Täglich neue Allzeittiefs: Die Wall Street gibt Twitter auf

Im freien Fall: die Twitter-Aktie

Digital Economy Tief, tiefer, Twitter. Auch heute kam der 140-Zeichen-Dienst an der Wall Street wieder unter die Räder und stürzte inzwischen standesgemäß auf neue Allzeittiefs. Der Absturz verläuft nach den Blaupausen anderer einstiger Internet-Highflyer wie Groupon und Zynga, denen der Turnaround nicht gelungen ist und die dann in der Bedeutungslosigkeit verschwanden. Die Wall Street beginnt das Apokalypse-Szenario einzupreisen, während die Branchenpresse mit Gründer Jack Dorsey abrechnet.

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So geht ein Börsencrash auf Speed: Das neue Börsenjahr ist keine 8 Handelstage alt, da liegt das aktuell wohl größte Sorgenkind der Internetbranche schon wieder knackige 20 Prozent hinten.

Twitters Kurssturz beschleunigt sich in atemberaubender Geschwindigkeit immer mehr: schließlich mussten Anleger bereits 2015 um 38 Prozent bluten. Gegenüber dem Allzeithoch bei über 70 Dollar kurz nach dem IPO 2013 hat der einstige Social Media-Liebling bereits 75 Prozent an Wert verloren.

Teenager Twitter: Auch Durchbruch durch die 20-Dollarmarke

Nicht mal die 20 Dollar-Marke hat gehalten: Seit Anfang der Woche ist Twitter mit Notierungen zwischen 18 und 19 Dollar ein Börsen-Teenager – genauso unberechenbar benimmt sich die Aktie inzwischen.

Der Markt hat offenbar genug gesehen und hat entschieden: Twitters Turnaroundstory fällt aus. Heute stuften mit mit Morgan Stanley und Mizuho zwei weitere Großbanken die Aktie hart ab. 

Die Wall Street traut Gründer Jack Dorsey offenbar nicht mehr zu, die Herkulesaufgabe als Teilzeit-CEO zu bewältigen – zu dramatisch ist die Kurshalbierung seit seinem Amtsantritt, der gerade mal sechs Monate auf Interimsbasis und drei Monate als Vollzeit-CEO her ist. Die wachsenden Vorbehalte gegen Dorsey feuerte Panda Daily-Chefredakteurin Sarah Lacy vergangene Woche in einem regelrechten Tweetstorm ab:

In der Zwischenzeit hat sich Dorsey als veritables Kursgift für eine Reihe renommierter Investoren erwiesen – von Steve Ballmer, der im Oktober investierte über den saudiarabischen Prinz Al-Walid bin Talar bis zu TheStreet.com James Cramer, der in den 140-Zeichen-Dienst für einen Treuhandfonds ActionAlerts investierte. „Wenn Twitter sich endlich mal zusammenreißen würde“, jammert Cramer, der die Aktie einst zu Notierungen über 45 Dollar einsammelte, gestern:

„Man sollte Twitter noch etwas Zeit geben“, mahnt Cramer an, obwohl der Wall Street-Veteran genau weiß, dass dies das eine Gut ist, das die Börse nicht besitzt – Geduld.

Vor allem angesichts der zahlreichen Bemühungen, die Dorsey in den vergangenen Monaten bereits angestoßen hat: 336 Stellen gestrichen, um profitabler zu werden, das lang erwartete News-Feature Moments wurde in den ersten Ländern ausgerollt, der Favoriten-Stern gegen Herzen ausgetauscht und bereits mit einem neuen Feature namens ‚Reactions‘ experimentiert. Zuletzt stellte Dorsey gar den Verzicht der 140-Zeichen-Grenze in Aussicht und drückt bei der Integration Periscope in Twitter aufs Tempo.

Die Reaktion der Wall Street ist jedoch immer die gleiche: Kurzes Achselzucken – dann eine ungebremste Fortsetzung des Verkaufsprogramms. Tief, tiefer, Twitter lautet aktuell das Konsens-Credo an der Wall Street – für Leerverkäufer, die auf fallende Kurse, ist die abgestürzte 140-Zeichen-Aktie zum Inbegriff des „leichten Geldes“ verkommen.

Keine 13 Milliarden Dollar ist Twitter mehr an der Börse wert – zu Spitzenzeiten waren es mal mehr als 40 Milliarden Dollar. Doch warum sollten die Verkäufer das Schlachtfest nun ausgerechnet bei 19 oder 18 Dollar beenden? Warum nicht bei 15, 12 oder gar 9 Dollar?

Die Twitter-Aktie befindet sich im Niemandsland und baut die Allzeittiefs jeden Tag aufs Neue aus – nicht zuletzt, weil sich die Aktie im „uncharted territory“ befindet, weil es keine Unterstützungen mehr gibt und nicht zuletzt, weil das fast zehn Jahre alte Internet-Unternehmen den Nachweis der Profitabilität immer noch schuldig geblieben ist und sich Jahr für Jahr von Emporkömmlingen wie Instagram, WhatsApp und nun sogar Snapchat nach Nutzerzahlen überrunden lassen muss.

Blaupause Zynga und Groupon: Noch viel zu verlieren

Die kommende Quartalsbilanz und vor allem die anschließende Analystenkonferenz, auf der sich Jack Dorsey im Juli wenige Wochen nach Übernahme der Amtsgeschäfte historisch blamierte, dürften für den umstrittenen Teilzeit-Chef  bereits die letzte, vielleicht die allerletzte Chance werden, das Ruder noch herumzureißen.

Gelingt Dorsey der Befreiungsschlag nicht, dürfte Twitter bald den Blaupausen von zwei anderen hoch gewetteten Internet-Börsengängen folgen – den von Groupon und Zynga. Beide Hoffnungsträger bescherten Anlegern in den ersten Handelstagen noch  Zugewinne, ehe der Sturz ins Bodenlose folgte.

Wie tief es an der Börse gehen kann, macht ein Blick auf die Zynga- und Groupon-Aktien deutlich, die sich nach Abstürzen von über 90 Prozent beide ein trauriges Schildkrötenrennen zwischen 2 und 3 Dollar liefern – knapp über dem Niveau ihrer Bargeldreserven. So gesehen hat Twitter immer noch viel zu verlieren…

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Alle Kommentare

  1. statt auf werbung sollten die besser auf premium accounts setzen:

    – normaler account: 160 zeichen (1 sms) frei
    – premium account: 320 zeichen (2 sms) – 1 $ / Monat
    – premium account: 480 zeichen (3 sms) – 2 $ / Monat

    und das wars. ist besser für die nutzer und besser für twitter.

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