Gerüchte: Steigt Apple ins Bieter-Gefecht um Time Warner ein?

CEO von Time Warner: Jeff Bewkes
CEO von Time Warner: Jeff Bewkes

Digital Economy Die Tage von Time Warner als eigenständiges Unternehmen könnten gezählt sein: Wie diese Woche durchsickerte, könnte sich der US-Mediengigant selbst zum Verkauf stellen. Als möglicher Bieter wird neben Rupert Murdochs 21st Century Fox und Amazon auch wertvollste Konzern der Welt ins Spiel gebracht: Wie die New York Post berichtet, könnte Apple endlich eine Verwendung für seine überbordenden Barreserven gefunden haben und nach Time Warner greifen – nicht zuletzt als Türöffner für Apples lang gehegte Fernsehpläne.

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Die Gerüchteküche brodelt über: US-Medienriese Time Warner scheint einem Verkauf nicht mehr abgeneigt, wie die New York Post mit Verweis auf mit dem Vorgang vertraute Personen berichtet.

Obwohl die Wall Street inzwischen in Streaming-Anbietern wie Netflix und Amazon die Zukunft seht und im Mediengiganten des 20. Jahrhunderts offenkundig die Vergangenheit, verdient Time Warner immer noch prächtig: In den ersten neun Monaten des vergangenen Jahres zogen die Umsätze immerhin noch um 6 Prozent an, während die operativen Gewinne sogar um 19 Prozent im Plus liegen. Pro Quartal verdient Time Warner unter dem Strich immer noch knapp eine Milliarde Dollar.

21st Century Fox und Amazon werden als Bieter gehandelt

Das sind Dimensionen, die nun Groß-Investoren auf den Plan locken könnten. Seit Tagen kursiert das Gerücht, dass Carl Icahn, der wohl berüchtigtste Aktionärsaktivist der Welt, in Time Warner investieren und dementsprechend Druck auf das Management aufbauen könnte – wie bereits einmal (erfolglos) vor zehn Jahren  geschehen. Icahn dementierte allerdings gegenüber Reuters zumindest, dass es bislang keine Position besitze.

Doch möglicherweise könnte es gleich zu einer Großübernahme kommen: Wie die New York Post berichtet, sollen Time Warners Großaktionäre auf einen Verkauf  drängen. Als möglicher Käufer kommt automatisch Rupert Murdochs 21st Century Fox ins Spiel, der im vergangenen Jahr bereits einen erfolglosen Vorstoß wagte. Nicht weniger interessant: Auch eine Wiederauflage des 2000er-Szenarios könnte eine Option sein – und aus der Internet-Industrie Amazon bereitstehen.

New York Post: Auch Apple ist interessiert

Wie die New York Times berichtet, könnte es möglicherweise aber auch zu einem regelrechten Bietergefecht kommen, wenn sich der wertvollste Konzern der Welt einschaltet.  Apple verfolge die Entwicklung sehr genau, berichtet die Post, weil es der iKonzern mit zahlreichen Inhalte endlich seinem lang erwarteten Streaming-Dienst zum Start verhelfen könnte.

Apples oberster Dealmaker für Inhalte, Eddy Cue, versucht seit Jahren mehr oder minder erfolglos, die großen US-TV-Sender ABC, CBC, Fox und NBC für ein Streaming-Abo-Modell zu gewinnen.  Das Abo-TV-Bündel, das in diesem Jahr in den USA  erwartet wird, soll der erste Schritt sein, das klassische TV-Modell der Kabelnetzbetreiber zu entkoppeln und auf Apple TV und alle anderen Apple-Endgeräte zu bringen.

Apple braucht eigene Inhalte für Streaming-Dienst

Gleichzeitig scheint Apple erkannt zu haben, dass unverwechselbare eigene Inhalte den Wert seiner eigentlichen Produkte – der Hardware – maßgeblich steigern, wie zuletzt bei der Verpflichtung des britischen Kult-DJs Zane Lowe für das Internet-Radio Beats 1 zu beobachten. Entsprechend könnte Apple bemüht sein, das eigene Streaming-Angebotmit  Eigenproduktionen nach dem Vorbild von Netflix und Amazon aufzuwerten.

Glaubt man dem Unterhaltungsmagazin Variety, das sich auf die üblich gut unterrichteten Quellen beruft, würde Apple aktuell den Aufbau einer Unit für eigene Film- und Serienproduktionen prüfen, die Internetchef Eddy Cue unterstellt ist und dieses Jahr die Arbeit aufnehmen soll. Apple habe demnach seine Fühler nach Hollywood ausgestreckt und gleichzeitig Headhunter mit Verpflichtungen beauftragt.

Übernahme von Time Warner Türöffner für lang gehegte Fernsehpläne?

Doch die Bemühungen könnten in einem so dynamischen Markt, in dem Netflix pro Quartal drei bis fünf Millionen neue Abonnenten gewinnt, einfach zu lange dauern. „Es ist sehr schwer, einen Streaming-Service mit Abo-Modell in den Markt zu bringen, wenn man bei Null anfängt“, mahnte bereits Jessica Lessin vom Tech-Portal The Informationen im vergangenen Herbst an . „Netflix hatte seinen DVD-Verleiher, Amazon hatte Prime.“

Entsprechend könnte eine Komplettübernahme von Time Warner zum Türöffner für Apples lang gehegte Fernsehpläne werden. Apple bekäme auf einen Schlag zahlreiche Filetstücke der internationalen Fernseh- und Filmlandschaft: den Nachrichtensender CNN, die Kabelkanäle HBO (Game of Thrones) , TNT, TBS, Cartoon Network und die Filmstudios Warner Bros. (Harry Potter, Batman) und New Line Cinema (Herr der Ringe).

Apple wäre von den möglichen Bietern zudem das eine einzige Unternehmen, dass sich eine Komplettübernahme vollständig aus seinen Barreserven  bestreiten könnte: Aktuell wird Time Warner mit 56 Milliarden Dollar bewertet. Aus Finanzkreisen werden indes Kurse jenseits der 100 Dollar je Aktie genannt – ein Aufschlag von etwa 40 Prozent, der Time Warner mit 80 Milliarden Dollar bewerten würde.

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