werbeanzeige

Mehr zum Thema

Alle Kommentare

  1. Die Entwicklung des Springer Konzerns, repräsentiert durch die Flagschiffe Die Welt und Welt am Sonntag, drückt sich nahezu abstoßend in dem neuen tiefschwarzen scheußlichem tiefschwarzen Kopf der Zeitungen aus. Wenn schon schwarze Zahlen geschrieben werden – warum denn nur das durch eine solche Trauerbeflaggung verstärken und dokumentieren.

  2. Neben der immer stärker sinkenden Auflage, insbesondere des Flagschiffes BILD ist dies zurückzuführen auf den Teufelskreislauf Auflagenschwund – Anzeigenschwund – mangelnde regionale, redaktionelle Inhalte. Hinkt das Anzeigenvolumen (wie z:B.besonders in Bild Frankfurt, Bild Mainz Wiesbaden)dann auch noch stark hinterher, leidet der Erlös des Verlages und auch letztendlich die Attraktivität für den Consumer.

  3. Nicht zu Unrecht stecken viele auflagenstarke Medien in einer Identitäts-, Sinn- und Vertrauenskrise bei den Lesern. Während es Jahrzehnte gelang, Lesern eine freie Presse vorzugaukeln, haben sich die Leser heute emanzipiert. Diese Krise betrifft übrigens auch die öffentlich-rechtlichen Anstalten, die sich nur noch mit Zwangsgebühren am Leben halten und ansonsten schon längst nicht mehr existieren würden.

    Zwischenzeitlich wachsen die Leserzahlen bei KOPP, Junge Freiheit, RT-Deutsch oder Sputnik rapide. Das stimmt sehr nachdenklich, scheint aber die satten und trägen Medienmacher nicht mehr zu tangieren. Zu bequem haben sie sich eingerichtet, in einem Leben ohne jede finanzielle Not und zehren nun von den Geldern der Aktionäre und durch systematische Entlassungen und Lohnkürzungen.

    Das Konzept, die Realitäten heimlich zu scripten und dauerhaft am Leser und der Wahrheit vorbei zu berichten, ist aber nicht aufgegangen.

  4. Soweit mußte es ja einmal kommen. Der mündige Nachrichten
    konsument ist es leid geworden, daß das Volk zu sehr polarisiert wird, daß Hartz-4-Empfänger schlecht gemacht werden und daß anders denkende durch miese Presse seitens Springer schlecht gemacht werden.

    Dank Internet und vieler kleiner unabhängiger Nachrichenportale kann jeder zwischen den Zeilen lesen, die Bild & Co. druckt und sich dadurch von der Qualität des „Qualitätsjournalismus“ ála Springer überzeugen. Die Meinungen, die sich da bilden sind vernichtend für Springer. Sie ernten jetzt das. was sie in den letzten Jahrzehnten gesät haben.

    Meiner Meinung nach wird es mit Springer erst wieder aufwärts gehen, wenn in den Springer-Blättern, die das Zugpferd Springers waren, endlich mal neutral berichtet wird, ohne reißerische Schlagzeilen und Gesellschaftszersetzende Kommentare: Das Konzept, andere gegeneinander auszuspielen um Kasse zu machen, geht in einer immer mehr aufgeklärten Gesellschaft nicht mehr auf.

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Werbeanzeige

Werbeanzeige